Dr. Zsófia Clemens und Dr. Csaba Tóth von Paleomedicina Ungarn luden zum Tag der offenen Tür nach Zalaszentgrót. Unter den Teilnehmern war auch Ivor Cummins (The Fat Emperor), der bei dieser Gelegenheit sein neues Buch „EAT RICH LIVE LONG“ vorstellte.

Die paleo-ketogene Ernährung, die von den ungarischen Wissenschaftlern entwickelt wurde, erregt weit über die Grenzen Ungarns hinaus Neugier unter erfahrenen Low Carb Vertretern. Ein Großteil der Anwesenden waren Ärzte und Patienten, die mit dieser Ernährungsmedizin Erfahrung gesammelt hatten.

An drei Tagen präsentierten die ungarischen Ärzte und Wissenschaftler um Dr. Csaba Tóth und Dr. Zsófia Clemens ihre Arbeitsweise, Hintergründe und Ergebnisse. Ich war neugierig, inwiefern eine Steinzeitkost Menschen mit chronischen Krankheiten helfen könnte. Als Vorbereitung auf die Referate und Diskussionen dienten zahlreiche Artikel auf der Homepage von paleomedicina.com. Viele Artikel sind aus dem Ungarischen ins Deutsche und Englische übersetzt.

Ich muss gestehen, dass ich mir zuletzt gar nicht mehr so sicher war, ob LCHF in allen Fällen eine Garantie für Gesundheit und Abnehmen ist. Ich weiß nicht, ob es sehr viele Menschen gibt, die wie ich bereits zehn Jahre und länger von einer kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung leben. Vereinzelt erfahre ich von gesundheitlichen Problemen, wie Anstieg des Gewichts oder überhöhtem Blutdruck. Was in den ersten Jahren einen Erfolgsrausch auslöst, bietet anscheinend nach vielen Jahren nicht mehr dieselbe Garantie für Gesundheit und Gewichtskontrolle. Bei Paleomedicina suchte ich Antworten auf meine Fragen.

Auch ich habe mich in letzter Zeit gewundert, dass mein Gewicht ganz langsam anstieg, aber 1 bis 2 Kilo mehr, war sicher noch kein Grund zur Sorge. Was aber, wenn ich diesen Prozess nicht aufhalten kann? Schon  seit längerer Zeit fragte ich mich, ob denn eine lowcarb und highfat Ernährung ein Leben lang für optimale Gesundheit sorgen wird.  Es gibt noch sehr wenige Menschen, die wie ich viele Jahre LCHF Erfahrung gesammelt haben.

Noch ein wichtiger Satz vorweg: Alle Menschen, die sich nach LCHF ernähren, und diese in ihren Lebensstil integrieren, berichten von einer besseren Lebensqualität, gesteigerter Gesundheit und sinkendem Gewicht. Das ist auch der Grund für meinen Blog. Aber nicht alle profitieren gleichermaßen davon. Ob chronische Krankheiten völlig verschwinden, gelindert werden oder ob Medikamente besser wirken, ist oft sehr verschieden.

Bei den von mir organisierten Informationsabenden, den Low Carb Stammtischen, berichten hin und wieder Menschen, dass es ihnen trotz bestem Willen nicht gelingt, längere Zeit Kohlenhydrate zu reduzieren und vermehrt Fett zu essen. Warum fällt es dem einen leicht, diese Ernährung anzunehmen und warum gibt es andere, bei denen es nur bei einem Versuch bleibt? Diese Frage sollten uns wir in der Low Carb Community einmal stellen und nicht immer nur äußere Gründe verantwortlich machen. Es könnte auch etwas mit dem zu tun haben, was wir unter dem Titel LCHF verstehen.

Ich gestehe, ich bin sehr neugierig und lasse mich auf diese spezielle Ernährung ein, die die ungarischen Ärzte seit einigen Jahren mit Erfolg an Patienten anwenden. Ich möchte nicht nur verstehen, sondern auch an mir selbst erleben, was an der paleo-ketogenen Ernährung anders ist als an der kohlenhydratarmen LCHF oder ketogenen Ernährung, an die ich mich gewöhnt hatte.

Meine Bilanz ist erfreulich

Innerhalb von ca. 6 Wochen habe ich 3 Kilo abgenommen, nachdem ich wie erwähnt vorher langsam ganz leicht zugenommen hatte. Derzeit habe ich kein Problem, das neue Gewicht zu halten, das ich auch als 20-jähriger hatte. Ich staune. Die Anzahl der gemessenen Ketone im Blut zeigt, dass sich mein Fettmetabolismus verbessert hat (Anstieg von durchschnittlich 0,5 mmol/L auf mindestens 1,5 mmol/L). Meine Fitness hat sich verbessert. Benötigte ich bisher für meine morgendlichen Aufstiege auf meinen Hausberg (350 Höhenmeter) ca. 1 Stunde, schaffe ich dies jetzt in 50 Minuten.

