Jetzt musste die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) reagieren. Zu offenkundig war, dass ihre Ernährungsregeln abseits evidenzbasierter Wissenschaft lagen. Die DGE untersteht dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und schreibt fest, was die Bundesbürger essen sollen. Ihre Regeln richten sich vor allem an öffentliche Institutionen, die Speisen ausschenken, wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Altenheime oder auch Kantinen. Nach viel Druck von Seiten der Ärzte und der Wissenschaft wurde eine kleine Anpassung vorgenommen, oder eher die schlimmsten Missgriffe einfach ohne Kommentar entfern. So wird der Begriff „gesättigtes Fett“ nicht mehr mit gesundheitlichen Gefahren in Verbindung gebracht. Auch das Cholesterin in der Nahrung ist kein Thema mehr. Galt bisher der Verzehr von Eiern als grundsätzlich bedenklich, werden diese im neuen Papier nicht einmal mehr erwähnt.
Es gibt aber einen großen Nachholbedarf um die Menschen dorthin zu bringen, wo der DGE-eigene Anspruch liegt: mit Hilfe der richtigen Ernährung Gesundheit erzielen, Leistung und Wohlbefinden fördern.
Zu diesem Zweck gibt die DGE 10 Regeln vor, die nach ihrer Selbstdarstellung auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse formuliert sind.
Lesen Sie die Gebote von 1 bis 10 und dazu meinen Kommentar, der sich auf ein wesentlich breiteres Spektrum wissenschaftlicher Studien stützt als für die DGE in Betracht kommen.

Punkt 1. der DGE: Lebensmittelvielfalt genießen

Nutzen Sie die Lebensmittelvielfalt und essen Sie abwechslungsreich. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel.
Kein Lebensmittel allein enthält alle Nährstoffe. Je abwechslungsreicher Sie essen, desto geringer ist das Risiko einer einseitigen Ernährung.

Kommentar:
Die DGE spricht sich für Lebensmittelvielfalt aus, und fordert im selben Satz die Auswahl von überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln. Gleichzeitig warnt sie vor einer einseitigen Ernährung.
Führt nicht der Aufruf zu überwiegend pflanzlicher Ernährung zu Einseitigkeit? Bei einer überwiegend pflanzlichen Kost ist ein Nährstoffmangel vorprogrammiert.

Punkt 2. der DGE: Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“

Genießen Sie mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag. Zur bunten Auswahl gehören auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sowie (ungesalzene) Nüsse.
Gemüse und Obst versorgen Sie reichlich mit Nährstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen und tragen zur Sättigung bei. Gemüse und Obst zu essen, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen.

Kommentar:
Wiederholung von Regel 1. Dass es Gemüse und Obst wären, die das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten senken würden, ist eine weit verbreitete Legende und findet in unabhängigen Studien keine Bestätigung. Und wenn es um Sättigung geht, fiele mir ein besserer Nährstoff ein als Obst und Gemüse. Siehe das Fett, Punkt 5.

Punkt 3. der DGE: Vollkorn wählen

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für Ihre Gesundheit.
Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte. Ballaststoffe aus Vollkorn senken das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kommentar:
Vollkorngetreide ist nicht die beste Wahl für die Gesundheit. Es erhöht den Blutzuckerspiegel zwar etwas geringer als Weißmehlprodukte, trägt aber auf Dauer und in größeren Mengen zu großen Blutzuckerschwankungen bei. Wenn es um das Risiko für Diabetes Typ-2 geht, schützten Vollkornprodukte keineswegs. Im besten Fall können sie den Ausbruch dieser und der anderen Krankheiten hinauszögern.
Haben sie schon einmal versucht, echtes Vollkornbrot im Supermarkt oder beim Bäcker zu kaufen? Es ist schwierig, denn die meisten Vollkornprodukte bestehen aus eingefärbtem Weißmehl mit zugesetzten Körnern.

Punkt 4. der DGE: Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen

Essen Sie Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse täglich, Fisch ein- bis zweimal pro Woche. Wenn Sie Fleisch essen, dann nicht mehr als 300 bis 600 g pro Woche.
Milch und Milchprodukte liefern gut verfügbares Protein, Vitamin B2 und Calcium. Seefisch versorgt Sie mit Jod und fetter Fisch mit wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Fleisch enthält gut verfügbares Eisen sowie Selen und Zink. Fleisch und insbesondere Wurst enthalten aber auch ungünstige Inhaltsstoffe.

