Amanda Åkesson

ist eine von 40 fest angestellten Mitarbeiter/innen im Team von „DietDoctor“ Andreas Eenfeldt. Amanda war bereit, ihren sehr persönlichen Artikel über ihren Weg zu LCHF und die Bedeutung dieser Ernährung auf meinem Blog in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen. Hier zum Original

Das Besondere an diesem Artikel ist, dass sie offen über ihre Depression spricht und mit welchem Ernährungsregime sie wieder gesund wurde. Bei ihr begann die Heilung, als sie zufällig bei einem chinesischer Arzt landete, der sie aufforderte, sich eine Zeit lang nur von Fleisch zu ernähren. Auf der Suche, warum dieser seltsame Ratschlag ihre Gesundheit verbesserte, stieß sie auf die Homepage von DietDoctor.com. Damit war der Weg zu einer wichtigen Mitarbeiterin im Team DietDoctor geebnet.

Hier die Übersetzung des Artikels von Amanda Åkesson, der auf der schwedischen Seite von dietdoktor.com erschienen ist:

Amanda Åkesson, update 6 Juli 2019

Trotz der Angstzustände, die ich erlitt, als ich während meiner Zeit an der Universität zum ersten Mal unter Depressionen litt, bin ich jetzt im Nachhinein zutiefst dankbar, dass dies gerade in dieser Phase meines Lebens geschah. Viele Leute haben das gleiche vor mir durchgemacht und ihre Geschichten auf Seiten wie DietDoctor und Meat Heals erzählt.

Wäre ich ein Jahrzehnt früher geboren, hätte ich vielleicht nicht erfahren, dass Depressionen und Angstzustände behandelbar sind und dass diese bei manchen Menschen wieder vorübergehend sein können. Wahrscheinlich hätte meine Gesundung längere Zeit benötigt, mein Leiden hätte sich auch zu einem chronischen statt zu einem vorübergehenden Problem entwickeln können. Die Geschichten jener Menschen, die ihre psychischen Probleme bewältigt haben, machten mir klar, dass ich nicht allein war, und gaben mir das Gefühl, dass es in meiner eigenen Macht lag, mein Befinden zu beeinflussen.

Obwohl ich bereits vor dem Ausbruch einer tieferen Depression leichtere Phasen von Depression und Angstzuständen gehabt hatte, war ich auf das, was ich erleben sollte, völlig unvorbereitet. Ich fühlte mich verwirrt und einsam, als ich von einer kleinen Stadt nach Stockholm zog. Anfangs wusste ich nicht, wohin mit mir. Ich zog mich in meine kleine Wohnung zurück, obwohl es sich anfühlte, als würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Jede Art sozialer Kontakte raubte mir die Energie und ich begann sogar, Vorlesungen zu schwänzen und stattdessen zu Hause zu lernen. Ich erlebte eine intensive Unruhe und fühlte mich die meiste Zeit erschöpft, am Morgen war ich besonders niedergeschlagen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, kamen noch schwere Magenprobleme und Schlafstörungen hinzu.

Mein Weg von damals zu meiner heutigen Situation war lang und erforderte große Anstrengungen. Ich hatte mehrere Rückfälle, aber das hat mir zu neuen Einsichten verholfen, die es mir ermöglichten, weiter zu gehen. Tatsache ist, dass die Dinge nicht immer perfekt verlaufen und auch jetzt habe ich Tage, an denen ich mich traurig fühle. Aber es scheint, dass diese Zustände seltener und nicht so heftig auftreten. Im Gegensatz zu der Angst, die ich früher täglich verspürt hatte, sind diese Episoden beherrschbar geworden und stellen eine erstaunliche Veränderung zum Besseren dar. Ich wage sogar zu behaupten, dass sich meine Reaktionen auf die Hochs und Tiefs im Leben im gesunden Bereich bewegen, und ich sehe nicht mehr die Notwendigkeit, mich darum zu bemühen, alle Stimmungsschwankungen zu beherrschen.

Wie auch immer, ich werde wahrscheinlich immer auf meinen Gemütszustand achten müssen. Es war nötig grundlegende Änderungen am Lebensstil vorzunehmen, um dorthin zu gelangen, wo ich heute stehe. Vor allem bin ich bei meiner kohlenhydratarmen Ernährung immer sehr strikt. Derzeit esse ich viel rotes Fleisch, Hühnchen, Eier und Butter und oft grünen Blattsalat, Gurken und Apfelessig (den ich jetzt vertrage, seitdem mein Magen geheilt ist). Ich mache es mir gerne einfach und verwende selten Rezepte, obwohl ich mich manchmal von den Rezepten bei DietDoctor inspirieren lasse. Ich achte auch darauf, viel Entspannung zu finden, indem ich spazieren gehe, Yoga mache, mit Freunden Kontakte pflege und eine Infrarotkammer benütze. Als Nahrungsergänzung nehme ich Vitamin D, Mineraltropfen und Methylfolat (Folsäure, Vitamin B9). Ich verzichte auch völlig auf Alkohol, obwohl manchmal der Wunsch aufkommt, mich wie früher auf Partys auszutoben.:-) Es gibt also viele Faktoren, die im Umgang mit der Psyche eine Rolle spielen.

