Dr. Lewis Cantley geht neue Wege in der Krebsforschung. Am Weill Conell Medicine Institut in New York setzt er ein neues Krebsmedikament ein und verbindet es mit ketogener Ernährung. Die medizinische Fachpresse berichtet mit großem Interesse. Medical Express: Increasing evidence of a strong connection between sugar and cancer

Die Idee von Dr. Cantley ist nicht neu: Glukose und Insulin aushungern um das Wachsen und Vermehren von Krebszellen zu behindern. Seine Arbeit, die derzeit in klinischen Studien an Frauen mit Gebärmutterhalskrebs getestet wird, wurde diese Woche in einem neuen Feature in „The Medical Express“ detailliert beschrieben.

Dr. Cantley geht neue Wege

Vor einigen Jahren entdeckte Cantley ein spezielles Enzym namens PI3-Kinase, das man  als den  „Hauptschalter für Krebs“ verdächtigte. Warum, erklärt der  Artikel im „Medical Express“:

  • „Es stellte sich heraus, dass das Gen, das mit PI3K kodiert, das am häufigsten mutierte krebsfördernde Gen beim Menschen ist. Seit der revolutionären Entdeckung von Dr. Cantley konnte festgestellt werden, dass es an bis zu 80 Prozent bei verschiedenen Krebserkrankungen, wie  Brustkrebs, Kopftumor und Blasenkrebs beteiligt ist.“

Für diese Entdeckung wird Cantley als Kandidat für den Nobelpreis für Medizin gehandelt. Seine Forschung ergab jedoch auch, dass es nicht genügt mit dem neuen Arzneimittel das Enzym PI3K zu hemmen. Solange gleichzeitig hohes Insulin vorhanden ist, vermehren sich die Krebszellen ungehindert weiter. Die Frage war also, wie man den Insulinspiegel senken könne, um die Wirkung des Medikaments zu verbessern.  Die Lösung lautet: ketogene Ernährung!

In einer Aufsehen erregenden Arbeit konnte er bei Mäusen zeigen, dass PI3K-Inhibitoren und ketogene Ernährung Krebs zum Schrumpfen bringen. Seine Forschung wurde im Juli 2018 in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Derzeit wird  diese Methode in klinischen Studien an Menschen überprüft.

Die Arbeiten von Dr. Cantley und seines Onkologen Dr. Siddhartha Mukherjee wurden auch im Dezember 2018 im New York Times Magazin vorgestellt.

Dr. Scher fasst diesen Artikel auf DietDoctor zusammen:

  • „Wie gut, dass diese richtungsweisende Studie erfolgt, vor allem mit diesem neugierigen und aufgeschlossenen Forscher an der Spitze. Wissen ist Macht, und das helle Licht der Aufmerksamkeit und der Ressourcen der forschenden Gesellschaften auf das Potenzial von Keto-Diäten als adjuvante Krebstherapie zu richten, ist in der Tat eine sehr gute Nachricht“.

Neue Schlagzeilen: Fruktose führt zu Krebs, Nachweis im Mausmodell!

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Aus dem Labor von Dr. Cantley sorgt eine weitere Entdeckung für Schlagzeilen.

Ein Team von Forschern konnte bei Mäusen nachweisen, dass hochkonzentrierte Fruktose, wie Maissirup, das Wachstum von Darmtumoren beschleunigte. Und dies unabhängig, ob die Mäuse normalgewichtig oder fettleibig waren.

Auch das Deutsche Ärzteblatt nimmt mit einem Artikel mit der Überschrift „Isoglukose lässt Darmpolypen von Mäusen wachsen“ Stellung:

Zusammenfassend wird festgestellt:

  • „Ob sich die Ergebnisse der aktuellen Nager-Studie auf den Menschen übertragen lassen, erfordere nun weitere Untersuchungen. Sie empfehlen vorsorglich, dass Menschen mit Darmkrebs und solche, die ein erhöhtes Risiko tragen, Darmpolypen zu entwickeln, Softdrinks mit hohem Zuckeranteil meiden sollten. Dr. Aurelio Telemann vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg empfiehlt, generell den Zuckerkonsum einzuschränken. Wenn wir weiterhin hohe Zuckermengen zu uns nehmen und zugleich ein Medikament einnehmen würden, um die KHK (Ketohexokinase) im Darm zu blockieren, würde der Zucker vermutlich einfach über alternative Stoffwechselwege in den Zellen abgebaut – mit unvorhersehbaren und wahrscheinlich negativen Folgen.“ © gie/aerzteblatt.de

Die Wissenschaft liefert immer mehr Hinweise, dass eine ketogene Ernährung die Behandlung von Krebs zumindest unterstützt, sowohl in wissenschaftlichen als auch in anekdotischen Fallstudien.

Ist Krebs vererbt oder genetisch programmiert?

