Eine handfeste Überraschung dringt aus Argentinien zu uns. Indem man das neueste Ernährungswissen anwendet, wird die kohlenhydratarme Ernährung Teil der Versorgung der Schüler. Das Projekt wird wegen seines Erfolgs auf immer mehr Schulen ausgeweitet.

In England werden weiterhin alte Zöpfe geflochten. Das Wissenschaftsjournal BMJ berichtet, dass ein Projekt an mehreren Schulen mit mehr Bewegung und gesünderem Essen, das heißt wenig Fett und reichlich Kohlenhydrate, nach 30 Monaten als gescheitert angesehen werden muss.

Don´t Cry for Me Argentina

Es gibt keinen Grund, um Argentinien zu trauern, wie schon das Lied von Evita Peron im Musical um die Präsidentin hervorhebt. In diesem Land hat man sich entschieden, die neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse über Ernährung den Schulkindern zugute kommen zu lassen.

Das Ziel ist im Regierungsprogramm für „Recht auf Nahrung“ festgeschrieben:

„Durch die Reduzierung von verarbeiteten und kohlenhydratreichen Lebensmitteln aus Kindermahlzeiten verringert sich das Risiko von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Karies und anderen Stoffwechselerkrankungen. Wenn wir die Ernährung verbessern, erhöhen wir auch die Konzentration und  die Stimmung der Kinder, verbessern ihr Immunsystem, sowie die Energie und entwickeln bei den Kindern Wertschätzung für echte Nahrung gegenüber verarbeiteten Lebensmitteln „.

In der Provinzhauptstadt Mendoza bringen die Schulbehörden für dieses Ansinnen zusätzlich 70 Millionen Pesos (ca. 2,8 Millionen €) für Schulessen auf, bei einem Gesamtbudget für die Schulküchen von 550 Millionen Pesos (ca. 23 Millionen €). Eine Steigerung um ca. 15 Prozent.

All das um einerseits mehr Kinder aus ärmeren Schulbezirken in das Ernährungsprogramm aufzunehmen, andererseits um eine kohlenhydratarme Ernährung anzubieten.

Die Zeitung El Sol berichtet:

„Eine weitere Tatsache, die es zu berücksichtigen gilt, hat mit dem Proteinwert der Essensportionen zu tun. Letztes Jahr wurde beschlossen, ein gesundes Menü einzuführen, da Studien von Ernährungswissenschaftlern in Schulen eine Zunahme von Übergewicht bei Kindern festgestellt haben. Deshalb hat das Team von Fachleuten des Ministeriums in Betracht gezogen, Kohlenhydrate zu reduzieren und das Menü so zu ändern, dass alle notwendigen Nährstoffe enthalten sind“.

Die Leiterin des Projekts „Recht auf Nahrung“, María Selva Trevisán, sagt in El Sol:

„Die Speisekarte wurde von einem Team von Ernährungswissenschaftlern erstellt und enthält alle Nährstoffe, die ein Kind aufnehmen muss. Das Essen ist gesund, weil es wenig Kohlenhydrate und viel Protein und Kalzium enthält, um ein gutes Wachstum zu erzielen“.

 Cry for Me! Englands Schulausspeisung gescheitert

In England ist die Schulausspeisung eine Kathastrophe! Kein Anzeichen eines Richtungswechsels ist in englischen Schulprojekten zu erkennen.

Im europäischen Mutterland der Fettleibigkeit wird verzweifelt nach Maßnahmen zur Vermeidung von Übergewicht bei Schulkindern gesucht. Viel Sport und eine „gesunde Ernährung“ sollten helfen. Grundlage bilden die Ernährungsregeln der staatlichen Gesundheitsbehörden. Nach zwei ein halb Jahren war das Ergebnis niederschmetternd.

Studien und angewandte Praxis kommen immer wieder zum Schluss: Eine Low-Carb Ernährung ist eindeutig gesünder, als alle Maßnahmen, die auf Kalorien- und Fettsparen hinauslaufen. Warum nicht bald auch in öffentlichen Institutionen?

BBC News: Anti-obesity programmes in primary schools ‘don’t work’

Schlussfolgerungen der Studie: Die primären Analysen deuten darauf hin, dass diese erfahrungsorientierte Intervention keinen statistisch signifikanten Effekt auf den BMI-z-Score oder auf die Prävention von Fettleibigkeit bei Kindern hatte. Es ist unwahrscheinlich, dass Schulen auf die Adipositasepidemie im Kindesalter einwirken können, wenn diese Interventionen ohne breitere Unterstützung aus mehreren Bereichen aus Gesellschaft und Umwelt auskommen müssen.

(Conclusions The primary analyses suggest that this experiential focused intervention had no statistically significant effect on BMI z score or on preventing childhood obesity. Schools are unlikely to impact on the childhood obesity epidemic by incorporating such interventions without wider support across multiple sectors and environments.)

Unterrichtsprogramme mit dieser Art von „gesunder Ernährung“ und körperlicher Aktivität haben keine Auswirkungen auf Fettleibigkeit bei Kindern, schreiben die Wissenschaftler aus Birmingham im renommierten British Medical Journal.
15 und 30 Monate nach Beginn des Projekts  untersuchten die Forscher die Kinder und fanden keine statistisch signifikante Verringerung des BMI (Body-Maß-Index), keinen erhöhten Energieverbrauch, auch die Körperfettmessung oder das Aktivitätsniveau brachte keinen Fortschritt zutage  – verglichen mit den Kindern, die nicht am Akivitätsprogramm teilnahmen.

Die englischen Schulbehörden sollten sich in Mendoza, Argentinien, umsehen. Dort hat man den Spieß umgedreht und der kohlenhydratreichen und fettarmen Kost eine Absage erteilt. Überall spricht sich herum, dass es auf die Nährstoffe ankommt, nicht auf Kalorien. Ein Riesenerfolg, wenn sich einzelne Regionen von Fertiggerichten distanzieren  und unwirksame Ernährungsprogramme verwerfen. Was man in Mendoza erkannt hat: gesundes Essen darf mehr Kosten verursachen, womit man langfristig bei den Ausgaben im Gesundheitssektor spart.

Viel Bewegung ist für die Gesundheit ganz wichtig, kann aber das Gewicht nur minimal regulieren. Kinder und Jugendliche, die sich viel im Freien aufhalten, können ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Auf keinen Fall kann Bewegung eine falsche Ernährung korrigieren.

Abschließend  Dr. Andreas Eenfeldt, der immer wieder fordert, die moderne Ernährungswissenschaft umzusetzen:

„Es wundert mich nicht, dass dieses Programm erfolglos blieb, denn die Ratschläge sind wirkungslos. Eine „gesunde“ kohlenhydratreiche Ernährung mit mehr Bewegung ist die Empfehlung, die uns das Schlamassel mit der Adipositas-Epidemie eingebracht hat. Studien zeigen immer wieder aufs Neue, dass dies in der Praxis nichts bewirkt“.

Quellen:

Destinarán $550 millones para alimentación en escuelas. In: https://www.elsol.com.ar/destinaran-550-millones-para-alimentacion-en-escuelas

Effectiveness of a childhood obesity prevention programme delivered through schools, targeting 6 and 7 year olds: cluster randomised controlled trial WAVES study. In British Medical Journal.