Theoretisch ist alles längst geklärt. Schon seit Generationen. Wer zu viele Kohlenhydrate isst, setzt Speck an und läuft Gefahr zuckerkrank zu werden. Da die Mehrzahl der Menschen auf unserem Planeten zu industriell gefertigter, kohlenhydratreicher Nahrung greift, ist es kein Wunder, dass sich Übergewicht und die Folgekrankheiten rasant ausbreiten.

Kann man Menschen dazu bringen ihre Essgewohnheiten zu ändern? Nur sehr schwer, sagen die meisten Ärzte in unseren Gefilden. Ihre Ratschläge gehen meist  in Richtung weniger Kalorien und mehr Bewegung. Leider hat das immer nur für kurze Zeit funktioniert. Langfristig macht der Jo-Jo Effekt alle Anstrengungen zunichte. Die Angst vor tierischem Fett und dem Cholesterin macht eine erfolgreiche Ernährungswende unmöglich

Ein aussichtsloses Rennen

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Du kannst mit Bewegung eine schlechte Ernährung nicht wettmachen!

Erst wenn wir uns von der Fettangst befreien, können wir echtes Essen konsumieren und der Körper überschüssiges Gewicht und so manche Zivilisationskrankheit loswerden.

Es ist kein Wettlauf gegen die Kalorien. Es gibt Kalorien, die kaum in Blutzucker verwandelt werden und solche, die den Blutzucker dramatisch erhöhen. Letztere sind Fertigprodukte, die uns das Leben vereinfachen, das Kochen überflüssig machen und den Geschmack umgewöhnen sollen. Klarerweise haben die modernen Lebensmittel einen langen arbeitsteiligen Herstellungsprozess hinter sich, bei dem sie so verarbeitet wurden, dass sie lange haltbar und transportierbar wurden.

Jemand, der auf eine ausgewogene Ernährung wert legt, wie sie von den offiziellen Ernährungsgesellschaften empfohlen wird, nimmt locker 300 Gramm Kohlenhydrate täglich zu sich. Umgerechnet ergibt das 1200 Kcal. (ein Gramm Kohlenhydrate liefert 4 Kcal.), somit die Hälfte der täglichen Energiezufuhr. Diese Kohlenhydrate werden im Rahmen des Stoffwechsels komplett zu Blutzucker umgewandelt und dürfem nicht im Blutkreislauf verbleiben. Die Arten der Kohlenhydrate machen noch einen kleinen Unterschied aus. Hochverarbeitete erhöhen den Blutzucker stärker als gering verarbeitete. Aber alle haben eine Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel. Das ist vor allem für Diabetiker von Bedeutung. Während ein gesunder Mensch gering verarbeitete Kohlenhydrate, wie Kartoffeln oder Produkte aus Vollkornmehl viele Jahre problemlos genießen kann, ist bei Übergewichtigen oder Diabetikern der Umstieg auf Vollkornprodukte und andere komplexe Kohlenhydrate nicht genug.

Übergewicht und die Krankheiten des metabolischen Syndroms werden von einem wichtigen Hormon ausgelöst, das es zu beachten gilt.

DAS INSULIN!

Dieses Hormon schießt immer ins Blut ein, wenn es zu einem Blutzuckeranstieg kommt! Es sorgt einerseits dafür, dass sich die Zellen für den Zucker öffnen, andererseits, dass der überschüssige Zucker als Körperfett gespeichert wird.

Eine andauernd hohe Insulinausschüttung schwächt die Wirkung dieses Steuerungshormons, den Körperzellen wird weniger Blutzucker zugeführt, ein wachsender Anteil des Zuckers wird als Körperfett gespeichert. Der Zustand der INSULINRESISTENZ tritt ein. Die Folge ist eine Intoleranz gegen Kohlenhydrate, gegen alle Kohlenhydrate, nicht nur gegen hoch verarbeitete.

Diese Insulinresistenz rückgängig zu machen, gelingt nur mit einem mehr oder weniger großen Verzicht auf kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel und eventuell Phasen von intermittierendem Fasten.

Ja, was darf man dann noch essen, wenn man Stoffwechselprobleme hat? Ganz einfach, vermehrt Nahrungsmittel, die den Blutzuckeranstieg verlangsamen oder weitgehend flach halten. Dazu gehören die beiden Makronährstoffe Protein und Fett.

  1. Protein erhöht den Blutzucker deutlich weniger als Kohlenhydrate.
  2. Fett: natürliches, nicht verarbeitetes Fett darf bei keiner Ernährung fehlen! Denn Fett hat kaum Auswirkungen auf den Blutzucker. Reduzieren Sie bitte nicht den natürlichen Fettanteil von Nahrungsmitteln. Wählen Sie die Menge Fett mit Bedacht, solange bis Sie ihr Wunschgewicht erreicht haben.
  3. Kohlenhydrate sind verzichtbar, denn sie liefern wenig Nährstoffe und rasch verpuffende Energie. Der Blutzuckeranstieg verläuft wie bei einer Fahrt mit der Achterbahn! Mehrmals täglich erfolgt eine große Belastung für den Stoffwechsel.

