Weiterführende Gedanken zum Buch von Florian SCHWINN  „TÖDLICHE FREUNDSCHAFT – was wir den Tieren schuldig sind und warum wir ohne sie nicht leben können“ von Mag. Robert Schönauer.

Weil Tiere Teil unserer Existenz sind, müssen wir sie als Lebewesen ansehen, die Gefühle haben und Schmerzen empfinden. Trotzdem dürfen wir sie töten um von ihnen zu leben. Ein Exkurs in die Evolution

Menschen, die sich der kohlenhydratarmen Ernährung verschreiben, wissen tierische Nahrung zu schätzen. Ohne tierische Nahrung keine gute Gesundheit. Die Erklärung liefert unsere Evolution. Wir sollten uns diese immer wieder in Erinnerung rufen.

Der Weg zu einem klugen Köpfchen und flachen Bauch

Die Entwicklung vom Säugetier Affe zum Säugetier Mensch war nur durch energiereiche Nahrung möglich. In Zeiten des reichen Wildbestandes versorgten sich die umherziehenden Gruppen der Jäger und Sammler mit tierischer Nahrung, wobei die Nutzung des Feuers half, diese Nahrung besser verdaulich zu machen und die Haltbarkeit zu verlängern. Der Affe entwickelte sich also mit Hilfe der Spezialisierung auf neue, z.T. in Überfluss vorhandene tierische Nahrungsquellen, bestehend aus Eiweiß und Fett. An diesem natürlichen Angebot kamen unsere Vorfahren nicht  vorbei. Zeitraubende Suche nach pflanzlichen Nahrungsmitteln trat in den Hintergrund und blieb den Zeiten vorbehalten in denen das Klima schwankte und Tierherden ausblieben. Der Lohn für die Spezialisierung auf tierische Nahrung war mehr Zeit, Muße und gemeinschaftliche Aktivitäten, die auch zur Herstellung und Weiterentwicklung von Jagdwerkzeugen verwendet wurde. Aber nicht nur das: die „einseitige“ Ernährung ließ das Gehirn wachsen (kluges Köpfchen), der Verdauungstrakt wurde entlastet und bildete sich zurück (flacher Bauch). Dank der neuen Nahrung konnten Erfahrungen in einem größeren Gehirn gespeichert werden, was zur Entstehung von immer neuen Kulturtechniken und der Sprache beitrug. Der Mensch mit seinen vielfältigen Anlagen war geboren, vom Homo habilis (befähigter Mensch, der Steinklingen herstellt) zum Homo sapiens (moderner Mensch, der massiv in die Umwelt eingreift) dauerte es aber immerhin einige Millionen Jahre.

Tierisch gut: Tiere als Nahrungsspender

Aus unserer evolutionären Anpassung an Umweltbedingungen können wir auch verstehen, warum unsere Art Homo auf tierische Nahrung angewiesen ist:

Auf dem Weg von den Primaten, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, zum Menschen, hat sich der Stoffwechsel an die tierische Nahrung angepasst. Ganz entscheidend ist tierisches Protein, denn nur dieses enthält jene Aminosäuren, die der Körper unbedingt benötigt und dessen Umwandlung aus pflanzlichem Protein dem Stoffwechsel nur mangelhaft möglich ist. Wir sprechen von ca. 10 essentiellen Aminosäuren, die bei Aufspaltung von Protein entstehen und nur in tierischem Protein vorhanden sind. Die „Bioverfügbarkeit“ der Aminosäuren ist also nur in tierischen Produkten zur Gänze gesichert. Der menschliche Organismus hat über die Nahrungsauswahl und den entsprechenden Anpassungsprozess verlernt, pflanzliches  Protein in vollem Umfang zu nutzen. Dasselbe erfolgte auch bei essentiellen Fettsäuren. Pflanzliche Fette hatten kaum Anteil an der menschlichen Ernährung. Der Körper lernte tierisches Fett zu nutzen und baute die essentiellen Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis in seinen Zellen und Muskeln ein. Die Umwandlung von pflanzlichen Omega-3 Fettsäuren in solche, wie sie der Mensch verwerten kann, blieb abermals auf der Strecke. Alles in Allem ein kluges System, das sich blendend auf das Angebot der Natur eingestellt hat.

Unser Stoffwechsel zerlegt Nährstoffe, spaltet sie in Moleküle auf und baut sie zu körpereigenen Molekülen wieder zusammen. Dabei verbrauchen wir viel Energie. Diese können wir sparen, wenn die Nahrung aus bereits für Menschen fertigen „bio“ verfügbaren Kombinationen besteht. Die frei werdende Energie kann in anderen Bereichen, wie im Gehirn, besser eingesetzt werden. Der Mensch ist also einerseits ein sehr rationaler, sparsamer und andererseits ein großzügiger Nutzer von Energie.

Auf Pflanzenkost ist kein Verlass

Wenn wir uns ausschließlich mit pflanzlicher Nahrung versorgen, benötigen wir viel Energie um jene essentiellen Amino- und Fettsäuren selbst herzustellen, die ohnehin in tierischer Nahrung vorhanden sind. Eine komplette Nährstoffversorgung mit ausreichender überschüssiger Energie für das Gehirn kann nur gelingen, wenn wir das essen, woran wir genetisch am besten angepasst sind: tierische Nahrung. Menschen, die auf kohlenhydratarme und fettreiche Kost umstellen, berichten häufig über einen Schub von Energie gefolgt von angenehmer Entspannung. Es sieht aus, als wäre nicht Schlafmangel oder Stress die Ursache von Müdigkeit, sondern eine zu sehr auf Pflanzen basierende Kost.

