An einer der bedeutendsten Universitäten der USA, der Universität von Columbia in Ohio, geht es an zwei Tagen um die ketogene Ernährung. Diese Ernährung boomt bei Übergewichtigen, Diabetikern und hilft nachweislich bei chronischen Zivilisationskrankheiten. Mit Tagungspreisen von 350,- $ wird die breite Öffentlichkeit wohl nicht angesprochen. Zielpublikum dürften Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und Politiker sein.

Mehr Kongressinfos

Auf dieser Konferenz kommen die weltweit bekanntesten Vertreter der Kohlenhydratrestriktion und ketogenen Ernährung zu Wort, wie Dominic D’Agostino, Sarah Hallberg, Tim Noakes, Steve Phinney, Gary Taubes, Nina Teicholz oder Jeff Volek.

Die Ohio State University bewirbt den Kongress unter dem Titel „Emerging Science of Carbohydrate Restriction and Nutritional Ketosis (Deutsch: wachsende wissenschaftliche Erkenntnisse über Kohlenhydratrestriktion und nahrungsbedingte Ketose)“.

Die zweitägige Veranstaltung richtet sich vor allem an Ärzte und wissenschaftliches Personal, die mit ihrer Teilnahme ihre Verpflichtung zur Weiterbildung erfüllen können. Die Forschung über ketogene Ernährung ist in den USA soweit fortgeschritten, dass sie einem breiten Publikum, vor allem den Ärzten, vorgestellt werden kann. Ärzte können diesen Kongress, der frei von Einfluss der Pharmaindustrie ist, im Rahmen ihrer verpflichtenden Ärztefortbildung nutzen.

In Europa treten Mediziner nur sehr distanziert und abwartend auf, wenn es um die Möglichkeiten der ketogenen Ernährung bei der Behandlung und eventuellen Heilung von chronischen Krankheiten geht.

Hier lässt das Team um Dr. Czaba Tóth und Dr. Zsófia Clemens im ungarischen Zalaszentgrót aufhorchen, wenn es um Erforschung und klinische Anwendung der paleo-ketogenen Ernährung geht. Siehe Blogbeitrag. Ausgangspunkt war ein Bestseller, der vor zehn Jahren die Paleo-Ernährung in Ungarn sehr populär machte. Dort hat man viel Wissen und Erfahrung nicht nur bei der Behandlung von Symptomen, sondern auch bei der Heilung von chronischen Zivilisationskrankheiten angesammelt. In einigen Fällen ist es auch gelungen, dem Tumorwachstum erfolgreich den Kampf anzusagen.

Der Gedanke, dass eine Ernährung, an die wir evolutionär angepasst sind, besser ist als jede Medizin, ist auf dem Weg. An verschiedenen Plätzen in der Welt wachsen Initiativen aus dem Boden. Diesmal an einer Spitzenuniversität, wo der Stand der Wissenschaft für Ärzte, Forscher und Journalisten aufbereitet wird. Leider finden derzeit nur wenige Menschen, die auf eigene Faust eine ketogene Ernährung praktizieren, Verständnis in ihrem medizinischen Umfeld. Das wird sich bestimmt ändern. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der Paradigmenwechsel stattfindet. Vor allem ist eine wissenschaftlich fundierte Ernährungslehre im Studium der Medizin und im Rahmen der Ärztefortbildung dringend geboten. Pharmainteressen und Interessen der Lebensmittelindustrie haben dabei nichts verloren. Der Anfang ist gemacht, weitere Schritte, auch in Europa werden uns freuen!

Die Organisatoren der Universität von Ohio beschreiben ihre Gründe für die Abhaltung einer wissenschaftlichen Veranstaltung zur Ernährungs-Ketose:

Eine beeindruckende Menge an wissenschaftlichen Beweisen hat in den letzten 15 Jahren den langfristigen Nutzen kohlenhydratreduzierter, insbesondere ketogener Diäten dokumentiert. Wir verstehen jetzt die molekularen Mechanismen und wie sie funktionieren viel besser. Populäre Bücher und wissenschaftliche Artikel stellen immer öfter die Empfehlung in Frage: „Kohlenhydrate sind gut und Fette sind schlecht.“ Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Urin von Diabetikern Ketonkörper identifiziert. Wie in Stein gemeißelt, gelten seither Ketone als gefährliche Stoffwechselprodukte. Trotz der Arbeit vor vier Jahrzehnten, in der gezeigt wurde, dass Ketone hochfunktionelle Zwischenprodukte im Stoffwechsel sind, gelten sie weiterhin fälschlicherweise als toxische Nebenprodukte des Fettstoffwechsels. Die Verunglimpfung von Fett durch Ernährungsleitlinien und populäre Dogmen verewigen diesen Mythos. Aber die Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Stoffwechsel verbessern sich dramatisch.

Wachsende Wissenschaft von Kohlenhydrat-Restriktion und nahrungsbedingter Ketose

Eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten trägt dazu bei, dass jetzt eine kritische Masse an wissenschaftlichen Studien vorhanden ist, die überzeugende klinische Beweise liefern, dass sich ketogene Diäten günstig auf Gewichtsverlust, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes auswirken. In den letzten fünf Jahren haben Grundlagenforscher entdeckt, dass Ketonkörper, wie B-Hydroxybutyrat (BHB, das primäre zirkulierende Keton), ein potentes Signalmolekül ist, das Entzündungen und oxidativen Stress verringert. Studien an Mäusen zeigen, dass BHB ein Molekül für Langlebigkeit sein dürfte, mit Auswirkungen auf eine sinkende Sterberate, eine Verlängerung des Lebens mit mehr gesunden Lebensjahren. Obwohl Typ-2-Diabetes oft als chronisch fortschreitende Krankheit beschrieben wird, deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass eine dauerhaft durchgeführte Ernährungs-Ketose die Krankheit umkehren kann. Es besteht wachsendes Interesse, mögliche therapeutische Effekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen, einschließlich Alzheimer und Parkinson zu erforschen. Es gibt auch Gründe dafür, dass bestimmte Sportler von Ketosen und Ketonen als Nahrungsergänzung profitieren, die das Dogma entkräften, dass eine hohe Kohlenhydrataufnahme notwendig ist, um eine optimale Leistung zu erbringen.