Was habe ich an meiner Ernährung verändert?

Grundsätzlich gehe ich von einer low-carb high-fat (LCHF) Ernährung aus.

Ich vermeide die meisten Milchprodukte. Käse und Joghurt gehören nicht mehr zu meiner Ernährung. Butter, Butterschmalz (Ghee) und Sahne werden noch zum Kochen verwendet, aber mit der Absicht, diese durch andere tierische Fette zu ersetzen. Der Gedanke, dass Milch nur als Nahrung für Säuglinge von Bedeutung ist und von Kühen nur für ihre Kälber produziert wird, ist einleuchtend. Milchprodukte können auf Dauer Schaden anrichten, da sie Eiweiße (Aminosäuren) enthalten, die unser Stoffwechsel nicht gut verarbeiten kann.

Pflanzenfette und Öle habe ich ebenfalls komplett von meinem Speiseplan entfernt, auch das lange verwendete Kokosöl.

Meine größte Veränderung gilt der Einstellung gegenüber Gemüse. Den Verzehr von Gemüse, auch wenn es über der Erde wächst, habe ich eingeschränkt. Das betrifft auch Pflanzen, die wenige Kohlenhydrate enthalten, wie Nachtschattengewächse (Tomaten, Paprika), Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Salat. Die Pflanzensamen enthalten eigene Giftstoffe (wie Lektine) , die verhindern, dass sie gefressen werden. Durch diese Waffe ist die Fortpflanzung garantiert. Wild lebende Tiere wissen instinktiv, welche Pflanzen sie fressen dürfen und welche sie vermeiden müssen. Im Stall lebende Rinder können die Abwehrgifte der Gräser nicht mehr erkennen. Kaum sind sie wieder auf der Weide, werden sie sofort wieder wählerisch und fressen nur junges Gras, das noch keine Samen ausgetrieben hat.

Wasser wird nur noch bei Durst getrunken. Die Empfehlung ca. 2 Liter am Tag zu trinken ist für mich keine Richtschnur.

Ich verzichte auch gänzlich auf Alkohol, den ich bisher ohnehin nur in geringen Mengen getrunken habe.

Habe ich bisher Omega-3 Öl und Vitamin-D supplementiert, nehme ich jetzt auch davon Abstand. Ich bin neugierig, wie sich das auf meine Werte auswirkt. Meine Vitaminversorgung stelle ich durch einen vermehrten Konsum von Innereien sicher.

Die Frage, die jetzt auftaucht ist berechtigt: Was bleibt denn dann noch zum Essen übrig?

Ich esse überwiegend animalische Produkte, nicht nur die bekannten Gustostücke, sondern versuche mich an sämtlichen Innereien. Die Auswahl bei Fleisch richtet sich nach dem Fettanteil. Je höher desto besser. Dazu regelmäßig Eier und Speck. Fisch, wenn möglich aus Wildfang.  Selbst gekochte Knochen- und Fleischbrühe ist immer vorhanden, als eigene Mahlzeit oder als Zutat. Dazu trinke ich Wasser, Tee und Kaffee. Hin und wieder gibt es Nachspeisen nach Low-Carb Rezepten, die mit Honig gesüßt werden. Ganz ohne Süße geht es ja doch nicht.

Insgesamt gelingt es mir mit dieser Kost, meine Kohlenhydrate mit Leichtigkeit auf 20 bis null Prozent einzuschränken. Auch lange Abstände zwischen den Mahlzeiten machen keinen Hunger und ich verfüge über reichlich Energie.

Dieses Ernährungskonzept wurde von Paleomedicina in Ungarn entwickelt und wurde, wie ich selbst erleben konnte, bisher von zahlreichen Patienten mit Erfolg umgesetzt.  Ich kann bestätigen, es funktioniert auch bei mir, ich erkenne keine Defizite. So wie am Beginn meiner Umstellung auf LCHF vor 10 Jahren, werde ich aber weiterhin auf meine Blutwerte und meine gefühlte Fitness achten. Wenn es so bleibt, kann ich von Glück sprechen, diese Gruppe gefunden zu haben. Ich habe zusätzliche Möglichkeiten entdeckt, um meine ohnehin gesunde LCHF Ernährung zu optimieren. Das Beste aus beiden, Paleo und LCHF-Ketogen.

Internet: https://www.paleomedicina.com/de

Kontakt: paleomedicina@t-online.hu oder +36 30 701 6323