Maßnahmen gegen die Corona Pandemie sind vielfältig. Der schwedische Weg beruhte auf Freiwilligkeit bei fast allen Maßnahmen. Was herauskommt, wenn ein Land den Experten für Epidemiologie die Verantwortung überträgt, zeigen horrende Zahlen: derzeit hat das Land über 4000 Tote, und liegt, hochgerechnet auf die Anzahl der Einwohner, weltweit im Spitzenfeld. Während in vielen Staaten die Neuerkrankungen deutlich zurückgehen und sich die Intensivstationen leeren, ist in Schweden eine Entspannung nicht in Sicht. Was ist los in dem Land, das viele Jahre ein Vorzeigekandidat in sozialen Fragen war?

Die Welt fragt sich: Was ist los in Schweden?

Lars Bern ist seit vielen Jahren kritischer Blogger und unabhängiger Wissenschaftler. Er war Vertreter Schwedens im Weltklimarat der UNO. Er ist eine wichtige Stimme im Chor der Regierungskritiker. Auf seinem Blog geht er mit der Regierung hart ins Gericht.

Er beschreibt zwei Ursachen für das Versagen:

  1. Es ist typisch für Schweden, dass die Regierung die Verantwortung einer Bürokratie von Experten überlässt.
  2. Um die Folgen der Corona-Epidemie zu mildern, müssen vor allem metabolischen Krankheiten in den Fokus genommen werden, damit das Gesundheitswesen nicht überfordert wird.

Ich habe den folgenden Text mit Zustimmung von Lars Bern aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt.

Quelle: https://anthropocene.live/2020/05/19/den-misslyckade-coronastrategin-del-1/

 

 

Die Regierung übernimmt keine Verantwortung

Von Lars Bern

Das schwedische Management der Corona-Pandemie ist weltweit einzigartig. Die Corona-Strategie unterscheidet sich stark von anderen vergleichbaren Ländern. Wie ist es dazu gekommen?

Eine Antwort auf diese Frage lautet, dass die mitregierende Umweltpartei im Gegensatz zu vergleichbaren Ländern äußerst schlecht ausgebildete Politiker hat. In diesem Kreis erklärte sich niemand, der kompetent genug gewesen wäre, für zuständig um eine unabhängige Analyse der Situation vorzunehmen. Sowohl die Regierungspolitiker mit dem Premierminister an der Spitze, als auch die übrigen Parteien, haben sich einfach ihrer Verantwortung entzogen. Die Frage nach der Verantwortung wurde zwischen der Zentrale und den Ländern hin- und hergeschoben, sodass sich niemand seiner Verpflichtungen bewusst wurde. Die Entscheidungen wurden den Forschern der Volksgesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten, FHM) und den schulmedizinischen Fachgesellschaften überlassen, die im Prinzip freie Hand hatten.

Für jemanden der versteht, wie es in der Forschung zugeht, kann die Entscheidung, den Forschern freie Hand zu geben, eine direkte Gefahr für Leib und Leben sein. Nur wenige führende schwedische Politiker sind sich darüber im Klaren. Die Folgen der Übernahme des Kommandos durch die Forscher werden jetzt deutlich.

Wissenschaftler lieben es, groß angelegte Experimente durchzuführen und dabei freie Hand zu haben. Unsere Forscher konnten mitverfolgen, wie andere Länder unter kompetenter politischer Führung drastische Maßnahmen ergriffen, um der Ausbreitung der Infektion schnell Einhalt zu gebieten. Es war die Strategie der chinesischen Politiker, die sich als geeignet erwies, die Infektion in einer kleinen Provinz im riesigen China zu isolieren. Eine Reihe anderer Länder hat die chinesische Strategie in unterschiedlichem Maße erfolgreich kopiert.

Für die schwedischen Forscher war es äußerst verlockend andere Länder mit einer Strategie zu übertrumpfen, indem sie sich mit Maßnahmen zufrieden gaben, die die Ausbreitung der Infektion nur so weit verlangsamten, dass die unterdimensionierte schwedische Gesundheitsversorgung gerade noch aufrecht erhalten werden konnte.

Die schwedischen Forscher hatten die Idee, mit der kontrollierten Verbreitung die Herdenimmunität weit vor allen anderen Ländern zu erreichen, und besser als andere aus der Epidemie herauszukommen. Lob dafür kam aus Kreisen der WHO. Da die Ergebnisse jetzt auf dem Tisch liegen und eine Herdenimmunität weit entfernt ist, müssen wir feststellen, dass wir in den letzten Wochen umsonst auf der weltweit höchsten Pro-Kopf-Sterblichkeit sitzen geblieben sind.