Mir ist auch klar geworden, dass mein Befinden eng mit den jahreszeitlichen Schwankungen zusammenhängt. Meine Stimmung verändert sich wie ein Uhrwerk, wenn im Frühling die Tage in Skandinavien wieder heller werden. Dies scheint außerhalb meiner Kontrolle zu liegen. Ich nehme Antihistamine zu mir und versuche das Problem, das in dieser Jahreszeit auftritt zu lindern, indem ich die Anforderungen, die ich an mich selbst stelle, reduziere.

Ich befand mich in einer dieser nervösen Frühlingsperioden und war ziemlich frustriert, als ich beschloss, einen chinesischen Arzt aufzusuchen. Der Arzt warf einen Blick auf mich und riet mir, sofort mit einer fleischbasierten, also karnivoren Kost zu beginnen, um meinen entzündeten Darm zu heilen. Nach nur wenigen Tagen ging es meinem Magen und meinem Gehirn viel besser. Anders gesagt, es ist nicht immer das Beste große Mengen Gemüse zu essen, vor allem für jene unter uns, die an Autoimmunerkrankungen oder Depressionsproblemen leiden. Es gibt eine wachsende Anzahl von Anekdoten, die dies bestätigen.

Obwohl sich die Gespräche der Menschen immer häufiger um Erfahrungen mit Depressionen und anderen psychischen Problemen drehen, ist es bedauerlich, dass sich die meisten Diskussionen nicht auf jene Lebensstilfaktoren fokussieren, die zum Problem beitragen können. Es scheint absurd, dass so wenige Ärzte ihren Patienten Fragen zum Lebensstil stellen, wenn man wegen psychischer oder physischer Symptome vorspricht. Innerhalb von zehn Minuten verlassen viele die Ordination mit einem Rezept, ohne dass angedeutet wurde, wie sich Ernährung, Schlaf, Stress, Bewegung, Natur, Geselligkeit und Traumata auf das Befinden auswirken.

Ich bezweifle nicht, dass Bedarf an Medikamenten vorhanden sein mag. Auch wenn ich kein Arzt bin, verstehe ich, dass dies für viele notwendig und ein praktikabler Weg ist. Aber wie ich oben erwähnte, bin ich sehr kritisch gegenüber der Tatsache, dass Medikamente in vielen Fällen als die erste und einzige Behandlung gesehen werden. Die zunehmende Zahl von Menschen, die Opfer von Depressionen und Burnout werden, kann als Warnsignal interpretiert werden, obwohl parallel dazu immer mehr Antidepressiva verschrieben werden. Vielleicht ist die derzeitige Form der Behandlung für die meisten Menschen nicht genug?

Es gibt in Sachen psychischer Gesundheit noch viel zu lernen. Die moderne Medizin kratzt nur an der Spitze des Eisbergs. Daher ist es nicht meine Absicht mit dieser Geschichte irgendjemanden zu überzeugen, dass die ketogene Ernährung ein Allheilmittel für den Umgang mit Depressionen wäre (obwohl diese Ernährung tatsächlich eine Hilfe sein kann). Es hat lange gedauert, bis ich mich besser gefühlt habe und ich habe großen Respekt vor dem, was viele Menschen durchmachen. Ich verstehe auch, dass eine Änderung des Lebensstils eine zusätzliche Herausforderung sein kann, vor allem dann, wenn es einem so schlecht geht, dass man mit den Dingen, die gesunde Menschen mit Leichtigkeit erledigen, überhaupt nicht zurechtkommt, z.B. wenn es bereits schwierig ist, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Obwohl es sehr wichtig ist, dass beim Patienten keine Schuldgefühle entstehen, ist es für Ärzte keine Entschuldigung, Informationen zurückzuhalten, die möglicherweise hilfreich sein könnten.

Ich verstehe auch, dass die Grade der Krankheitszustände variieren und wir möglicherweise verschiedene Arten von Maßnahmen benötigen. In Phasen, in denen es mir schlecht ging, fand ich es äußerst hilfreich, etwas über die Erfahrungen anderer Leute zu erfahren. Zu verstehen, dass es etwas gibt, das man selbst tun kann, gibt Hoffnung und Macht über die Situation. Für mich ist es ein gutes Gefühl, von meinen Erfahrungen zu erzählen um vielleicht jemand anderen zu inspirieren.

/ Amanda Åkesson

Aus dem Schwedischen übersetzt von Robert und Gunnela Schönauer

 

Amandas Vorbilder: