Dr. Evelyne Bourdua-Roy, M.D.

ist eine praktische Ärztin in Montreal, Kanada. Im Mutterschutz kam sie mit Low-Carb in Kontakt. Sie beschloss, diese Ernährung für ihre berufliche Praxis zu nützen.  Nach einem Training bei Dr. Jason Fung und Megan Ramos, gründete sie im Februar 2017 ihre eigene LCHF Klinik.

In einem Artikel, erschienen auf Dietdoctor com. gibt sie ihre Erfahrungen mit Ernährungsberatung preis und fordert zur Nachahmung auf. Hier gehts zum englischen Original:
Pay It Forward, or Why You Should Come Out of the Low-Carb Closet

Übersetzung aus dem Englischen von Mag. Robert Schönauer

 

Die beste Entscheidung meines Lebens war, meine Ernährung auf Low-Carb umzustellen. Das hat mir extrem geholfen: Ich habe über 15 kg verloren, genieße stabile Energie, fühle mich stark, auch wenn mich mein 18 Monate alter Bub die ganze Nacht wach hält, kann ohne weiteres fasten, schlafe gut und hatte noch nie so freie Nebenhöhlen (ich litt regelmäßig unter bakteriellen Nebenhöhlenentzündungen).

Ganz klar,  die Low-Carb Ernährung hat mein persönliches Leben in einem Maße verändert, dass der Wunsch aufkam, meine Patienten darüber zu informieren. Letztendlich hat sich dadurch auch meine ärztliche Praxis komplett verändert.

Immer, wenn mich ein Patient mit Prädiabetes, einem metabolischen Syndrom, Diabetes, chronischen Schmerzen, chronischer Müdigkeit, Bluthochdruck oder Übergewicht besucht, nütze ich die Chance zu einer gründlichen medizinischen Beratung, indem ich mir die Zeit nehme zu erklären, wie diese Krankheiten entstehen und wie sie mit Lebensstiländerungen kuriert werden können.

Manchmal muss ich mich am Ende einer Konsultation für Medikamente entscheiden um die gesundheitlichen Probleme zu behandeln. Ein anderes Mal wiederum wird eine gesunde Low-Carb Ernährung angenommen. Auf jeden Fall aber wurden meinen Patienten die gebührenden Erklärungen gegeben, wodurch sie eine Chance hatten, ihre eigene Entscheidung auf der Basis von guten Informationen zu treffen. Obwohl ich manchmal Medikamente verordnet habe, ist es passiert, dass meine Patienten trotzdem und ohne mein Wissen ihr Verhalten geändert haben, entsprechend dem „Transtheoretischen Modell“ von James O. Prochaska.

(Das Transtheoretische Modell ist ein Konzept zur …. Erklärung…. von intentionalen Verhaltensänderungen. Das von James O. Prochaska von der University of Rhode Island und seinen Kollegen entwickelte Modell basiert auf der Annahme, dass Änderungsprozesse mehrere qualitativ unterschiedliche und sukzessive aufeinander aufbauende Stufen durchlaufen. Das Modell wurde auf unterschiedliche Gesundheitsverhaltensweisen, z. B. Tabakrauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Bewegung/Sporttreiben adaptiert. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Transtheoretisches_Modell)

Man weiß nie, in welchem Zustand der Betroffenheit jemand die Ordination verlässt, nachdem alles diskutiert und beschlossen wurde und ein Neuanfang bevorsteht. In vielen Fällen habe ich eine Überraschung erlebt.

Für einen vielbeschäftigten Arzt ist es sicherlich am einfachsten, Medikamente zu verschreiben anstatt viel zu erklären. Das gilt auch für unser Gesundheitssystem. Je mehr Patienten ich am Tag behandle, desto mehr füllen sich meine Taschen. Je mehr Medikamente ich verschreibe, desto mehr Zeit spare und desto mehr Geld verdiene ich. Im Grunde arbeite ich in einem System, das das Kranksein pflegt, auf Medikamente zentriert und  auf Operationen ausgerichtet ist und nicht in einem Gesundheitssystem, das an Vorbeugung und Lebensstilmaßnahmen interessiert ist.

Raus aus der Deckung

Trotzdem bin ich der Meinung, der einzige Weg zu guter medizinischer Behandlung ist es, die Patienten eingehend über ihre Möglichkeiten zu informieren, dann ihre Entscheidung zu respektieren und sie auf ihrem Weg zur Gesundheit zu beraten oder ihnen zumindest bei der Stabilisierung ihrer Gesundheitsprobleme beiseite zu stehen.

Trotz des Zeitaufwandes bei der ausführlichen Beratung der Patienten über Lebensstiländerungen, habe ich das Gefühl, es geht etwas weiter. Ich bin dieser Art zu essen sehr dankbar, daher ist es nur fair, anderen etwas davon mitzugeben. Ganz besonders seit ich als Ärztin tägig bin. Damit habe ich Verantwortung für die Patienten übernommen.