Nicht die Alten sind die Risikogruppe, sondern die metabolisch Kranken

Der Ausgangspunkt für die Strategie des FHM war die Beobachtung des Verlaufs der Epidemie in China und anderen Ländern, in denen der Ausbruch begann. Von Anfang an wurden ältere Menschen als Hauptrisikogruppe identifiziert. Grob gesagt wurde eine Sterblichkeitsrate von 8 Prozent bei über 70-Jährigen und 15 Prozent bei über 80-Jährigen mit einer Überrepräsentation von Männern festgestellt.

Die Forscher stellten gleichzeitig fest, dass die Sterblichkeit bei Menschen mit einer oder mehreren Vorerkrankungen, aus dem Bereich des metabolischen Syndroms, also Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,  oder Krebs usw. am höchsten war. Diese machen über 90% der Todesfälle aus. Diese Stoffwechselkrankheiten standen bereits vor Corona Zeiten weltweit für jährlich 40 Millionen Todesfälle. Sie haben in den letzten 40 Jahren pandemisch zugenommen, was ich in meinem Buch „Den Metabola Pandemin (Die Metabole Pandemie)“ beschrieben habe. Innerhalb der „Nationalen Gesellschaft für metabolische Gesundheit“ haben wir immer gewarnt, dass diese metabole Pandemie die Gesundheitsversorgung langfristig vollständig zu überfordern droht und zu unerschwinglichen Kosten führen wird. Keine politische Partei hat sich die Mühe gemacht, Verantwortung zu übernehmen und dieses sehr ernste Problem von Grund auf anzugehen. Die Corona-Pandemie würde weniger dramatisch verlaufen, wenn ernährungsbedingte Krankheiten durch einen gesünderen Lebensstil vermieden worden wären.

Es gibt somit keinen Zweifel, dass Menschen mit metabolischen Krankheiten die größte Risikogruppe darstellen. Das Zahl der Lebensjahre sagt kaum etwas über das Risiko aus. Die Mediziner haben gestützt auf die Forschung einen klassischen Fehler begangen, nämlich anzunehmen, dass eine Kausalität zwischen einer veränderlichen Variabel (Alter) und dem Auftreten von Covid-19 besteht. Da sich Stoffwechselkrankheiten über einen langen Zeitraum entwickeln, sind sie bei älteren Menschen stark überrepräsentiert. Ein großer Teil der schwer metabolisch kranken Menschen befindet sich in Pflege- und Altenheimen. Wahrscheinlich haben Menschen, die metabolisch gesundes altern, keine größeres Risiko als jüngere Menschen. Und wenn junge Menschen an Covid-19 schwer erkranken, haben sie oft eine metabolische Vorerkrankung.

Wie überall in der Welt, richtete auch die schwedische Strategie den Fokus auf den  „Schutz älterer Menschen“ gerichtet, anstatt sich auf Menschen mit mehreren Stoffwechselerkrankungen zu konzentrieren.

Die Fakten weisen auch auf eine andere Risikogruppe hin. Zusätzlich zu den metabolisch Kranken, sind Einwanderer mit einer dunklen Hautfarbe stark überpräsentiert, was darauf zurückzuführen ist, dass diese Gruppen einen ernst zu nehmenden Vitamin-D-Mangel aufweisen. Die zuvor erwähnte Gruppe von älteren Menschen in Betreuungseinrichtungen weist ebenfalls in der Regel einen Mangel an Vitamin-D auf. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt eine starke vorbeugende Wirkung von Vitamin D bei der Linderung des Krankheitsverlaufs. Dies ist eine wissenschaftliche Tatsache, die von der Schulmedizin vernachlässigt wird und daher bei der Vorbeugung und Behandlung nicht zur Anwendung kam.

Wir können daher den Schluss ziehen, dass die beiden dominierenden Risikogruppen metabolisch kranke Menschen und Menschen mit Vitamin D-Mangel sind. Ein hohes Alter allein stellt eher kein signifikantes Risiko dar. Mit der Annahme einer Altersfixierung haben Schulmediziner einen großen Fehler in ihre Corona-Strategie eingebaut. Politiker, die die Verantwortung übernehmen hätten müssen, begnügten sich mit ihrer Rolle als Beobachter auf der Tribüne.