Ärzte sind im Allgemeinen keine Experten in Ernährungsfragen. Ihr Wissen darüber haben sie nicht in ihrem Studium oder im Rahmen ihrer Fortbildung erworben, sondern wie wir alle, im Alltag gelernt. In ihrem Lebensstil gleichen sie der großen Mehrheit der Bevölkerung, essen wie diese eine „Western-Diet“ und wissen sich bei eigenen metabolischen Krankheiten genauso wenig zu helfen, wie ihren Patienten.

Da vielen Ärzten klar ist, dass ihre Patienten die Ratschläge gegen Übergewicht und den Folgekrankheiten nicht auf Dauer umsetzen können, bleibt nur noch der Griff in die Medikamentenlade. Nicht anders, wenn es sie selbst betrifft.

Auf dem Blog von Dr. Jason Fung lernen wir eine Ärztin kennen, die sich nicht mit ihrem Schicksal, ihren Genen oder der verbreiteten Meinung abgefunden hat. Mit einer kohlenhydratarmen Ernährung und Intervallfasten entdeckte sie eine Methode, die sie fortan bei ihren Patienten einsetzen wird.

Man kann immer wieder feststellen, dass Ärzte erst dann den Weg der Medikation in Frage stellen, wenn sie an sich selbst eine erfolgreiche Ernährungsumstellung kennen gelernt haben. Grau verblasst alle Theorie, Selbsterfahrung ist heilsam.

Dr. Jason Fung sagt dazu:

„Genau wie viele Ärzte, mich eingeschlossen, wusste Esther wenig oder gar nichts über den Umgang mit Übergewicht und vermutete, dass dies einfach ihr genetisches Pech war. Zum Glück konnte sie sich selbst helfen und kann als Belohnung den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo besteigen! Gute Arbeit, Esther!“

Dr. Esther Kawira schreibt:

Ein Foto aus meiner Kindergartenzeit zeigt mich mit fünf Jahren. Ich war ein lebendiges Kind und marschierte täglich eine Meile zur Schule und wieder zurück. Während der Grundschule wurde mir zunehmend bewusst, dass ich fett war. Ich war eine Top-Schülerin, und die Lehrer mochten mich. Ich habe sogar die vierte Klasse übersprungen. Ich fand zunehmend Trost in Wissenschaft und in Büchern. Ich schenkte meinem physischen Ich so wenig Aufmerksamkeit wie möglich. Dies wurde durch die Tatsache erleichtert, dass ich nur Brüder, keine Schwestern oder gar Freundinnen hatte, die mich durch Diskussionen über mein Äußeres und die Bekleidung in schlechte Stimmung gebracht haben könnten.

Meine Mutter tat, was sie konnte, aber es war eine verlorene Schlacht. Mein Vater, der seit seiner Kindheit übergewichtig war, erkrankte Mitte 40 an Diabetes. Dann begannen für ihn Perioden des auf und ab mit dem Gewicht, orale Medikamente und schließlich Insulin, Amputationen bei Beininfektionen, Retinopathie mit Laserbehandlung und sieben Jahre in einem Pflegeheim bis zum Tod an Herzinsuffizienz. Ich beobachtete dies alles, während ich in der Schule weiterhin hervorragende Leistungen erbrachte und mit dem Medizinstudium begann. Ich nahm wie meine Mutter an, dass die Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Diät Schuld an den Problemen meines Vaters hatte.

Ich habe einen Mann aus Tansania geheiratet und nach Abschluss der medizinischen Ausbildung sind wir in sein Heimatland gezogen, wo ich als Ärztin tätig war. Obwohl ich im Nachhinein betrachtet sicher bin, dass ich PCOS hatte, konnte ich mir aufgrund meiner medizinischen Ausbildung  mit Clomifen vier erfolgreiche Schwangerschaften ermöglichen (Clomifen wird zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt). Wir haben eine Tochter und drei Söhne zu jungen Erwachsenen großgezogen. Sie sind alle in die USA zurückgekehrt, um dort eine höhere Ausbildung zu absolvieren.

