Keine Frage: Omega-3 Fettsäuren sind unverzichtbare Bestandteile einer gesunden Ernährung. Ob sie aber in Form von synthetischen Präparaten als Nahrungsergänzung eingenommen werden sollen, wird immer häufiger bestritten. Ein aktueller Report lehnt dies ab.

Millionen von Menschen nehmen Omega-3 Präparate zu sich um ihr Herz gesund zu erhalten und sich vor Schlaganfällen zu schützen. Der gesundheitliche Nutzen dieser Fette wird nicht grundsätzlich bestritten. Die Frage ist allerdings, ob eine Supplementierung in Form von Kapseln oder als Fischöl Schutz vor Krankheiten bietet.

Auch ich habe lange Zeit täglich Fischöl zur besseren Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren eingenommen. Seit einigen Monaten gehe ich dazu über, diese essentiellen Fettsäuren mit der Nahrung aufzunehmen. Fisch und Schalentiere, Fleischprodukte und Butter von Weidetieren, sowie Innereien, sollten ausreichen um ein gutes Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren zu erreichen. Eine Überprüfung meiner Blutwerte bei Omegametrix steht noch aus.

Es waren die Ernährungsmediziner von Paleomedicina in Ungarn, mit Dr. Zsófia Clemens und Dr. Csaba Tóth, die mich bewogen haben, Supplementierungen abzusetzen.

Jetzt liefert eine weitere seriöse Forschungsinstitution, die Cochrane Collaboration, zusätzliche Argumente. Diese Organisation arbeitet ohne finanzielle private Zuwendungen und legt Wert darauf, dass alle Mitarbeiter frei von Interessenskonflikten sind.

Die neue Studie der Cochrane Collaboration untersuchte 79 randomisierte Studien mit 112.000 Menschen, die belegen, dass es sich nicht lohnt, Omega-3 Fettsäuren in Form von Kapseln oder Fischöl zu supplementieren.

Wie die englische Zeitung The Guardian berichtet, nehmen Tausende von Menschen Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel über lange Zeiträume ein, oft im Glauben, dass sie ihrer Herzgesundheit etwas Gutes tun. Diese neue Überprüfung legt nahe, dass dies möglicherweise gar nicht notwendig wäre.

Der Leiter der Studie, Dr. Lee Hooper, von der Universität von East Anglia, sagt zum The Guardian:

„Wir können uns auf die Ergebnisse dieser Studie verlassen, die der weit verbreiteten Meinung widersprechen, dass langkettige Omega-3-Präparate das Herz schützen.
Diese große systematische Überprüfung umfasste Informationen von vielen Tausenden von Menschen über lange Zeiträume. Trotz all dieser Informationen sehen wir keine schützenden Effekte“.

Die Überprüfung wurde im Auftrag der UNO von der Word Health Organisation durchgeführt, die ihre Richtlinien für mehrfach ungesättigte Fette aktualisiert. Auch eine kompetente Stimme wie Nina Teicholz (wrote on Twitter) vertritt die Meinung, dass die Beweise für die gesundheitlichen Vorteile von Omega-3-Ergänzungen von Anfang an nicht überzeugend waren. Sie schrieb auf Twitter:

„Diese Empfehlungen basierten immer auf schwachen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wie so viele andere“.

Welche Rolle spielen Omega-3 Fettsäuren?

Omega-3 ist eine essentielle Fettsäure. „Essentiell“ deshalb, da sie unser Körper nicht selbst herstellen kann, aber für einen gesunden Stoffwechsel nötig ist. Daher müssen wir kleine Mengen dieser Fettsäure mit der Nahrung aufnehmen.

Der Mensch hat es verlernt, diese selbst herzustellen. Während der längsten Zeit unserer Anpassung an tierische Nahrung waren diese Fettsäuren in ausreichendem Maße in natürlicher Nahrung vorhanden. Die zur Herstellung notwendige  Energie konnte eingespart und für andere Stoffwechselprozesse genutzt werden. Die industrielle Nahrungsproduktion und die Massentierhaltung haben die Omega-3 Fettsäuren in der Nahrung deutlich reduziert. Verarbeitete Lebensmittel werden auch damit wieder künstlich angereichert.

Geringe Mengen an Omega-3-Fettsäuren sind daher essentiell für unsere Gesundheit. Omega-3-Fette sind in tierischen Lebensmitteln vorhanden – am meisten in fettem Fisch, wie Lachs, Hering oder Schalentieren, in Fleisch und Milchprodukten von Weidetieren und Eiern von Freilandhühnern. Nur diese liefern diese Fettsäuren in hochaktiver bioverfügbarer Form. Sie tragen den wissenschaftlichen Namen Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) und finden sich in frei lebenden Tieren aus Wildfang oder Weidhaltung. Daher ist es wichtig, tierische Nahrung aus solchen Beständen zu konsumieren, denn nur diese bieten eine optimale Versorgung  mit den langkettigen Fetten. Hingegen verfügen Nüsse und Samen, wie Walnüsse oder Rapsöl, zwar auch über Omega-3 Fettsäuren, die aber erst zu längeren Ketten aufgebaut werden müssen. Der menschliche Stoffwechsel ist aber nur beschränkt in der Lage, diese pflanzlichen Omega-3 Fettsäuren zu EPA und DHA zu verlängern. Essentielle langkettige Omega-3 Fettsäuren (EPA und DHA) sind also im Wesentlichen nur in tierischen Lebensmitteln aus artgerechter Haltung vorhanden. Leinsamen, Nüsse oder Rapsöl gehören demnach aus Sicht der Verwertung von  Omega-3 Fettsäuren nicht zu den optimalen Fetten.

Gehörst auch du zu jenen Menschen, die Omega-3-Präparate einnehmen? Die neuesten Erkenntnisse sollten dazu führen, gut zu überlegen, ob du dich wirklich mit solchen künstlichen Präparaten eindecken solltest. Für die Herzgesundheit könnte es wichtiger sein, das Geld für natürliche und frische Lebensmittel auszugeben und die nötige Zeit und Liebe zum Kochen aufzubringen. Qualitativ hochwertige Lebensmittel aus natürlicher unverarbeiteter Herkunft enthalten genug Omega-3-Fettsäuren, die der Körper braucht.

The Guardian: Omega-3 no protection against heart attack or strokes, say scientists