Das Neue Jahr beginnt wie das Alte aufgehört hat. Ein Paradigmenwechsel in Ernährungsfragen ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Pflanzenkost bekommt durch die Klimadebatte mehr Aufmerksamkeit in den populären Medien. Trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer. Nur ist dieser von Low Carb weit entfernt. Er heißt Fasten. Entweder eine 5:2 Diät, fünf Tage essen nach Lust und Laune und 2 Tage Verzicht, oder intermittierendes Fasten, die Esspausen so lang wie möglich halten, z.B. 16 Stunden, und das Essfenster auf kurze Phasen, z.B. 8 Stunden, beschränken.

All das sind keine schlechten Ideen für Normalverbraucher. Solange man durchhält ist Abnehmen oft möglich. Ob die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen garantiert wird und der Stoffwechsel auch angekurbelt wird, ist individuell unterschiedlich. Diese beiden Methoden stehen nicht in Konflikt mit den offiziellen Ernährungsempfehlungen und werden auch von Ärzten gut geheißen. Der Grund: man schaut vor allem auf die Menge der Kalorien, nicht darauf was man isst.

Anders ist es schon, wenn man sich entschließt, sich kohlenhydratarm und fettreich zu ernähren. Man steht völlig allein auf weiter Flur und findet in der Öffentlichkeit kaum Unterstützung. Hier und da verirrt sich eine Meldung über die Vorteile der ketogenen Ernährung, die aber gleich wieder von Warnungen vor Fett konterkariert werden.

Doch zurück zu den boomenden Diäten, 5:2 oder intermittierendes Fasten. Beide ermöglichen die Verbrennung von körpereigenem Fett, was sie auch mit der ketogenen Ernährung gemeinsam haben: Bei Nahrungsmangel wie beim Fasten nützt der Körper zuerst eigene Zuckerreserven, die als Glykogen gespeichert sind, und greift anschließend das körpereigene Fett an. Dieses Ziel erreicht man aber auch mit der ketogenen Ernährung. Letztere hat den Vorteil, dass dabei kein Hunger aufkommt. In Ketose kommt man, wenn Kohlenhydrate unter 20 Prozent der Kalorien reduziert und diese durch Fett ersetzt werden. Als Hauptenergieträger macht  es Fett möglich längere Phasen, ja sogar einen ganzen Tag  auf das Essen zu vergessen. Ketogene Ernährung macht intermittierendes Fasten oder eine 5:2 Diät bequem und einfach. Also, warum nicht gleich ketogen leben, als immer wieder zwischen Zuckerstoffwechsel und Fettstoffwechsel hin und her springen?

Das Fett tritt hinter den Vorhang, der Zucker betritt die Bühne!

Im Hintergrund zeichnet sich ein vorsichtiges Abtasten völlig neuer Ernährungs- und Gesundheitsprinzipien ab. Klar, man kann das alte Paradigma von Gefahr durch Fett nicht von einem Tag auf den anderen fallen lassen. Im Vordergrund von Ernährung, die Ansprüchen der Gesundheit gerecht werden soll,  rückt seit einigen Jahren der Zucker. Fett als Feindbild Nummer Eins wurde von Zucker abgelöst.

Leider wird die Ernährungswissenschaft immer noch von überholten Mythen geprägt. Alle unabhängigen Studien zeigen, dass nicht das natürliche Fett in der Nahrung Übergewicht bewirkt, sondern der Zucker und ein Übermaß an Kohlenhydraten. Beide werden unkontrolliert mit einer Vielzahl von verarbeiteten Lebensmittel konsumiert, wie sie ca. zu 80 Prozent der Regale in den Supermärkten füllen.

Es wäre viel gewonnen, wenn die Menschen eine Ahnung hätten, wieviel Zucker sie täglich vertilgen, ohne es zu merken. Und wenn sie auch wüssten, dass stärkereiche Produkte, wie Getreide, genauso folgenreich sind, wie alle süß schmeckende Leckerbissen. Stärke ist nichts anderes als konzentrierte Zuckermoleküle.

„Du sollst nicht merken“ ist der Leitspruch der Lebensmittelindustrie.

Verarbeitete Lebensmittel sind voll verstecktem Zucker!

Viele Gesundheitsorganisationen, wie die WHO, Diabetesorganisationen, American Dietary Guidlines, medizinische oder populäre Ratgeber sind sich einig. Sie fordern auf, die tägliche Einnahme von allen Arten von Zucker auf 10 Prozent der Energie zu verringern, günstiger zusätzlich auf 5 Prozent.

Die kleinste erlaubte Menge von 5 Prozent der Kalorien ergibt immer noch 25 bis 30 Gramm Zucker täglich, das sind 6 bis 10 Teelöffel!

Auch eine noch so geringe Menge Zucker wird über den Stoffwechsel zur Energiegewinnung in Glukose und Fruktose  umgebaut. Nährwert enthält Zucker keinen, als Brennstoff ist er aber brandgefährlich.

In der Bevölkerung ist aber komplett unbekannt, dass auch alle weiteren Kohlenhydrate, die auf den Etiketten oft als Ballaststoffe bezeichnet werden, als Glukose oder Fruktose in den Blutkreislauf eingeschleust werden. Mit Fertigkost nehmen wir daher jede Menge Energie auf, ohne  dass uns bewusst ist, dass die wichtigsten Nährstoffe fehlen. Denn diese müssen im Rahmen der industriellen Lebensmittelverarbeitung aus Gründen der Haltbarkeit, der Konsistenz und des Geschmacks entfernt werden.

Die überschüssige Energie, die vor allem von Kohlenhydraten stammt, wird als Körperfett gespeichert.

