Die größte Diabetesorganisation der USA, die ADA (American Diabetes Association) hält den Nutzen von Low-Carb bei Prädieabetes, Diabetes und Übergewicht für erwiesen. Ein Konsensus Bericht  ermittelt, was alle erfolgreichen Ernährungsstrategien gemeinsam haben.

In einer Studie wurden die unterschiedlichen Aspekte der Ernährung bei Diabetes untersucht. Daraus ergibt sich folgendes Bild:

Es lässt sich feststellen, dass eine Vielzahl von Essgewohnheiten (Kombinationen verschiedener Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen) für die Behandlung von Diabetes in Frage kommen. In der Studie heißt es:

„Bei Personen mit Diabetes hat die Reduzierung der Gesamtkohlenhydrataufnahme die besten Beweise für eine Verbesserung des Blutzuckerspiegels (glycamia) gezeigt und kann in einer Vielzahl von Ernährungsmustern angewendet werden, die den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben entsprechen“,

Und weiter:

„Bis stärkere Evidenz über den vergleichbaren Nutzen unterschiedlicher Essgewohnheiten für bestimmte Individuen vorhanden ist, sollten  sich Gesundheitsdienstleister auf Schlüsselfaktoren konzentrieren, die als Gemeinsamkeiten anerkannt werden“.

Als Schlüsselfaktoren für alle günstigen Ernährungsmuster werden angeführt:

    • Bevorzugen Sie stärkefreies Gemüse
    • Minimieren Sie versteckten Zucker und raffiniertes Getreide
    • Wählen Sie soweit wie möglich ursprüngliche Lebensmittel anstelle von verarbeiteten Lebensmitteln

Wenn Medikamente nicht helfen…

„Für bestimmte Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die keine glykämischen Zielwerte erreichen oder bei denen die Reduzierung von anti-glykämischen Medikamenten Priorität hat, ist die Reduzierung der Gesamtkohlenhydrataufnahme mit niedrigen oder sehr kohlenhydratarmen Ernährungsplänen ein gangbarer Ansatz“,

Ende des Dornröschenschlafs?

Sicherlich bedeutet die Veröffentlichung dieser Studie in der Online-Ausgabe der ADA  einen Meilenstein für eine bessere Information der Diabetiker und Abnehmwilligen. Wird es gelingen, das dornige Dickicht zu durchdringen und das schlafende Dornröschen mit der richtigen Ernährung wach zu küssen? Die USA, Kanada, England, Australien und Schweden sind in unterschiedlicher Geschwindigkeit auf dem Weg und den Kontinentaleuropäern um Jahre voraus.

Schweden zeigt vor

Dr. Annika Dahlqvist hat im Jahre 2006 begonnen, Diabetes und Übergewicht mit fettreicher und kohlenhydratarmer Ernährung zu behandeln. Eine Klage von Diätistinnen verhinderte ihre ärztliche Tätigkeit. Sie verlegte sich auf Vorträge und schrieb Bücher und faszinierte die Menschen über ihren Blog. Im Jahr 2008 kam das Urteil der schwedischen Gesundheitsbehörde:

„Eine kohlenhydratarme und fettbetonte Ernährung steht im Einklang mit dem Stand der Wissenschaft!“

Damit war Schweden weltweit das erste Land, das den Ärzten die Möglichkeit eröffnete, diese Ernährung im Rahmen ihrer Therapie einzusetzen. Nicht nur die Ehre von Annika Dahlqvist war gerettet, sondern auch die Gesundheit von abertausenden Diabetikern.

Was wir jetzt in der englisch-sprachigen Welt erleben, ist der Vollzug längst nötiger Anpassungen an wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die amerikanische Bestsellerautorin Nina Teicholz („Big Fat Surprise“) würdigt den Artikel auf Twitter:

Nina Teicholz‏ @bigfatsurprise Die Amerikanische Diabetes Association @AmDiabetesAssn-Richtlinien – hat ihre bis dato umfassendste Überprüfung der Ernährungsgewohnheiten + Prävention / Behandlung bei Diabetes veröffentlicht. Das Neue daran: Low-Carb-Empfehlungen haben Vorrang. (Denn: Low-Carb „gehört zu den am besten untersuchten Essgewohnheiten für T2-Diabetes.“)

Ob diese Erkenntnisse auch bei uns ankommen?

Die Erweckung des Dornröschens scheitert an etablierten Eliten

Der deutsche Präventivmediziner Dr. Johannes Scholl war so frei und fragte bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft nach, ob sie sich nicht der Auffassung der amerikanischen Kollegen anschließen wolle. Er berichtet auf Twitter über die Reaktion:

„Die Vereinigung der Diabetespatienten in Deutschland, DiabetesDE, erklärte mir, sie würden gerne Low-Carb empfehlen, aber sie dürfen es nicht, solange es gegen die Ernähungsrichtlinen verstößt…“
„I hope Diabetes Association DDG will follow soon. The association of diabetes patients in Germany, DiabetesDE, told me they would like to recommend low-carb, but they are „not allowed to to so“ as long as it is „against the guidelines…“

In immer dichterer Folge erscheinen Studien und Erfolgsberichte wie diese, die beweisen, dass Prädiabetes und Diabetes heilbar sind und Übergewicht ohne Hunger abgebaut werden kann. Leider kann unser Gesundheitssystem diese Erkenntnisse nicht oder nur halbherzig umsetzen. Auch wenn bei uns immer mehr Ärzte von LCHF/KETO Gebrauch machen, sie müssen in Eigeninitiative handeln und können nicht mit der Unterstützung ihrer Leitwölfe rechnen.

Den Mutigen gehört die Gesundheit

Was bleibt? Den Mutigen gehört die Gesundheit! Viele informieren sich im Internet und in der Literatur und finden einen Weg heraus aus der Kohlenhydratfalle. Leider meistens immer noch ohne ärztliche Unterstützung.

Das Internet liefert eine Fülle von Anregungen, Modellen und Möglichkeiten zur Umsetzung. Empfehlenswert sind auch folgende Blogs

www.lchf-deutschland.de,

https://paleolowcarb.de/,

https://www.dietdoctor.com/

Hier finden Sie alles Nötige zum Start. Halten Sie Kontakt mit ihrem Arzt, auch wenn er von der kohlenhydratarmen Ernährung nicht überzeugt ist. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass Medikamente gegen Bluthochdruck oder Diabetes verringert oder sogar abgesetzt werden können.

Freuen Sie sich, wenn sich der Arzt wundert, dass sie das geschafft haben und ärgern Sie sich nicht, wenn der Arzt nicht wissen will, wie sie das geschafft haben.

Quellen:

https://doi.org/10.2337/dci19-0014