Würden Sie einem Alkoholiker raten, sich hin und wieder ein Bier zu genehmigen, da er ja ohnehin Beruhigungsmittel und Medikamente zur Leberentgiftung einnimmt? Oder sind Sie eher der Meinung, bei der Alkoholkrankheit gibt es null Toleranz. Wer auf Entzug ist, darf sich keinen Tropfen vergönnen.

Wenn es um unsere Gesundheit geht haben wir ein Recht auf die ganze Wahrheit. Oft stehen aber Interessen im Weg. Am Beispiel der Behandlung von Diabetes Typ-2 können einem die Grausbirnen aufsteigen.

Was sagt man unseren Mitmenschen, bei denen Diabetes Typ-2 festgestellt wurde? Die Ernährung darf zu 50 % aus Kohlenhydraten, zu 30 % aus Eiweiß und zu 20 % aus vorwiegend pflanzlichem Fett bestehen.

Wie die Alkoholkrankheit durch zu viel Alkoholkonsum entsteht, entwickelt sich ein Diabetes durch zu viel Konsum von Kohlenhydraten. Kohlenhydrate in der Nahrung werden zu Glukose im Blut. Man kann auch sagen, der Patient hat eine Resistenz gegen Kohlenhydrate entwickelt. Wenn man auf einen Nährstoff negativ reagiert, sollte man ihn meiden, sagt der Hausverstand.

Man muss es den Diabetikern ganz klar sagen. Diabetes ist die Zuckerkrankheit. Der menschliche Stoffwechsel kann die über lange Zeit eingenommenen Mengen an Zucker nicht verarbeiten. Wer aber geglaubt hat, dass nur derreine Zucker schuld ist, ist falsch informiert. Der Zucker im Blut entsteht vor allem durch den Konsum von Kohlenhydraten, wie Brot, Mehl, Reis, Mais, Kartoffeln, aber auch durch Obst und ausgepresste Säfte. Diese Lebensmittel werden zu Glukose und Fruktose abgebaut und sorgen für den gefürchteten erhöhten Blutzuckerspiegel.

Es bleibt dem Zuckerkranken also nichts anderes übrig als gleich dem Alkoholkranken den Stoff, der für die Krankheit verantwortlich ist, wann immer es geht, zu vermeiden.

Wissen kann Medikamente ersetzen

In unserem Gesundheitsbetrieb werden die Menschen zu wenig informiert. Ich habe noch die Aussage eines Diabetesspezialisten im Ohr: „Man kann Menschen nicht zwingen, ihre Ernährung zu ändern“. Natürlich geht es nicht um Zwang. Jeder Mensch ist und bleibt für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Aber um eine Entscheidung treffen zu können, muss auch das nötige Wissen vermittelt werden. Und daran krankt unser Gesundheitssystem.

Die Erfahrung zeigt: Wer das Glück hat zur rechten Zeit die richtigen Informationen zu erhalten und dazu den Mut aufbringt auf eigene Faust zu einer kohlenhydratarmen Ernährung mit gesunden Fetten überzugehen, kann die Zuckerkrankheit in den Griff bekommen und mit weniger oder ganz ohne Medikamenten auskommen.

Wie das geht, zeigt z.B. der weltweit anerkannte Professor für Nephrologie und Spezialist für intermittierendes Fasten, Dr. Jason Fung aus Toronto, Kanada. In einem Interview mit Dr. Andreas Eenfeldt (dazu mehr am Ende des Artikels) bestätigt er, dass der Patient selbst die besten Karten in der Hand hat, wenn er entsprechend aufgeklärt wird.

Ausgangspunkt Insulinresistenz: wenn Blutzucker und Insulin ansteigen wird es gefährlich!

Insulinresistenz heißt, dass das Hormon Insulin seine Wirkung verliert. Warum geschieht das? Einzig und allein durch Blutzuckerwerte, die über lange Zeit zu hoch sind.

Dem Insulin kommt die Aufgabe zu, den Blutzucker, auch Glukose genannt, in die Zellen einzuschleusen. Bei hohem Gehalt an Glukose muss auch die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin ausschütten. Bei ständig hoher Reizschwelle reagieren die Rezeptoren an den Zellen immer schlechter auf das Insulin, und immer mehr Glukose verbleibt im Blut. Die Zellen werden gegen Insulin resistent. Ein zu hoher Zuckergehalt des Blutes wäre lebensgefährlich. Daher sorgt das Insulin dafür, dass der Blutzucker in Form von Fett gespeichert wird. Die Fettspeicherung kommt also in Gang, wenn zu hoher Blutzucker eine steigende Insulinantwort erfordert.

Insulin ist das Hormon, das für Gewichtszunahme sorgt

Ständig hoher Blutzucker bewirkt also eine INSULINRESISTENZ. Als Folge stellt sich das metabolische Syndrom ein, mit Bauchfett, hohen Glukosewerte, hohe Triglyzeride, niedriges HDL Cholesterin, Fettleber, hoher Blutdruck. Kurz gesagt, alles in allem der direkte Weg in den Diabetes Typ-2.

Es muss nochmals betont werden, die Bauchspeicheldrüse reagiert bei hohem Blutzucker mit hohem Insulin. Wie reagieren unsere Ärzte? Sie machen dasselbe wie die Bauchspeicheldrüse: auch sie heben mit Medikamenten die Insulinproduktion an. Dabei kommt es zu einer Verschärfung der Insulinresistenz, die dazu führt, dass die Zellen noch weniger Glukose aufnehmen können.

Wir richten unser Augenmerk auf den Blutzucker und senken ihn durch Medikamente, die die Insulinausschüttung ankurbeln. Dabei erhöhen wir auch die Insulinresistenz, was langfristig immer mehr Medikamente erfordert. Ein teuflischer Kreislauf.

Jason Fung:

„Wir behandeln den Blutzucker, aber Diabetes wird nicht durch hohen Blutzucker ausgelöst, sondern ist die Folge einer manifesten Insulinresistenz. Nicht die Grunderkrankung wird behandelt, sondern nur die Folgen. Auch wenn mit Hilfe von Medikamenten die Blutzuckerwerte stabil bleiben oder sich verbessern, verschlechtert sich der Diabetes. Es wird nichts unternommen um die Grunderkrankung, die Insulinresistenz, zu behandeln. Das ist der fundamentale Fehler, der in den letzten 40 Jahren gemacht wurde“.

Weiters sagt Jason Fung: Wir dürfen Typ-1 und Typ-2 Diabetes nicht gleich behandeln. Ein Patient mit Typ-1 Diabetes hat zu wenig Insulin. Es macht Sinn, dieses zu injizieren. Bei Typ-2 Diabetes wird das Blut von zu viel Insulin überschwemmt. Eine gegenteilige Vorgehensweise ist geboten. Wir müssen das Insulin reduzieren um die Sensibilität, seine Wirkung an den Zellrezeptoren, wieder zu verbessern. Wenn wir den Patienten aber mehr Insulin verabreichen, machen wir die Krankheit nur noch schlimmer, denn die Patienten nehmen Gewicht zu und erhöhen ihre Insulinresistenz.

Remission durch Ernährungsumstellung

Gegen die zu erwartende Gewichtszunahme empfiehlt die Schulmedizin neben Bewegung eine fettarme stärkehaltige Ernährung auf Vollkornbasis mit viel Obst und Gemüse (bis zu 50 % Kohlenhydrate).