Das landläufige Forschungsparadigma geht davon aus, dass Krebs eine genetische Krankheit ist. Vererbte Anomalien oder spontane und unvorhersehbare genetische Veränderungen, die manchmal durch karzinogene Stoffe in der Umwelt verursacht wurden, sollen zu Genvariationen führen, die normale Reparaturen innerhalb einer Zelle scheitern lassen. Manchmal kann ein Protein, das für die Signalgebung der Zellteilung verantwortlich ist, nicht mehr abgeschaltet werden. Wieder ein anderes Mal kommt das Signal für den Zelltod nicht an. Forscher haben dutzende Wege entdeckt, die aufgrund solcher genetischer Varianten die rasante Teilung von Krebszellen erklären.

Ernährung im Fokus

Die Einbeziehung der Ernährung unterscheidet sich grundlegend von dem derzeitigen Forschungsparadigma. Für Wissenschaftler besteht wenig Anreiz, sich auf die Forschung über Zusammenhänge zwischen Krebs und Ernährung einzulassen. Die Pharmaindustrie zeigt wenig Motivation diese unabhängige Grundlagenforschung zu finanzieren. Da Dr. Cantley aber auch an neuen Medikamenten interessiert ist, scheint sich die Tür für eine Einbeziehung von ketogener Ernährung einen Spalt zu öffnen.

Teuer mit begrenzter Wirkung

Wie sich zeigt, erfüllen standardisierten Therapien leider nicht die Erwartungen. Obwohl die Sterblichkeitsrate von Krebs zwischen 2004 und 2013 um etwa 13 Prozent gesunken ist, sind die Zahlen laut NCI (National Cancer Institut der USA) immer noch dramatisch. Im Jahr 2016 wurden schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen mit Krebs diagnostiziert, und allein in den USA starben fast 600.000 Menschen an der Krankheit.

Diese geringen Fortschritte haben einen hohen Preis. Die Ausgaben für die Krebsbehandlung haben sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Sie übersteigen in den USA gegenwärtig jährlich 125 Milliarden US-Dollar und sollen bis 2020 173 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Kosten für gezielte Therapien können leicht 65.000 $ pro Patient im Jahr erreichen. Leider verlängern auch die teuersten Medikamente oft das Leben um nur ein paar Monate.

Unter den zehn umsatzstärksten Medikamenten weltweit liegen Krebsmedikamente auf den Plätzen zwei bis sieben. Mit ihnen erwirtschafteten die Hersteller im Jahr 2018 einen Umsatz von 44,6 Mrd. US Dollar! Nachzulesen auf dem Internet Nachrichtendienst Medscape.

Kein Wunder, dass die Pharmaindustrie die Krebsforschung nicht aus der Hand geben will. Immer wieder wird der Anschein eines neuen Wundermittels erweckt. Nach einiger Zeit hört man nichts mehr davon.

Dr. Cantley u.Co auf Geldsuche

Crowdfunding ist das neue Schlagwort, wenn Geldmittel abseits gewohnter Finanzierungsschienen aufgetrieben werden sollen. Die Studie von Cantley und Co. benötigt „bescheidene“  530.000 $. Bis 31. August soll es gelingen diesen Betrag durch Spenden aufzutreiben. Damit wäre die bisher größte Studie über die Zusammenhänge zwischen Krebs und ketogener Ernährung möglich. Auch kleine Spenden helfen, die Macht der Pharmakonzerne zu auszuschalten.

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Auf ihrer Homepage heißt es:

  • „Obwohl 48% der Krebspatienten verschiedene populäre Diäten, u.a. auch ketogene Varianten verwenden, hat noch keine wissenschaftliche Studie einen klinischen Nutzen für Krebspatienten belegt. In der durchsuchbaren medizinischen Literatur gibt es etwa 25 Humanstudien, bei denen die ketogene Diät bei Krebs eingesetzt wird. Bei den meisten handelt es sich um sehr kleine Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Eine kürzlich durchgeführte Analyse dieser Daten ergab, dass die verfügbaren Beweise schwach waren und sich auf anekdotische Einzelfälle beschränkten. Dieses Forschungsprojekt hat das Potenzial, die Behandlung von Krebs durch Ernährung weiter zu verbessern“.

Zeitgemäße Krebsforschung macht sich auf, aus der Sackgasse auszubrechen und neue Wege zu beschreiten. Es ist höchste Zeit, neue Erkenntnisse über den Einfluss von Glukose, Fruktose und Insulin auf das Krebswachstum zu beleuchten.

Die ketogene Ernährung ist jetzt schon für manche Menschen eine wirksame Unterstützung zur Krebstherapie. Sie kann eventuell mehr. Wird sie ein Mittel der Prävention? Kann sie einmal medikamentöse Therapien nicht nur ergänzen sondern auch ersetzen? Fragen, denen immer mehr Wissenschaftler nachgehen.

 

Quellenverzeichnis:

Diet Doctor: Prominent oncologist to study potential of “keto+ drugs” to fight cancer  

Medical Express: Increasing evidence of a strong connection between sugar and cancer

The New York Times Magazine: It’s time to study whether eating particular diets can help heal us

https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=101823&s=science

Science Daily News: High-fructose corn syrup boosts intestinal tumor growth in mice.

Science: High-fructose corn syrup enhances intestinal tumor growth in mice

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4907760

https://crowdfunding.cornell.edu/project/14690
https://www.cancer.gov/about-nci
https://www.dietdoctor.com/us-researchers-explore-link-between-sugar-insulin-keto-and-cancer