Kommentar:
Die Warnung vor gesättigtem Fett, das überwiegend in tierischer Nahrung vorkommt, wurde herausgenommen. Milch und Milchprodukte sind gut, wenn das Fett nicht entfernt wurde. Leider fehlt der Hinweis auf Butter. Aber immerhin ein Lob der DGE! Bei maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche muss man bedenken, dass Fleisch im Schnitt 60 % Wasser enthält, bleibt nur ca. 30 Gramm tierisches Protein pro Tag übrig. Ob das für einen Durchschnittmenschen genügt? Auf keinen Fall, wenn man sich überwiegend pflanzliche ernährt, wie es die Regeln zu Beginn empfehlen.

Dazu ein Rechenbeispiel: 300 Gramm Fleisch, je ein Drittel vom Schwein, Kalb und Rind, liefern nur 85 Gramm Protein. Nicht allzu viel für eine Woche. Auch wenn wir die empfohlene Maximalmenge verzehren, sind es erst 170 Gramm Protein. Tierisches Protein ist zudem noch wesentlich besser biologisch verfügbar, also durch den Stoffwechsel verwertbar, als pflanzliches. Als Grundsatz für die Aufnahme durch Nahrung gilt ca. 1 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht und Tag. Die empfohlene Menge Fleisch gibt aber gerade einmal 15 bis 30 Gramm pro Tag her. Woher kommt der Rest auf die benötigten 70 Gramm Protein/Tag? Eine pflanzliche Kost, die noch dazu auf Kohlenhydrate, wie Stärke, setzt, kann schon zu einem Proteinmangel führen.
Die zugegebenermaßen ungünstigen Nährstoffe in Fleisch und Wurst stammen meist aus Massentierhaltung und Chemieeinsatz bei der Verarbeitung. Aber das kann durch bewusste Auswahl vermieden werden. Dann noch die Sache mit dem Seefisch. Wo gibt es denn diesen? Fast jeder Fisch kommt aus der Zucht! Und dieser ist leider arm an Omega-3 Fettsäuren.

Punkt 5. der DGE gesundheitsfördernde Fette nutzen

Bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie beispielsweise Rapsöl und daraus hergestellte Streichfette. Vermeiden Sie versteckte Fette. Fett steckt oft „unsichtbar“ in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast-Food und Fertigprodukten.
Pflanzliche Öle liefern, wie alle Fette, viele Kalorien. Sie liefern aber auch lebensnotwendige Fettsäuren und Vitamin E.

Kommentar:
Die Grundsatzfrage wird nicht beantwortet. Wie halten wir es mit tierischen Fetten? Sind pflanzliche Öle gesünder? Was macht eigentlich satt? Die zuletzt veröffentlichte PURE Studie konnte an 135 000 Menschen auf fünf Kontinenten den Zusammenhang aufzeigen, dass sich die Herzgesundheit verbesserte und auch das Schlaganfallrisiko sank, je größer der Anteil an tierischen Fetten war.
In Fertigprodukten stecken tatsächlich schlechte Fette, die einen intensiven Verarbeitungsprozess hinter sich haben. Da hilft nur eines, selber kochen, backen und braten mit hochwertigen natürlichen Fetten.

Punkt 6. der DGE: Zucker und Salz einsparen

Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert. Vermeiden Sie diese möglichst und setzen Sie Zucker sparsam ein.

Sparen Sie Salz und reduzieren Sie den Anteil salzreicher Lebensmittel. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen.
Zuckergesüßte Lebensmittel und Getränke sind meist nährstoffarm und enthalten unnötige Kalorien. Zudem erhöht Zucker das Kariesrisiko. Zu viel Salz im Essen kann den Blutdruck erhöhen. Mehr als 6 g am Tag sollten es nicht sein. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.

