Cholesterin und Kalorien können ausgeblendet werden.

Jede gesundheitliche Überprüfung beginnt mit der Frage nach dem Cholesterin. Nun ist schon allgemein bekannt, dass nicht das Gesamtcholesterin als Messlatte genommen werden darf, sondern die einzelnen Untergruppen, wie HDL (High-density Lipoprotein, das „gute“) oder das LDL (Low-density Lipoprotein, das „böse“). Dazu noch die Anzahl der Triglyzeride und eine Verhältniszahl aus HDL durch die Triglyzeride oder dergleichen. Alles läuft auf eines hinaus: Das Cholesterin ist mehr oder weniger gefährlich und gehört gesenkt. Je niedriger desto besser, das gilt vor allem für das Cholesterin mit geringer Dichte, genannt LDL.

Woher kommt aber der schlechte Ruf des Cholesterins? „Wir essen zu viel Fett und machen zu wenig Bewegung“, tönt es aus dem Volksmund. Auch Ärzte sind nicht frei von diesen einfachen Annahmen und so passiert es, dass Patienten leider oft Informationen bekommen, die eine bestehende Stoffwechselstörung eher verschlimmern als heilen.

Demgegenüber sind Wissenschaftler seit einigen Jahren einer anderen Erklärung für Stoffwechselkrankheiten auf der Spur. Nicht vom Cholesterin geht die Gefahr aus, sondern von einem Hormon namens Insulin! Eine lange Phase mit hohem Insulinniveau bewirkt einen Wirkungsverlust dieses Haupthormons und ist die eigentliche Ursache für das metabolische Syndrom, angefangen beim Übergewicht, über Diabetes bis zu koronaren Herzerkrankungen und weiteren Stoffwechselstörungen.

Warum wissen das die Ärzte nicht?

Weil es in der Ausbildung nicht gelehrt wird und weil es im Rahmen der Ärztefortbildung kaum ein Thema ist. Solange die Cholesterinwerte niedrig sind und der Wert für Blutzucker (Glukose) in die Norm fällt, schrillen keine Alarmglocken.

Ärzte sind darin geschult, aus etwas Messbarem Schlüsse zu ziehen. Doch weist nicht alles auf eine Krankheit hin, was messbar ist, genauso wenig wie alles in Ordnung sein muss, was sich innerhalb der Grenzwerte bewegt. Da es zur Routine gehört, Cholesterin- und Blutzuckerwerte festzustellen, ist es einleuchtend, diese Daten als Ausgangpunkt einer Behandlung zu nützen. Dass es bessere, aussagekräftigere Risikofaktoren als die Gemessenen geben könnte, muss ausgeblendet werden. Solche Gedanken würden den Routinebetrieb eher stören. Eine Messung des Insulins und Feststellung einer Insulinresistenz ist machbar, aber aufwendig, kostspielig und technisch nicht einfach. Es fehlen dafür die Leitlinien, an denen sich ein Arzt orientieren kann. Ärzte bewerten also nur das, was sie messen können, auch wenn dadurch nur Teilaspekte abgedeckt werden.   Ein erfahrener Arzt wird sich nicht allein auf Laborbefunde verlassen, sondern seine persönlichen Wahrnehmungen und das Befinden seines Patienten berücksichtigen. Haben die Ärzte heute dazu noch Zeit und Möglichkeiten? Werden sie darin noch geschult?

Darin besteht die große Täuschung!

