Höchste Zeit, dass bei der Behandlung von Diabetes Typ-2 ein Umdenken erfolgt. Ob man für die Rückkehr zu traditionellem Wissen den Nobelpreis für Medizin verdient, wie Prof. Stefan Martin in der Ärzte Zeitung überlegt, ist zweifelhaft.

Ins selbe Horn blasen auch die Gestalter der weiter unten dokumentierten Visite Sendung.

Es würde genügen, wenn Ärzte, die seit Jahrzehnten Diabetes und Adipositas durch eine kohlenhydratarme Ernährung behandeln, in Ruhe arbeiten dürfen.

Eine Politik aber, die dafür sorgt, dass sich Ernährungsempfehlungen auf unabhängige wissenschaftliche Studien stützen, würde den Nobelpreis verdienen. Derzeit ist ein Großteil des in der Bevölkerung und auch bei Ärzten verbreiteten Wissens zur Ernährung von den Interessen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie verseucht. Langsam bestätigt eine Studie nach der anderen die positiven Erfahrungen von Menschen, die weitgehend auf Industrieprodukte mit verstecktem Zucker und raffinierten Kohlenhydraten verzichten. Beim derzeitigen Tempo der Aufklärung ist zu befürchten, dass noch weitere Generationen der Kohlenhydratmast zum Opfer fallen werden.

Leider lassen sich fehlgeleiteten Heilungsversuchen bei Adipositas oder Diabetes Typ-2 nur mehr mit einer drastischen Ernährungsumstellung erreichen. Die Aufforderung zum Kalorienverzicht mit mehr Bewegung greift zu kurz und hat sich langfristig als Irrweg erwiesen. In dieses Horn bläst leider auch diese von Medien mit großer Heilserwartung propagierte Studie.

An zwei Einzelschicksalen dokumentiert das NDR Magazin Visite vom 27. 02 wie ein Verzicht auf Kohlenhydrate und selber kochen das Gewicht verbessert und Diabetes-2 heilt. Zur Argumentation wird die DiRECT Studie aus England vom 5. Dezember 2017, veröffentlicht in The Lancet, bemüht. In dieser ernährten sich Typ-2 Diabetiker ein Jahr lang von weniger als 900 Kalorien täglich, mit dem Ziel, 15 Kilo abzunehmen. Die Hälfte der Teilnehmer konnte damit auf ihre Diabetesmedikamente gänzlich verzichten. Um diese drastische Kalorieneinschränkung ein Jahr lang durchzuhalten, war auch eine intensive psychologische Betreuung nötig.

Was zeigt diese Studie?

Typ-2-Diabetes wird meist als chronisch fortschreitende Krankheit angesehen, die nur durch Medikamente behandelt werden kann. Diese randomisiert-kontrollierte Studie, die in The Lancet veröffentlicht wurde, widerspricht dieser Annahme und zeigt, dass Diabetes-2 kein Schicksal ist, sondern geheilt werden kann.
Die drastische Kalorieneinschränkung mit einer Formula-Diät wird so beurteilt:

„Die Studienergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Teilnehmer nach 12 Monaten eine Remission in einen nicht-diabetischen Zustand erreichte und auf Diabetesmedikamente verzichten konnte. Remission von Typ-2-Diabetes ist ein Ziel, das in der Praxis der medizinischen Grundversorgung anzustreben ist“.

Damit konnten die Autoren eindeutig widerlegen, dass Diabetes eine unheilbare Krankheit ist, mit der man sich ein Leben lang abfinden muss.

Warum ist dieses Modell nur im Rahmen der Studie erfolgreich und für die Praxis kaum geeignet?

Diese Ergebnisse wurden mit einer sehr kalorienreduzierten Diät erreicht. Wesentlicher Teil der Intervention war die Verabreichung von flüssigen Mahlzeiten (sog. „Formula-Diät“) über drei bis fünf Monate. Dabei wurden Shakes verabreicht, die durch ihren hohen Proteingehalt auch besser sättigen. Selbstverständlich kommt es dabei zu einer Einschränkung der Kohlenhydrate. Diese Methode ist genussfeindlich und kann daher nicht über längere Zeit durchgehalten werden. Sie ist nur im Rahmen einer Studie möglich, bei der auch für intensive psychologische Betreuung gesorgt ist. Das Ergebnis liegt eher im Grundsätzlichen, nämlich im Beweis, dass eine Änderung der Ernährung den Diabetes Typ-2 reversieren kann.