Kommentar:
Was zum Zucker gesagt wird, findet meine uneingeschränkte Zustimmung. Haushaltszucker wird zu Glukose und Fruktose abgebaut und ist auf lange Zeit in Mengen Gift. Wurde hier aber übersehen, dass nicht nur Zucker, sondern auch alle Kohlenhydrate zu Glukose und Fruktose abgebaut werden? Auf viele pflanzliche Lebensmittel, vor allem Getreide, reagiert der Körper mit Anstieg der Glukose. Was über den Zucker festgestellt wird, gilt für eine Vielzahl von Lebensmittel, die die Glukose im Blut ansteigen lassen.
Dass Salz im selben Atemzug verurteilt wird, ist wieder ein großer Irrtum. Salz ist wichtig! Wenn man sich von frischen natürlichen Lebensmitteln ernährt und selber kocht, hat man wahrscheinlich einen Salzmangel. Salz beeinflusst als Elektrolyt viele Stoffwechselprozesse und ist gesund für das Herz. 6 Gramm täglich ist eher die unterste Grenze.

Punkt 7. der DGE: Am besten Wasser trinken

Trinken Sie rund 1,5 Liter jeden Tag. Am besten Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßten Tee. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind nicht empfehlenswert.
Ihr Körper braucht Flüssigkeit in Form von Wasser. Zuckergesüßte Getränke liefern unnötige Kalorien und kaum wichtige Nährstoffe. Der Konsum kann die Entstehung von Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 fördern.
Alkoholische Getränke sind ebenfalls kalorienreich. Außerdem fördert Alkohol die Entstehung von Krebs und ist mit weiteren gesundheitlichen Risiken verbunden.

Kommentar:
Siehe da, nicht mehr 2 Liter pro Tag, sondern nur mehr 1,5 Liter! Auch dafür gibt es keine evidenzbasierten Studien. Wenn sie viel Salat, Obst und Gemüse essen, kommen sie auf mehr Flüssigkeit als sie glauben. Auch Fleisch besteht mehrheitlich aus Wasser. Wenn Sie dann noch trinken, wenn sie Durst haben, ist alles in Ordnung. Mehr Salz erzeugt auch mehr Durst. Trinken ohne Zucker, aber essen mit einer Prise Salz, ist ein Rezept für die Gesundheit.

Punkt 8. der DGE: Schonend zubereiten

Garen Sie Lebensmittel so lange wie nötig und so kurz wie möglich, mit wenig Wasser und wenig Fett. Vermeiden Sie beim Braten, Grillen, Backen und Frittieren das Verbrennen von Lebensmitteln.
Eine schonende Zubereitung erhält den natürlichen Geschmack und schont die Nährstoffe. Verbrannte Stellen enthalten schädliche Stoffe.

Kommentar:
Schon wieder diese Angst vor Fett, diesmal beim Garen von Lebensmitteln. Aus gesundheitlichen Gründen sollten Pflanzenöle nicht bis zum Rauchpunkt erhitzt werden. Dieser kann bei manchen Ölen, je nach Herstellung, schon bei 150 Grad liegen. Siehe Tabelle auf Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Rauchpunkt
Butter, Butterschmalz, Kokosfett, oder Schweineschmalz ist wegen seiner Hitzestabilität für das Braten und Kochen unbedenklich.

Punkt 9. der DGE: Achtsam essen und genießen

Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und lassen Sie sich Zeit beim Essen.
Langsames, bewusstes Essen fördert den Genuss und das Sättigungsempfinden.

Kommentar:
Uneingeschränkte Zustimmung

Punkt 10. Der DGE: Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Vollwertige Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Dabei ist nicht nur regelmäßiger Sport hilfreich, sondern auch ein aktiver Alltag, in dem Sie z. B. öfter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren.

Kommentar:
Was meint die DGE mit vollwertiger Ernährung? Zu einer vollwertigen, gesunden Ernährung gehört mehr Fett als bisher gedacht, eher 50 % und mehr und weniger Kohlenhydrate als bisher empfohlen.
Der Grund: der Blutzuckerspiegel bleibt dabei niedrig, und das Hormon Insulin kann seine Wirksamkeit voll entfalten. Eine Ansammlung von Körperfett wird vermieden. Alle Energie kommt Muskeln und Organen zugute, wodurch Sättigung und gute Nährstoffversorgung gewährleistet sind. Denn in erster Linie regelt der Blutzuckerspiegel im Zusammenhang mit dem Hormon Insulin das Gewicht.

Quellenhinweise:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/gesunde-ernaehrung-die-dge-hat-ihre-10-regeln-erneuert-a-1165566.html

http://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/