Ich war Anfang August bei  der Low Carb USA Konferenz in San Diego. Es war einfach großartig! Das Publikum bestand zur Hälfte aus medizinischen Berufen und zur anderen Hälfte aus einem Querschnitt der Bevölkerung. Für einige war diese Art zu essen neu, andere lebten schon jahrelang nach Low-Carb.

Eines fiel mir abseits der aktuellen Präsentationen ganz besonders auf. Viele Anwesende, ob Referenten, Produktpräsentanten oder passive Zuhörer, engagierten sich in irgendeiner Art und Weise an der Weiterverbreitung der Low-Carb Idee und der Unterstützung anderer, und zwar auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Einige wie ich, durch frei zugängliche öffentliche Fortbildungen, andere durch die Errichtung von Stiftungen, durch Petitionen, in non-profit Organisationen, durch Bewusstseinsbildung an ihrem Arbeitsplatz oder im Rahmen von freiwilliger Arbeit.

Die meisten Vortragenden gingen bereitwillig auf die zahlreichen Fragen ein, wenn nötig auch durch Emails. Viele sind bereit, Menschen in Gesundheitsberufen an ihren Kliniken weiterzubilden. Meist unentgeltlich, wie z.B. Dr. Jason Fung. Als ich vor einem Jahr an ihn und Megan Ramos mit der Bitte um Informationen herantrat, sagte er ohne weiteres zu. Ich durfte ihn einfach begleiten. Er sagte nicht, „ja, sicher, aber das kostet $ 2000 pro Woche“. Das stünde ihm zu. Obwohl beide sehr beschäftigt sind, sagten sie einfach ja. Und noch dazu unentgeltlich. Sie wollen der Sache dienen und ich vermute sie stecken eigenes Geld hinein.

Vorigen Montag organisierten meine Ordinationsschwester Sylvie, mein Kinesiologe Marc und ich eine öffentliche Fortbildung zum Thema Behandlung von Diabetes Typ-2 und Übergewicht mit einer kohlenhydratarmen Ernährung. Wir bieten diese kostenlos an, weil wir der Meinung sind die Menschen haben es verdient, von dieser Option zu erfahren. Man kann sich vorstellen, dass Kosten für Saalmiete entstehen und dass unser Engagement Zeit von unseren Familien nimmt.

Ich erkannte in der Menge viele Gesichter: Patienten aus den Low-Carb Programmen, neben Verwandten und Freunden, denen sie ihren Weg vermitteln wollen. Was ihnen gelungen war, wollen sie auch an ihre Verwandten weitergeben. Es geht ihnen um die Verbreitung der Sache. Sie wollen andere an dem Wissen von der Gesundheit, die sie selbst erfahren haben, teilhaben lassen. Und das ist es, was das Herz eines Arztes erwärmt.

Wenn du im Gesundheitsbereich als Arzt oder wie auch immer, tätig bist und du warst mit Low-Carb persönlich erfolgreich, dies aber noch bei dir behalten hast, wird es Zeit aus dem stillen Kämmerlein herauszutreten. Es ist Zeit, Patienten darüber zu informieren. Vielleicht ist dir nicht klar, wie du damit beginnen solltest, du vermisst die pädagogischen Werkzeuge und bist unsicher, wie Patienten oder Kollegen reagieren werden. Das ist verständlich, sollte dich aber nicht entmutigen. Beginne vorsichtig in kleinen Schritten. Such dir einen aufgeschlossenen Patienten, der über Medikamente klagt. Nimm dir Zeit mit diesem Patienten zu sprechen.

Bist du ein Arzt oder anderweitig medizinisch tägig, und hast schon einige Zeit Patienten mit einer Low-Carb Ernährung beraten, erzähl es weiter um andere Ärzten und Experten auf diese Behandlung neugierig zu machen. Gib deine klinischen Erfahrungen weiter, auch wenn du feststellst, dass dich manche für einen Scharlatan halten. Dann bist du in bester Gesellschaft mit Persönlichkeiten, wie Dr. Phinney und Dr. Westman, um nur zwei von vielen zu erwähnen. Dir wurde von der Low-Carb Community geholfen, du hast durch sie gelernt. Es ist Zeit, auch anderen zu helfen.

Wenn du nicht im Gesundheitssystem arbeitest aber diese Art zu essen übernommen und davon profitiert hast, teile deinen Erfolg anderen mit, einfach durch Weitergabe dessen, was du bereits weißt, auch wenn das nie alles sein kann (was für jeden zutrifft!). Beginne mit der Verbreitung der Idee, auch wenn dich Freunde und Verwandte aufdringlich finden. Gib anderen Menschen auch die Gelegenheit ihre Gesundheit und ihr gesundes Gewicht wieder zu erlangen. Misch dich ein auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Mache auf dich aufmerksam.

Dr. Èvelyne Bourdua-Roy

Dr. Bourdua-Roy schreibt regelmäßig Gastartikel für www.dietdoctor.com

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