Sie werden einwenden, „warum wird nicht Nahrungsfett als Körperfett gespeichert?“

Solange wir Nahrung essen, die in Glukose umgewandelt Energieüberschüsse produziert und die zum Abbau Insulin benötigt, werden wir nur mit großen Mengen satt, bzw. in kurzen Abständen wieder hungrig. Das Hormon Insulin übernimmt die Aufgabe, die überschüssige Energie als Körperfett zu speichern. Die hohe Insulinproduktion führt zur Unterdrückung der Sättigungshormone, wie Leptin. Wenn wir aber natürliches, unverarbeitetes Fett mit der Nahrung aufnehmen, bleibt die Insulinausschüttung gering, und Sättigungshormone können ihre Wirkung erzielen. Wir werden mit Fett schneller und nachhaltig satt. Essen verliert seinen Zwang, der wiederkehrende Hunger und die Suche nach Essbarem lässt nach. Voraussetzung für diesen evolutionär bedingten Prozess ist das Fehlen von regelmäßigen und größeren Mengen an Kohlenhydraten.

Die verarbeitete Fertignahrung ist genau das Gegenteil einer gesunden Ernährung.

Es gibt Abhilfe:

Beim Einkaufen unverpackte und frische Produkte wählen und darauf achten, dass der Anteil der Zusatzstoffe gering ist. Hausmannskost mit Rezepten unserer Großmutter sollten wieder zur Geltung gelangen. Bis in die 1970-er Jahre waren Ernährungsempfehlungen unbekannt und eine Fetthysterie gab es nicht.  Unsere Mütter waren schon Töchter der modernen verwissenschaftlichten Zeit. Trotz ihrer Emanzipation blieb die Versorgung der Familie an ihnen hängen (was für eine Emanzipation?). Das Kochen konnte man sich sparen, denn der Preis für Fertignahrung sank im Verhältnis zum Einkommen. Eine Fertigpizza in der Mikrowelle machte aus dem Pascha einen fürsorglichen Familienvater. Die Lebensmittelindustrie begann zu kontrollieren, was auf den Tisch kam. Ihre Gutachten werden stärker von Marketing als von Wissenschaft beeinflusst. Als gesund wurde verkauft, was den Interessen der Lebensmittelindustrie und nicht was den Konsumenten nützte. Denken sie nur an die Propaganda für Milchpulver für Neugeborene in den 1960-er Jahren, die angeblich viel mehr Nährstoffe für das Baby enthielt als Muttermilch.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist nur eher schlimmer geworden. Dies zeigt sich an den wachsenden Zahlen der übergewichtigen bis fettleibigen Bevölkerung in den Industrieländern. Die Hälfte der Bevölkerung ist derzeit übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30), in 10 bis 20 Jahren könnte bereits die Hälfte der Bevölkerung fettleibig sein (BMI über 30), was vor allem in den USA als erstes zutreffen wird. Derzeit leidet schon jeder Zehnte Wohlstandsbürger an Diabetes und die Neuerkrankten werden immer jünger!

Was ist zu tun?

Ein aktueller Artikel in den Regionalnachrichten Nordrhrein-Weistfahlen zeigt es deutlich: „Diabetes breitet sich in fast allen Altersgruppen aus“

Es ist erfreulich, dass sich führende Medien dem Kampf gegen Zucker und gleichzeitig auch der Aufklärung über verarbeitete Fertignahrung widmen. Zum Jahreswechsel hat die NewYork Times dieses Thema an prominenter Stelle aufgegriffen, mit der Empfehlung, sich folgenden Vorsatz für 2020 zu überlegen:

„Make 2020 the Year of Less Sugar“

In diesem Artikel wird festgestellt:

  • Fast allen verarbeiteten Lebensmitteln wird Zucker zugesetzt. In der englischen Sprache gibt es seit längerem einen Begriff, der es kurz und prägnant auf den Punkt bringt: „added sugar“! Hingegen klingt „verarbeiteter Zucker“ auf Deutsch noch ein wenig ungewohnt und holprig.
  • Jeder Zucker, auch der unerkannte beigefügte Zucker macht süchtig, ähnlich wie Tabak oder Alkohol.
  • Wir müssen dazulernen, dass Zucker mehr ist, als süß schmeckende Naschereien! Zucker ist alles, was durch Stoffwechsel in Glukose und Fruktose verwandelt wird.
  • Die Lebensmittelindustrie verarbeitet viele Arten von Zucker und benennt sie nicht. Sie darf mit gesetzlicher Unterstützung die Beimischung verbergen!
  • Als gesichert gilt die Tatsache, dass alle Arten von Zucker, verarbeitet oder Süßstoff, verantwortlich sind für Übergewicht, Diabetes und zahlreiche Stoffwechselerkrankungen. Starke Indizien weisen auf Zusammenhänge mit Krebs, Alzheimer und Herzkreislauferkrankungen hin.

Der Volksmund spricht mit gewissem Respekt vom Bierbauch. Bier allein kann es nicht sein. Man sollte ihm den zärtlichen Namen „Zuckerwampe“ geben, was die wahre Ursache genauer treffen würde.

 

Schlag nach bei Robert Lustig!

Wenn Sie mehr wissen wollen, Prof. Robert Lustig und sein Team an der University of California, San Francisco, sind eine unerschöpfliche Quelle über die Gefahren dieses Suchtmittels. Mehr dazu auf YouTube oder seiner Seite, welche die ungesüßte Wahrheit des Zuckers zeigt:

„How Much Is Too Much? The growing concern over too much added sugar in our diets“

Lesen Sie auch den nächsten Artikel auf diesem Blog: Jenseits der Kalorien – liegt das Problem in der Verarbeitung?