Vor drei Jahren beschloss ich, einen „Heimaturlaub“ zu nehmen und ein Jahr in den USA zu verbringen. Dort wurde ich schließlich von einem anderen Arzt untersucht, der entdeckte, dass ich Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Triglyzeride hatte… kurz gesagt, ein metabolisches Syndrom.

Vor vielen Jahren hatte ich mich trotz des allgemeinen Drucks geweigert, meine Diäten einzuhalten, weil ich die Sinnlosigkeit ihrer Jo-Jo-Effekte befürchtete. Ich hatte akzeptiert, dass ich aufgrund meines Alters, Geschlechts und meiner Genetik mit einem höheren Körpergewicht leben musste. Ich war auch der Überzeugung, dass die Medizin noch nicht herausgefunden hatte, was den Appetit und das Normalgewicht („Setpoint“) steuert, und ich hoffte, dass ich das noch erleben würde.

Auf jeden Fall habe ich unter dem Druck dieser Diagnose beschlossen, den Zucker komplett wegzulassen. Dies allein eliminierte mehr als die Hälfte aller Lebensmittel, die man in US-amerikanischen Lebensmittelgeschäften findet, einschließlich 98 von 100 Frühstückszerealien (nur Weizenschrot und Traubenkerne enthalten keinen Zucker). Ich habe mein eigenes Vollkornbrot gebacken. Allein durch diese Maßnahme verringerte sich mein Gewicht von 102 Kilo auf etwa 92 Kilo, wie einst in College-Zeiten.

In diesem Jahr wurde bei meinem Mann ein fortgeschrittener Bauchkrebs diagnostiziert. Er kam zur Behandlung in die USA, starb jedoch innerhalb von zwei Monaten nach der Diagnose. Ich kehrte zurück, um meine Arbeit in Tansania wieder aufzunehmen, wie ich es geplant hatte, jetzt aber erstmals in meinem Leben als Witwe, allein in meinem Haushalt. Ich brauchte keinen Koch mehr, der das Essen zubereiten musste, wie es mein Mann liebte. Ich konnte allein für mich selbst und für niemand anderen kochen. Es fiel mir leicht komplett auf Zucker zu verzichten. Ich aß kaum Kohlenhydrate, und hatte das ganze Jahr über Obst und Gemüse zur Verfügung, alles aus biologischem Anbau und nichts, was vor Ort verarbeitet wurde. Ich nahm beständig ab, konnte Metformin absetzen… und stellte fest, dass mein Blutzucker in Ordnung blieb. Bei einem erneuten Besuch in den USA, ein Jahr später, war mein HbA1c-Wert, der zum Zeitpunkt der Diagnose 8,3 betrug, auf 6,0 gesunken, und meine Triglyceride und alle Blutfette waren in Ordnung. Also setzte ich auch Atorvastatin (Cholesterinsenker) ab. Später ließ ich Losartan weg und mein Blutdruck blieb in Ordnung. Durch mein Gewicht von 82 Kilo hatte ich jetzt einen BMI von knapp unter 30… nicht mehr fettleibig, nur übergewichtig! Und ich war glücklich für diese Art psychologische Belohnung. Da ich jedoch die Tendenz kannte, mit der Zeit wieder zuzunehmen, war ich mir noch nicht sicher, dass mein Kampf endgültig gewonnen war. Mein Gewicht war wieder leicht angestiegen, wenn auch auf ein niedrigeres Niveau als zuvor.

Dann, vor ungefähr einem halben Jahr, teilte mir ein Freund mit, dass er aus gesundheitlichen und spirituellen Gründen fasten würde. Er war kein Diabetiker und musste nicht abnehmen. Sein Hinweis auf bestimmte Internetseiten faszinierte mich derart, dass ich genau wissen wollte, welche gesundheitlichen Vorteile das Fasten haben könnte.

