Eine neue Studie deutet darauf hin, dass eine kohlenhydratarme Ernährung Ihr Leben verkürzen könnte. Diese Studie wertet Fragebögen aus, die in den Jahren 1987 bis 1989 ausgefüllt wurden. Sie deutet einen statistischen Zusammenhang zwischen Ernährung und Lebenserwartung an und kann – wie die Autoren selbst sagen – nichts beweisen. Trotzdem halten viele Medien wie BBC und CNN das Ergebnis für bare Münze.

Mit zunehmender Verbreitung der kohlenhydratarmen Ernährung reagieren die Massenmedien indem sie zwischen sachlicher Berichterstattung und dem Schüren von Ängsten schwanken. Worauf basiert diese Studie, die in TheLancet veröffentlicht wurde?

Von 1987 bis 1989, also vor ca. 30 Jahren, haben 15 428 Personen im Alter von 45 bis 64 Jahren in vier amerikanischen Gemeinden Fragebögen zu ihrer Ernährung ausgefüllt. Die Studienautoren suchten Zusammenhänge zwischen der Menge der angegeben Kohlenhydrataufnahme und der Lebenserwartung.

Diese Art der Datenerfassung ist höchstens für eine grobe Einschätzung der Situation geeignet. Ob die Befragten zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß oder Fett unterscheiden konnten und woran sie sich beim Ausfüllen der Fragebögen noch erinnern, ist ein offener Punkt. Nach 30 Jahren wurden also die Daten sortiert und mit der Lebensdauer der Teilnehmer abgeglichen.

Viele Studien dieser Art kamen im Laufe der letzten Jahre zu ähnlichen Ergebnissen. Die allermeisten weisen großen Schwächen auf. Die Gruppe von Menschen, die während der 80-er Jahre in den USA – auf dem Höhepunkt der Fett-Phobie – viel Fleisch und Fett zu sich nahm, dürfte sich eher nicht um einen gesunden Lebensstil gekümmert haben. Es wurde allgemein mehr geraucht, man bewegte sich weniger, konsumierte mehr Alkohol, hatte ein höheres Gewicht und häufiger Diabetes.

Studien zeigen immer wieder, dass gesundheitsbewusste Menschen, die sich viel bewegen, weniger Fertignahrung konsumieren, nicht rauchen und wenig Alkohol trinken, eine höhere Lebenserwartung haben. Ein hoher Konsum von verarbeitetem Fleisch und reduzierter Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln steht häufig mit einem insgesamt ungesunden Lebensstil in Zusammenhang.

Die Autoren dieser aktuellen Studie sagen selbst, dass ihre Studie nichts beweist. Die Medien hingegen reißen Sätze aus dem Zusammenhang, wodurch sie die Studie bis zur Unkenntlichkeit verkürzen. Provokationen mit spannenden Schlagzeilen steigern die Auflagen. Darum geht es eigentlich, nicht um Verbreitung von wissenschaftlich erwiesenen Fakten.

Dieser eine Satz aus der Studie geht um die Welt:

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass auf tierischer Nahrung basierte kohlenhydratarme Diäten, die in Nordamerika und Europa vorherrschen, mit einer kürzeren Gesamtlebensdauer verbunden sein können und davon abgeraten werden sollte“.

Ja, Menschen, die sich nicht um ihre Ernährung kümmern, vielleicht eine „fettreichere“ Diät an Schnellimbissen zu sich nehmen oder keine Zeit und Möglichkeit zum Kochen haben, sind eher gefährdet ein paar Jahre früher zu sterben. Aber das bedeutet nicht, dass das Gleiche auch für Menschen gilt, die bewusst eine kohlenhydratarme Ernährung einhalten – das ist eine ganz andere Sache!

Wenn man sich von derartigen schwachen statistischen Auswertungen verabschiedet und qualitativ hochwertige Interventionsstudien heranzieht, bei denen sich Menschen tatsächlich einer kohlenhydratarmen Ernährung unterziehen, führen kohlenhydratarme Ernährungsweisen im Vergleich zu anderen Diäten regelmäßig zu mehr Gewichtsverlust und verbesserten Gesundheitsmarkern. Auf der Webseite von Dietdoctor Andreas Eenfeldt sind zahlreihe Studien von hoher Qualität aufgelistet, die die Wirkung von kohlenhydratarmen und ketogenen Kostformen bestätigen.

Es ist völlig ungefährlich eigene Erfahrungen mit der Reduktion von Kohlenhydraten zu machen, bei Abhängigkeit von Medikamenten ist aber die Begleitung durch einen Arzt geboten.  Nur dadurch können Sie sich überzeugen, dass diese Ernährung für Sie passt.

https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(18)30135-X/fulltext