Für die tägliche Praxis gibt es aber eine viel bessere, in Wissenschaft und Erfahrung erprobte Methode:

Eine Revision des Typ-2-Diabetes ist mit einer kohlenhydratarmen und fettreichen (idealerweise ketogenen) Diät unter Einbeziehung von intermittierendem Fasten durchaus möglich. Das funktioniert ohne Hunger und Nährstoffdefizit und kann als Lebensstil praktiziert werden.

Ich habe großen Respekt für Menschen, die es schaffen, mit Kalorieneinschränkung abzunehmen. Sie müssen sehr diszipliniert sein, Hungergefühle unterdrücken und viel Sport betreiben. Ich bemerke aber, dass diese Menschen häufig unter Müdigkeit oder sogar Erschöpfung leiden. Das könnte daran liegen, dass es dem Körper an Energie und Nährstoffen mangelt. Aber damit erfüllen  die Abnehmwilligen die gängigen offiziellen Ernährungsempfehlungen.

Die herkömmlichen Ernährungsempfehlungen haben auf diesem Weg das Gesundheitswesen an den Rand des Abgrundes getrieben und bei jedem zweiten Wohlstandsbürger Übergewicht ausgelöst. Der Paradigmenwechsel geht langsam, viel zu langsam, aber wer es wagt, auf natürliche, nicht verarbeitete Lebensmittel, zu setzen und damit der der Lebensmittelindustrie mit ihren Manipulationsinstrumenten entkommt, kann nur gewinnen. Der Rest ist Geschmackssache. Für mich macht das Fett den Unterschied.

Erkenntnisse für den Nobelpreis für Medizin

Das Kalorienzählen kann nicht das Ziel sein. Um Übergewicht und die Folgen abzuwenden ist vor allem gute Sättigung ohne raffinierte Kohlenhydrate nötig. Bei Diabetes sind sämtliche Kohlenhydrate, nicht nur die raffinierten, als problematisch anzusehen. Eine high-fat Ernährung macht es möglich, dass der Körper langfristig mit weniger Kalorien zufrieden ist und zugleich ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt wird.

Das erkannte die schwedische Ärztin Dr. Annika Dahlqvist. Sie empfahl ihren Patienten  mit Diabetes Typ-2 und Übergewicht eine Ernährungsumstellung zu Low-Carb, High-Fat. Natürlich erst, nachdem sie diese Ernährung selbst erprobt und sich über den Stand der Wissenschaft informiert hatte. Sie wurde von Diätistinnen wegen Pflichtverletzung angezeigt und während des Verfahrens von 2006 bis 2008 außer Dienst gestellt. Der Konflikt endete zu ihren Gunsten. Die Gesundheitsbehörde kam zur Erkenntnis:

 „Die Empfehlung einer kohlenhydratarmen Ernährung für Patienten mit Übergewicht und Diabetes Typ-2 erfolgt in Übereinstimmung mit der Wissenschaft und erprobter Erfahrung“.

Am 16. Jänner jährte sich der Tag, an dem die Low-Carb Ernährung in Schweden staatlich anerkannt wurde zum 10. Mal. Die Gruppe um Annika Dahlqvist hat diesen Tag zum internationalen Welttag der LCHF Ernährung ausgerufen. Wie wäre es, diese mutige Frau, die ihren Beruf für eine Ernährungsrevolution aufs Spiel setzte, mit dem Nobelpreis zu ehren? Für sie sprechen sicher bessere Argumente, als für jene britischen Studienautoren, die bestätigt fanden, dass man umso mehr abnimmt, je weniger Nahrung man aufnimmt. (Siehe DiRECT Studie).

Quellen:

TheLancet Studie vom 5.12.2017 http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)33102-1/fulltext

Visite 27.2. https://www.youtube.com/watch?v=Gxxlzu3reyY

Ärzte Zeitung Online  https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/948926/ernaehrungs-therapie-purzelnde-pfunde-lassen-diabetes-verschwinden.html?sh=3&h=1590295211

Nobelpreis verdächtig….. von Prof. Stefan Martin https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/948990/nobelpreis-verdaechtig-grosse-hoffung-gesundheit-typ-2-diabetiker.html

Dietdoctor:  https://www.dietdoctor.com/type-2-diabetes-reversible-says-new-study