Das Insulin hat die gute Eigenschaft, den Zucker im Blut in Grenzen zu halten. Bei den meisten Menschen, die sich ahnungslos nach den offiziellen Empfehlungen ernähren, muss die Bauchspeicheldrüse die Insulinausschüttung steigern, um die Verarbeitung des Blutzuckers zu bewältigen. Mit seltenen Blutzuckerspitzen käme der Körper ja gut zurecht. Bei unserer modernen Ernährung mit dem daraus resultierenden hohen Blutzuckerniveau lässt aber die Wirkung des Insulins nach. Wir sprechen von Insulinresistenz. Es muss immer mehr von diesem Hormon ausgeschüttet werden, um den Blutzuckerspiegel auf ein ungefährliches Niveau zu drücken. Wenn der Arzt bei einer Untersuchung feststellt, dass der Blutzucker (noch) normal ist, kann bereits  eine Insulinresistenz mit hoher Insulinproduktion vorliegen. Die Zellrezeptoren können, ohne dass wir es bemerken, soweit geschädigt sein, dass sie auf normale Insulinausschüttung nicht mehr reagieren und ständig mehr Insulin benötigen, um die nötige Energie aus Zucker (Glukose) zu beziehen. Und immer noch scheint alles in Ordnung zu sein. Der Schein trügt! Meist ist die Insulinresistenz auch die Ursache für schlechte Blutfette, wobei wieder das Cholesterin als Schuldiger herhalten muss. Der Aufschrei kommt sehr spät und setzt erst ein, wenn die Symptome nicht mehr zu übersehen sind. Deutliche Hinweise liefern ein wachsender Bauchumfang und Übergewicht, problematische Blutfette, erhöhter Blutdruck, Entzündungen oder erhöhte Blutzuckerspiegel. All diese Symptome können nach der Schulmedizinmedikamentös verbessert werden.

Was also ist zu tun?

Ganz einfach Abschied nehmen von allen fettarmen und kohlenhydratreichen Ernährungsempfehlungen, wie sie in der Populärliteratur herumschwirren und wie sie leider auch in den offiziellen staatlichen Ernährungsempfehlungen verbreitet werden. Diese führen langfristig in die Abhängigkeit von Medikamenten.

 

 

Das Schlimmste aber kommt erst.

Wenn bei jemandem ein erhöhter Blutzucker festgestellt wird, wird alles getan um mit Medikamenten die Insulinproduktion anzuregen und die Insulinsensitivität der Zellen zu erhöhen.

Diese widersprüchliche Logik muss man sich erst einmal durch den Kopf gehen lassen: es wird durch einen medikamentösen Mix noch einmal jener Versuch unternommen, bei dem der Körper schon einmal gescheitert ist: einen erhöhten Blutzuckerspiegel mit einer gesteigerten Insulinproduktion zu beantworten. Jetzt, wo es die Bauchspeicheldrüse alleine nicht mehr schafft, mehr Insulin zu produzieren, müssen Medikamente nachhelfen. Dass dadurch die Insulinresistenz nur weiter gesteigert wird und immer mehr Medikamente benötigt werden, wird nicht bedacht oder in Kauf genommen. Die Katastrophe ist komplett, wenn die Bauchspeicheldrüse aus Überforderung aufgibt. Das Insulin muss jetzt gespritzt werden. Somit wird aus einer Insulinresistenz eine chronisch fortschreitende Krankheit mit immer mehr Medikamenten und Nebenwirkungen.   

 

 

 

 

 

Wenn eine Logik erkennbar ist, kann es nur die der Pharmaindustrie sein!

 

Die Lösung

Da die Ursache der Insulinresistenz in einer völlig falschen Ernährung liegt, muss auch dort angesetzt werden! Es ist eine Ernährung zu wählen, die den Zuckergehalt im Blut gleichmäßig auf niedrigem Niveau hält und mit wenig Insulin auskommt. Diese Ernährung muss arm an Kohlenhydraten sein und zeichnet sich durch einen niedrigen glykämischen Index aus. Protein und Fett liefern dabei die wichtigsten Nährstoffe und Energie. Reiner Zucker und raffinierte Kohlenhydrate, also „versteckter Zucker“ müssen auf jeden Fall gemieden werden. Wieviel Ballaststoffe und Stärke aus nicht verarbeiteten Kohlenhydraten jemand verträgt, muss jeder Betroffene selbst entdecken. Zu einer massiven Einschränkung wird auf jeden Fall geraten, wie sie auch in der LCHF Community als Grundlage der Ernährung empfohlen wird.