Wie auf einer Achterbahn schießt unser Blutzucker täglich mehrmals hoch.

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Das Insulin beschleunigt die Abwährtsfahrt, bis es wieder nach oben geht. Wie soll der menschliche Organismus über längere Zeit dagegenhalten?

Erst jetzt kommt der bekannte Pelzebub, der raffinierte Zucker, ins Spiel. Er enthält keine Nährstoffe, nur reine Energie und ist absolut verzichtbar. Wer abnehmen will, weiß das und hält sich zumeist daran. Doch die industriellen Verführungskünste haben ein Täuschungsmanöver ausgeheckt, und zwar mit Hilfe des Gesetzgebers. Wenn auf der Verpackung „zuckerfrei“ draufsteht, kann dennoch Zucker enthalten sein. Es sind künstliche Süßstoffe, Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel, die bei der Herstellung zugesetzt werden, um den Konsumenten zu verwöhnen und abhängig zu machen. Das sind Kohlenhydrate, die auch den Blutzucker beeinflussen. Nicht immer durch Insulinanstieg, sondern auch durch Fütterung schlechter Darmbakterien. Auch auf diesem Weg wird eine Insulinresistenz gefördert.

Daher ein wichtiger Ratschlag: um überflüssige Kilos loszuwerden und den Stoffwechsel günstig zu beeinflussen, kaufen Sie möglichst unverpackte Lebensmittel mit einem Anteil an Kohlenhydraten unter 5 Prozent und einem Fettanteil, der größer ist als die Summe von Kohlenhydraten und Protein zusammen.

Wenn sie dieses einfache Gebot beachten, werden Sie ihren Anteil an Kohlenhydraten an der Nahrung deutlich reduzieren und die Auswirkungen auf Ihre Gesundheit bald zu spüren bekommen.

Bedenken Sie, eine Tafel Schokolade enthält ca. 50 Gramm Zucker, genauso viel wie eine Schale Reis. Beides kann in 9 Stück Würfelzucker umgerechnet werden. Wenn Sie auf Schokolade verzichten, in der Früh aber schon mit einem Müsli beginnen, zu Mittag Kartoffeln als Beilage essen und Abends Brot essen, hat Ihnen der Verzicht auf Schokolade nichts genützt. Untertags zur Energiegewinnung noch Kekse oder einen selbst gemachten Kuchen genascht und am Abend vor dem Fernseher ein kleines Bier mit Chips, machen alle Versuche, Kalorien zu sparen, also kleinere Portionen zu essen, zunichte. Gar nicht zu reden von den Versuchen sich mehr zu bewegen. Denn auch diese Versuche verpuffen wirkungslos, solange der Insulinspiegel chronisch hoch ist.

Bewegung alleine ist zu wenig. Eine schlechte Ernährung kann durch Bewegung nicht wettgemacht werden. „You cannot outrun a bad diet“ titelt das britische Journal für Sportmedizin („Du kannst einem schlechten Essen nicht davonlaufen“).

Ein Umdenken ist nötig:

Worauf kommt es demnach an, wenn man den Stoffwechsel und Parameter für das metabolische Syndrom verbessern will?

Fett ist gesund, soweit es nicht verarbeitet wurde! Es macht satt und verleiht Energie. Achtung bei Pflanzenfetten! In den Supermärkten werden fast nur verarbeitete Öle angeboten! Wie bereits erwähnt, in Abnehmphasen hat der Körper genügend eigene Reserven, die er angreifen kann. Es braucht keine Extraportionen Fett.

Eiweiß (Protein): Ein Kotelett vom Rind, Schwein, Kalb oder Lamm enthält drei Teile Wasser und nur einen Teil Protein! Ein Steak mit 200 Gramm enthält also ca. 50 Gramm Protein. Empfohlen wird 0.8 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht. Für eine 70 Kilo schwere Person liegt der Bedarf an Protein bei 56 Gramm am Tag. Die restliche Menge kann über Eier, Käse oder Gemüse aufgenommen werden. Genau diese Proteinmenge dient dem Aufbau von Muskelgewebe und Organen. Sport erhöht den Bedarf an Protein leicht. Ein zu viel an Protein wird wiederum in Blutzucker umgewandelt und muss als Fett gespeichert werden.

Fett und Protein liefern genug Energie sowie alle nötigen Nährstoffe und machen damit eine kohlenhydratreduzierte Ernährung möglich. Nach einigen Tagen bis zu wenigen Wochen wechselt der Körper von der Zuckerverbrennung auf Fettverbrennung. Dieser neue Weg hat einen Namen:

KETOGENE ERNÄHRUNG: durch den angeregten Fettstoffwechsel sind im Blut Ketonkörper nachweisbar. Ein Zeichen, dass die Fettverbrennung, auch des eigenen Körperfetts, funktioniert und der Körper die Zuckerverbrennung hinter sich gelassen hat.