Pflanzliches Protein liefert leider nicht jene Aminosäuren und Baumaterialen, die im Rahmen des Stoffwechsels für Zellen, Muskeln, Enzyme, Hormone, Vitamine usw. so ohne weiteres verwendet werden können. Eine Konkurrenzsituation ist die Folge. Die Nahrung muss in eigene Moleküle umgebaut werden (Stoff-wechsel), für Wärme sorgen und gleichzeitig Energie für das Gehirn bereitstellen.  Wenn der Energieverbrauch bei der Aufspaltung der Nahrung sehr groß ist, kommt es zu einem Energiemangel im Nervensystem. Oder umgekehrt:  Pflanzliche Nahrung ist auf lange Sicht ein schlechter Energielieferant und garantiert auch keine ausreichende Nährstoffversorgung.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass unser Körper mit Nahrung von hoher Qualität versorgt wird. Idealerweise sollte diese von Tieren stammen, die in ihrem artgerechten Lebensraum wachsen und gedeihen können. Denn das Tier kann die Stärke der Gräser in Eiweiß und Fett umwandeln und uns damit optimal versorgen.

Was geschieht, wenn der Mensch den Tieren das natürliche Futter vorenthält und sich selbst von Gräsern und deren Nachzüchtungen ernährt?

In den Pflanzen wird Energie in Form von Stärke gespeichert. Säugetiere sind hervorragend in der Lage, diese Stärke (komplexe Kohlenhydrate) in Eiweiß und Fett umzuwandeln.  Der Mensch, ebenfalls mit dem Stoffwechsel eines Säugetieres ausgestattet, macht dasselbe. Auch bei ihm wird Stärke in Traubenzucker (Glukose=Einfachzucker) zerlegt, den Zellen als Energie und Nahrung zugeführt und der Überschuss als Körperfett gespeichert. Tiere können ihren Zuckerstoffwechsel hormonell regulieren, wenn sie natürliches Futter erhalten. Für den Menschen ist natürliches Futter im Wesentlichen erst dann vorhanden, wenn die Tiere pflanzliche Stärke in Fleisch und Fett umgewandelt haben. Für größere Mengen von Stärke, Kohlenhydrate und verschiedene Arten von Zucker, ist unser Verdauungsapparat nicht geeignet. Menschen kommen nur mit geringen Mengen an Kohlenhydraten (Stärke) zurecht.

Die beste Nahrung ist jene, die von den Tieren umgewandelt wurde

Wir sind auf die Freundschaft mit Tieren angewiesen, nicht nur der Tierliebe wegen, sondern auch der Eigenliebe, des Selbsterhalts und der Gesundheit wegen. Was wir den Tieren zuleide tun, tun wir uns langfristig auch selber an. Der Umgang mit Tieren zeigt auch, was wir auch mit uns selbst zulassen. Lassen wir uns die völlige Vereinnahmung und Kontrolle unseres menschlichen Lebens gefallen? Wohl nicht. Wir benötigen Freiräume in der Familie und in der Natur, die Ruhe in derselben, die reine Luft zu Atmen und das klare sprudelnde Wasser. Genauso wichtig wie all dies, ist eine Nahrung, die der Körper kennt und an die er bestens angepasst ist. Aus der gemeinsamen Evolution von Tier und Mensch ergibt sich eine ganz wichtige Aufgabenteilung. Wir sorgen für ein gutes Leben unserer Tiere und diese schenken uns die gesündesten und wertvollsten Lebensmittel, die es nur gibt. Wenn wir die Landwirtschaft im Allgemeinen und die Viehzucht im Besonderen den Gesetzen des Kapitalmarktes unterwerfen, bleibt nur jene Nahrung übrig, mit der Industrie und Werbung Geld verdienen können. Und diese nährt in erster Linie die Geldbeutel der Nahrungskonzerne. Der gesundheitliche Wert von Lebensmittel bleibt auf der Strecke.

Wenn Tiere, dann nur zum Schmusen….

Viele Jahrtausende war der Mensch den Tieren nahe. Er veranlasste die Zeugung, behütete sie auf den Weiden und sorgte für einen möglichst unauffälligen und schmerzlosen Tod. Das Töten der Tiere fand seinen religiösen Ausdruck in verschiedenen Opferkulten. Mensch und Tier bildete eine untrennbare spirituelle Einheit. Der Mensch kümmert sich um das Leben des Tieres, dieses wiederum unterstützt ihn mit seiner Arbeitskraft und mit Nahrung. Wo sich die Industrie der Landwirtschaft bemächtigt, verliert das Tier seinen Wert als Partner des Menschen und wird auf seine Funktion als Nahrungsbeschaffer reduziert.

Wo stünden wir ohne die gemeinsame Evolution des Menschen mit den Geschöpfen der Natur? Das Zusammenleben mit Tieren ist und bleibt ein urmenschliches Bedürfnis. Dieses ist in unserer Zeit leider nur auf eine Partnerschaft mit Haustieren reduziert. Die Liebe zu Hund und Katz ist nur der eine Teil unseres genetischen Erbes. Die andere Seite heißt: der Tod des Tieres bringt für den Menschen Nahrung und Leben. Wir sind ihnen daher ein gutes Leben schuldig. Sie verdienen eine respektvolle und würdige Behandlung zu Lebzeiten.