Jeder, der es wagt, von den Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften abzuweichen, hat sich wohl einmal diese Frage gestellt. Nach den Ansichten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist nur eine kohlenhydratreiche Kost „ausgewogen“ und eine fettbetonte Ernährung eine Gefahr die Herzkranzgefäße (Ablagerungen).

Was aber wirklich zählt, sind nicht Kalorien, sondern ob der Stoffwechsel jene Nährstoffe empfängt, an die er angepasst ist und die er am besten verwerten kann.

Die größten Zweifel legen sich ohnehin, wenn man nach längeren Phasen mit LCHF die Blutbefunde betrachtet und Veränderungen im eigenen Körper persönlich wahrnimmt.

Es gibt nur drei Makronährstoffe (Fett, Protein und Kohlenhydrate), hingegen eine Menge Mikronährstoffe, die durch die Nahrung aufgenommen werden müssen.

Die Studie aus Australien und Neuseeland ging der Frage nach, ob bei einer fettreichen und kohlenhydratarmen Ernährung genau diese Mikronährstoffe fehlen, oder ob sie in tierischen Lebensmitteln und stärkearmen Gemüse ausreichend vorhanden sind.

Eine gut durchdachte LCHF-Diät kann in Bezug auf Mikronährstoffe als vollständig ausreichend betrachtet werden“,

heißt das Ergebnis der neuen australisch-neuseeländischen Studie.

In medizinischen Kreisen wird eine kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung (LCHF) immer öfter bei zahlreichen Erkrankungen unterstützend eingesetzt. Schon länger ist die Wirkung bei Epilepsie bekannt, die bis zur Anfallsfreiheit führen kann. Bei Stoffwechselstörungen (wie Diabetes) drängt sich der Verzicht auf Kohlenhydrate direkt auf. Bei Autoimmunerkrankungen, chronischen Entzündungen oder sogar Krebs, wird diese Ernährung, die auch den Namen „ketogene“ Ernährung trägt, zur Optimierung der Selbstheilungskräfte eingesetzt.

Bedenken, dass diese Ernährung langfristig ein Nährstoffdefizit oder schlechte Blutfettwerte zur Folge haben könnten, haben sich in Studien und bei langjähriger Praxis nicht bestätigt. Daher ist diese neue Studie auch ein gutes Argument, für alle, die noch unsicher sind. Die Autoren schreiben:

„Die kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung (LCHF) wird zunehmend in der klinischen diätetischen Praxis eingesetzt, um viele ernährungsbedingte Erkrankungen zu bewältigen. Dennoch ist sie in Ernährungskreisen umstritten, weil man glaubt, dass es bei dieser Ernährung an Nährstoffen mangelt. Zusätzlich bestehen Bedenken hinsichtlich ihres Gehalts an gesättigten Fetten. Diese Arbeit zielte darauf ab, die Mikronährstoffaufnahme der LCHF-Diät zu bewerten, unter Vergleich zwei verschiedener Obergrenzen von gesättigtem Fett. Einmal die Beschränkung von gesättigtem Fett auf 10 % (Empfehlung der Ernährungsgesellschaften) und ein andermal die Einnahme von gesättigtem Fett nach Belieben“.

Ob viel oder wenig gesättigtes Fett, die empfohlene Menge an Mikronährstoffen wurden in beiden Fällen überschritten.

Schlussfolgerung, Zitat:

„Trotz der Makronährstoffanteile, die nicht den aktuellen nationalen Ernährungsrichtlinien entsprechen, kann eine LCHF-Ernährung, die gut geplant ist, als Mikronährstoffsupplement betrachtet werden. Dies ist ein wichtiges Ergebnis für Gesundheitsexperten, Verbraucher und Kritiker von LCHF-Ernährung, da es den Mythos zerstreut, dass diese Diäten in ihrer Mikronährstoffversorgung suboptimal wären. Wie bei jeder Diät müssen Mahlzeiten für eine optimale Nährstoffversorgung gut formuliert sein“.

                „Eine gut durchdachte LCHF-Diät kann in Bezug auf Mikronährstoffe als vollständig ausreichend betrachtet werden“

Wohin mit allen Berichten, die uns weismachen wollen, dass nur eine Ernährung nach den Vorstellungen der DGE ausgewogen sein soll? Einfach schmunzeln. Sie wissen nicht worüber sie reden und schreiben. Seien wir stolz, dass die Low Carb / Paleo / LCHF Ernährung immerhin die Magazine beschäftigt, wenn auch meist kritisch und mit einem skeptischen Beigeschmack. Studien, wie diese, werden noch länger warten müssen, bis sie das Licht der breiten Öffentlichkeit erblicken dürfen.

Ein interessanter Nachtrag, der zeigt, wie langsam die Mühlen mahlen:

Im Jahr 2006 wurde über die schwedische Ärztin Dr. Annika Dahlqvist ein Berufsverbot verhängt, da sie es wagte, den Diabetikern (Typ-2) eine kohlenhydratarme Ernährung nach dem Muster von LCHF zu empfehlen. Nach zwei Jahren wurde sie durch das Urteil des Gesundheitsministeriums rehabilitiert:

„Die Behandlung von Diabetes und Übergewicht mit einer strikten kohlenhydratarmen Ernährung entspricht dem Stand der Wissenschaft und der erprobten Erfahrung“.

Seitdem stoßen Diabetiker in Schweden bei vielen Ärzten auf Verständnis, wenn sie sich weigern, ihre Krankheit als lebenslang und chronisch zu akzeptieren, und sich stattdessen einer Ernährungsumstellung unterziehen, die obendrein keinen Verzicht bedeutet, sondern zu mehr Genuss führt.

Heute, zehn Jahre nach dem Verdikt in Schweden, mangelt es weltweit immer noch an Grundwissen über Ernährung. Das ist das verheerende Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation der Lebensmittel- und Pharmaindustrie und ein Versagen des Gesundheitssystems.

Die Studie hat eine sanfte Formulierung gefunden, die auch Ärzten ein Umdenken ermöglichen könnte:

Wenn man bedenkt, dass diese Art des Essens eine Fülle von Nährstoffen liefert und sich als wirksam für die Verbesserung der metabolischen Gesundheit erwiesen hat, sollte sie zumindest für Menschen mit Diabetes neben den Mainstream-Richtlinien als eine geeignete Ernährungsoption angesehen werden“.

Überzeugen Sie sich selbst:

BMJ Open: Assessing the nutrient intake of a low-carbohydrate, high-fat (LCHF) diet: a hypothetical case study design