Nur mit Hilfe der richtigen Ernährung und eventuellen Phasen des intermittierenden Fastens kann eine einmal erworbene Insulinresistenz gemildert werden. Nur dadurch besteht die Chance, Medikamente zu reduzieren, bzw. ganz von ihnen weg zu kommen. Leider wird diese Möglichkeit viel zu selten genutzt.

Welche Rolle spielt die Pharmaindustrie?

Die Pharmaindustrie investiert viel Geld in die Forschung um noch wirksamere Medikamente zu entwickeln und um den Anschein ihres Erfolgs aufrecht zu erhalten. Ihr Profit steigt mit jedem neu gewonnenen chronisch kranken Klienten. Sie mobilisiert eine gewaltige Macht um die gewohnten Geldflüsse in ihre Richtung zu lenken.  

Wenn es nach der Pharmaindustrie geht dürfen sich z.B. Diabetiker immer noch kohlenhydratreich ernähren, wenn nur möglichst viele Vollkornprodukte eingenommen werden. Und fettarm, gemeint ist ein Ersatz von tierischen Fetten durch pflanzliche Öle,  ist ohnehin ein Glaubenscredo für jedermann, auch für Diabetiker. Dass dies die Herzgesundheit nicht verbessert, möglicherweise eher schädigt, wird laufend wissenschaftlich nachgewiesen.

 

 

Allmählich erscheinen die Krankheiten des Stoffwechsels in einem neuen Licht.

Solange wir uns auf dem Trip der Kalorien- und Fettreduktion bewegen, sind wir alle in der Falle der Zivilisationskrankheiten gefangen. Wir müssen die Nahrung danach auswählen, ob sie das Insulin niedrig hält, uns  dabei auch anhaltend satt macht und uns mit wertvollen Nährstoffen und langfristiger Energie versorgt.

Darüber findest du jede Menge Informationen auf diesem Blog oder im Internet unter „LCHF“, „LowCarb“, „Paleo“, „Steinzeitkost“ und vieles mehr.

Was bei Diabetes Typ-1 nützt, schadet bei Diabetes Typ-2

Die Erfindung des synthetischen Insulins in den 1920-Jahren war für die Patienten mit Typ-1 Diabetes die Rettung. Bei ihnen sind die insulinproduzierenden Zellen durch eine Autoimmunkrankheit zerstört. Daher muss Insulin zugeführt werden. Eine Insulinresistenz kann sich nur entwickeln, wenn über einen längeren Zeitraum zu viel Insulin gespritzt wird.

Patienten mit Diabetes Typ-2 mussten durch die Möglichkeit der künstlichen Insulinzufuhr an der Ernährung kaum etwas verändern. Vor Fett und zu vielen Kalorien wurde gewarnt. Mit den genannten fatalen Langzeitauswirkungen. Vor der Entdeckung des synthetischen Insulins, war es normal die Typ-2 Diabetiker auf eine fettreiche Ernährung zu setzen und die Kohlenhydrate einzuschränken. Danach wurde ein Pakt mit dem Teufel eingegangen, der bis heute nicht aufgekündigt wurde. Wer die Leidtragenden und wer die Profiteure sind, kann jedermann selbst erkennen.

Mag. Robert Schönauer

 

Weiterführende Literatur

The cholesterol and calorie hypotheses are both dead — it is time to focus on the real culprit: insulin resistance. Dieser Artikel erschienen am 14. Juli 2017 in der ältesten britischen Fachzeitung für Pharmazie verfasst von Kapazitäten auf dem Gebiet des Stoffwechsels aus drei Kontinenten:

Dr. Maryanne Demasi, Professorin für klinische Pharmakologin, University of Adelaide, Australien.

Dr. Robert Lustig, Professor für pädiatrische Endokrinologie, University San Francisco, USA.

Dr. Aseem Malhotra, Prof. an der Academy of Medical Royal Colleges, London.

 

Dazu ein  Artikel von Julia Tulipan auf der Seite von LCHF-Deutschland: Insulin – das missverstandene Hormon.