Er machte mich auf den japanischen Nobelpreisträger aufmerksam, der die Autophagie entdeckte (siehe Blogbeitrag).Bald entdeckte ich die Vorlesungsreihe von Dr. Jason Fung. Ich erkannte sofort, was Dr. Fung herausgefunden hatte und dass das Fasten der Schlüssel war, um meinen Insulinspiegel wieder auf normal zurückzusetzen. Ich war begeistert, als ich herausfand, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gab, das Körpergewicht zurückzusetzen, und dass es keine 60 Jahre dauern würde, um die Situation umzukehren.

Ich habe sofort mit dem täglichen intermittierenden 8/16-Fasten begonnen. Dann habe ich ein 3-tägiges Wasserfasten ausprobiert, was mir leicht fiel. Dann beschloss ich, das Ende des Jahres und mein neu gewonnenes Wissen zu feiern, indem ich sieben Tage lang fastete: ich aß zu Weihnachten und dann erst wieder am Neujahrstag. Solange ich nicht von einer zuckerfreien, kohlenhydratarmen Diät abwich, hatte ich keine Hungerattacken oder andere problematische Symptome. Mein Gewicht nahm um weitere 9 Kilo ab und liegt nun seit einigen Monaten stabil bei 74 Kilo, was durch tägliches intermittierendes Fasten unterstützt wird. Leute, die mich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen haben, sind sich nicht sicher, ob ich es bin. Ich wiege weniger, als ich mich jemals erinnern kann, zumindest seit meiner Zeit an der Junior High School, obwohl ich heute gerade erst 67 Jahre alt geworden bin. Ich bin voller Energie und fühle mich gesünder als in vielen Jahren zuvor. Ich benötige keine Medikamente mehr. Ich freue mich darauf, in ein paar Monaten an meinem 50. High-School-Treffen teilzunehmen. Das Beste ist, ich habe das Gefühl, dass ich einen normalen Appetit- und Sättigungszyklus habe, ohne „aufdringliche Gedanken an Essen“, von denen ich weiß, dass sie von chronisch hohen Insulinspiegeln getrieben werden. Ich habe keine Angst, dass mein Gewichtsverlust nicht erhalten bleibt, weil ich nicht darum kämpfe, ihn dort zu halten, wo er ist. Das intermittierende Fasten macht es einfach.

Die Verbreitung des Internets machte die Informationen, die ich brauchte um mich selbst zu heilen, für mich zugänglich, sogar im ländlichen Afrika. Und ich teile dieses Wissen mit den vielen Medizinstudenten und Ärzten aus den USA, die ich besuche und von denen einige meine Transformation miterlebt haben.

Trotz meines Körpergewichts erklomm ich bereits dreimal den höchste Punkt auf dem afrikanischen Kontinent, den Kilimanjaro, zweimal in meinen Vierzigern mit Freunden und einmal in meinen Fünfzigern mit meinen drei Söhnen. Es war ein Kampf, und ich war soweit zufrieden, dass ich es kein weiteres mal versuchen musste. Aber jetzt bin ich so energiegeladen, dass ich beschlossen habe, den Kilimandscharo wieder zu besteigen, wahrscheinlich nächstes Jahr, um meinen neuen Körper zu feiern. Ich freue mich darauf, ohne die 15 bis 20 zusätzlichen Kilo zu klettern, die ich bei früheren Anstiegen mitgeschleppt hatte.

 

 

 

Vorher – nacher

Vielen Dank, Dr. Jason Fung, auch an Ihr engagiertes Team, dass Sie dieses neue Paradigma von den Ursachen der Fettleibigkeit und Diabetes weiter verbreiten. Als Arzt und Patient bestätige ich Ihre Botschaft und werde mein Bestes tun, um sie an andere weiterzugeben.

Dr. Esther Kawira

Originalartikel auf:

https://idmprogram.com/physician-success-story-dr-esther-kawira/

Aus dem Englischen von Robert Schönauer

Physician Success Story – Dr. Esther Kawira

Literatur von Dr. JASON FUNG in deutscher Sprache: