Das ist Wasser auf die Mühlen aller alten LCHF Haudegen (Low-Carb, High-Fat). Das NDR-Gesundheitsmagazin Visite, erklärt am 12.09.2017 ganz freimütig, dass wir alles, was wir über die Fette zu wissen glaubten, falsch ist und wir Opfer einer betrügerischen Wissenschaft geworden sind.

Nichts anderes, als wir im Rahmen unserer Community seit Jahren diskutieren und am eigenen Leib entdeckt haben und warum wir in die Öffentlichkeit gehen, bloggen, vortragen, informieren, schreiben und uns weiterbilden. Das Bild in der Öffentlichkeit beginnt sich allmählich in unserem Sinn zu wandeln. Früher oder später werden es alle immer schon gewusst haben. Zumindest ist schnell vergessen, wie sie über uns gelacht, gespottet oder uns bedauert haben. Ja, wir verzeihen allen, die beharrlich darauf bestanden haben, gesättigtes Fett schädigt die Gefäße und ohne Kohlenhydrate geht es nicht. Dieses Thema ist nach dem Stand der Wissenschaft gegessen. Ja, wenn es nach den Aussagen der Wissenschaft geht, ist eine fettreiche Ernährung sogar lebenswichtig. Wenn man aber die Kommentare zur jüngsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen in THE LANCET, der PURE Studie, liest oder hört, kann einem weiterhin das Hören und Sehen vergehen. Aber wie so vieles, auch die Zeit der Ewiggestrigen geht einmal zu Ende, leider mit Verzögerungen, die Uneinsichtigen können in den Medien weiterhin unnötiges Leid und Elend verbreiten.

Der 5-minütige Beitrag auf Visite stützt sich auf die PURE Studie, die im letzten Blogbeitrag vorgestellt wurde. Dr. Martin Riedl, einer der Ernährungs-Docs von Visite und Ernährungsmediziner aus Hamburg, war noch nie so deutlich:

„Fett ist tatsächlich vollkommen rehabilitiert, es macht eben nicht nur nicht dick und es fördert auch nicht Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Auch wer vor allem gesättigte Fettprodukte isst, Fett aus Fleisch und Milchprodukten, profitiert.“

„Damit ist eindeutig klar, dass die Kohlenhydrate der Buhmann in der Ernährung sind und nicht die Fette“.

Dazu der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Sina vom Univ. Klinikum SH Lübeck:

„Das Entscheidende, was man bei dieser Studie gefunden hat, dass je mehr Fett in der Nahrung enthalten ist, ein Bezug zur Sterblichkeit besteht. D.h. Leute mit hohem Fettanteil in der Nahrung sind weniger gestorben….“ …“und Menschen die sehr viele Kohlenhydrate essen, sind eher gestorben“, ergänzt die Stimme der Kommentatorin.

Im Gegensatz zu den eindeutigen Aussagen der Studie, auf die sich Dr. Riedl beruft, versucht der Ernährungsmediziner Dr. Christian Sina, seine eigene Aussage wieder abzuschwächen. Und das klingt so:

„…. Man muss im Auge behalten, dass die Gesamtkalorienzahl nicht überschritten wird“.

Also doch mehr Kohlenhydrate, weil diese nur halb so viele Kalorien haben wie Fett? Das klingt wieder so vernünftig, ausgewogen und verführerisch: nämlich, iss was dir schmeckt, du hast es im Griff, solange du nur auf die Kalorien achtest. Genau diese Aussagen von Experten sind das Dilemma und führen dazu, dass sich niemand ernsthaft gefordert fühlt, seine Ernährungsgewohnheiten zu überdenken.

Oder an anderer Stelle:

„Ernährungsexperten sind sich einig, dass es einen großen Unterschied macht, welche Kohlenhydrate man isst“.

Sich mit den frischesten Kohlenhydraten aus dem eigenen Garten oder dem naheliegenden Glashaus jahrelang satt zu essen, ist zwar besser als Fast-food, aber keine Garantie gegen Gewichtszunahme und Stoffwechselstörung. Auch Obst in großen Mengen liefert Kohlenhydrate, die bei manchen bald zu viel werden können.

So bringt eine andere Ernährungsmedizinerin, die Kardiologin Dr. Melanie Hümmelgen vom RehaCentrum Hamburg, am Ende der Reportage alles wieder „ins rechte Lot“:

„Vollkornbrot, Kartoffeln, Nüsse und alle Arten von Hülsenfrüchten zum Beispiel, in denen Kohlenhydrate enthalten sind, sind gut für uns.“

Zumindest bleibt ein wichtiger Satz von ihr ganz am Ende hängen, den man sich auf jeden Fall einprägen muss:

„Aber der industrielle Zucker, der vor allem in Fertiggerichten ist, und immer in Getränken, wenn es nicht Wasser ist, das ist ein Problem, und der muss reduziert werden.“

Danke Frau Dr. Hümmelgen für diesen Minimalkonsens!

Wem sollen wir also glauben, Dr. Martin Riedl oder Dr. Melanie Hümmelgen mit ihrem Plädoyer für Kohlenhydrate? Oder gar Dr. Christian Sina, der sich für das Kalorienzählen ausspricht? Eines lernen wir: so sieht er aus, der Paradigmenwechsel. So schlecht hat der TV Beitrag gar nicht begonnen. Die Redakteure hat wohl der eigene Mut verlassen. Man merkt, sie wollten sich rundum absichern. Am Ende sorgt das Thema für eine gute Einschaltquote mit Gesprächsstoff und jedermann kann sich bestätigt fühlen.

https://www.youtube.com/watch?v=lgQMeHo7-dk

Zur aktuellen Sendung Visite: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-Mehr-Fett-weniger-Kohlenhydrate,ernaehrung640.html

Dazu auch: Gesunde Fette machen schlank und schlau! – Die Ernährungs Docs (11.01.16)