Vorwort der Übersetzer zur zweiten Auflage („Köstliche Revolution“)

Robert und Gunnela Schönauer

 

Wir entdeckten die kohlenhydratarme Ernährung durch unsere familiären Kontakte mit Schweden und probierten sie einfach aus. Wir waren überrascht, dass uns diese Ernährung so wohl bekam und vertieften uns in die vorhandene Literatur. Das Buch »Matrevolutionen« des Arztes und Ernährungsspezialisten Dr. Andreas Eenfeldt hatte einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung der revolutionären Ernährungsweise in Schweden und brachte am besten auf den Punkt, was jeder von uns mit einfachen Mitteln ändern kann.

Sie halten jetzt die 2. Auflage dieses Buches in der Hand. Aus dem ursprünglichen Titel »Köstliche Revolution« wurde »Echt fett«. Aus gutem Grund. Die These, dass natürliche Fette gesund und verarbeitete  Kohlenhydrate langfristig schädlich sind, wird von der Wissenschaft laufend bestätigt. Mehr Fett heißt, sich befreien von der Angst, gesättigte tierische Fette könnten zu Übergewicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes führen. Mehr Fett heißt auch, Fett genießen, wegen des Geschmacks, der guten Sättigung und der Energie. Mehr Fett bedeutet auch, auf Kohlenhydrate weitgehend verzichten zu können.

Diese Idee beruht auf den Essgewohnheiten traditioneller Kulturen vor Ausbreitung der westlichen Zivilisation und der damit zusammenhängenden Produktivitätssteigerung. Sie reicht zurück in eine Zeit, als sich die Landwirtschaft am Eigenbedarf und an lokalen Bedürfnissen orientierte. Die moderne Wissenschaft zeigt uns heute, dass die Menschen vor vielen Jahrzehnten instinktiv vieles richtig gemacht haben. Dadurch waren auch Dickleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten eine Ausnahme. In Ermangelung von Medikamenten und eines ausgebauten Gesundheitssystems waren Hausmittel die erste Wahl, unter anderem auch das Fett und die Einschränkung von Kohlenhydraten (z. B. bei Diabetes und Übergewicht).

Die Fettangst der letzten 50 Jahre, vor allem vor gesättigten tierischen Fetten, stellt sich heute als unbegründet und Irrweg heraus. Sehr auffällig: Die Epidemie des Übergewichts geht Hand in Hand mit der Reduktion von Fett. Was lief so katastrophal aus dem Ruder? Warum werden die Menschen immer dicker, obwohl sie immer weniger Fett essen?

Andreas Eenfeldt gibt die Antwort. Eine wachsende Zahl von Ärzten und Wissenschaftlern sagen auch: »Leider, wir haben uns geirrt, es war ein Fehler, auf Kohlenhydrate anstatt auf Fett zu setzen.« Eine Bewegung von unten ist im Gang, von Mensch zu Mensch, über persönliche Kontakte, aber vor allem über Blogs, Facebook und Twitter. Das Internet macht es möglich, dass sich Menschen selbst informieren und nicht mehr auf offizielle Empfehlungen angewiesen sind. Die Menschen verweigern in Ernährungsfragen der Schulmedizin ihre Gefolgschaft und haben damit Erfolg!

Was macht uns sicher, dass LCHF (Low Carb High Fat) auch langfristig gesund ist?

Zunächst die Erfahrungen in Schweden. Die Schweden sind weltweit Vorreiter dieser Ernährungsweise. Mutige Ärzte haben gegen die Bürokratie das Recht erstritten, Patienten mit Diabetes und Übergewicht kohlenhydratarme Kost zu empfehlen. Medien und Zivilgesellschaft mischten sich in den Konflikt ein. Ein »Fettkrieg« brach im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts aus, mit dem Ergebnis, dass immer mehr Menschen selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernahmen. Der Prozess ist noch lange nicht zu Ende!

Zum anderen werden weltweit permanent neue Studien publiziert, die die Theorie vom gefährlichen Fett über den Haufen werfen. Das hat in Skandinavien und den englischsprachigen Ländern eine vehemente Diskussion ausgelöst. Ein Meilenstein war, als im September 2013 die SBU in Schweden (Statens beredning för medicinsk och social utvärdering/Staatliche Kommission für medizinische und soziale Begutachtung) eine fettreiche Low-Carb-Ernährung als vorteilhafter für Gewichtskontrolle und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten bewertete – im Vergleich zu einer traditionellen fettarmen, kohlenhydratreichen Kost.

Seit mehr als zehn Jahren leben zahlreiche Menschen in Schweden nach dieser Ernährungsform, haben auch langfristig gute Blutwerte und erfreuen sich an ihrer Gesundheit und Energie. Die Community wächst und führt allmählich zur Akzeptanz bei Ärzten und im Gesundheitswesen. Negative Langzeiteffekte werden zwar immer wieder unterstellt, konnten aber bisher nicht mit der LCHF-Ernährung in einen kausalen Zusammenhang gebracht werden.

Ärzten wie Andreas Eenfeldt ist es zu verdanken, dass die Bevölkerung wichtige neue Informationen erhält, um Gesundheit, Energie und Gewicht besser in den Griff zu bekommen. Er hat seine Arbeit als praktischer Arzt in einem öffentlichen Ärztezentrum in Karlstad aufgegeben, um sich einer größeren Aufgabe zu widmen: Jeder kann auf seinem Blog nachlesen, Videos studieren und selbst ausprobieren, ob die LCHF-Ernährung zur Gesundung beitragen kann.

Der schwedische Blog www.kostdoktorn.se gilt als das größte Gesundheitsportal Skandinaviens mit ca. 40.000 Aufrufen täglich (Jänner 2016). Der englische Blog www.dietdoctor.com wächst rasant und hält derzeit bei ca. 60.000 Aufrufen täglich. Eenfeldt hat ein Team von mehr als sieben Mitarbeitern und stellt die Informationen auf Englisch und Schwedisch prinzipiell gratis zur Verfügung. Filme, Interviews und Vorlesungen sind kostenpflichtig. Machen Sie Gebrauch von seinem großzügigen Angebot!

Er selbst begnügt sich aber nicht mit dem augenblicklichen Erfolg. Er setzt sich zum Ziel, mit seinem englischen Blog – www.dietdoctor.com – neue Rekorde zu brechen und weltweit an der Spitze der Bewegung für kohlenhydratarme Ernährung zu stehen. Um dies zu erreichen, plant er seinen Mitarbeiterstab zu erweitern und die Infokanäle um ein Vielfaches zu verbessern. Eenfeldt setzt ganz auf die sozialen Netze, um mithilfe der modernsten technischen Mittel die Menschen rund um den Globus aufzuklären.

Ohne andere hervorragende deutschsprachige Blogs abzuwerten, möchten wir besonders auf jene hinweisen, die persönlich von der schwedischen Entwicklung geprägt wurden:

www.echt-fett.at

www.lchf-deutschland.de

www.lchf.de/

www.paleolowcarb.de

Eenfeldt bewegt sich im Rahmen modernster evidenzbasierter Wissenschaft. Die medizinische Hochsprache ist nicht seine Sache. Vielmehr wird umgangssprachlich ein komplexer medizinischer Ablauf erklärt. Die Kraft der einfachen, lebendigen Sprache macht den Text spannend. Als Übersetzer waren wir bestrebt, diesen Stil auch im Deutschen beizubehalten.

Robert und Gunnela Schönauer
Im Jänner 2016