Dr. George d. Lundberg ist heute ein ergrauter Wissenschaftler, der viele Jahre eine einflussreiche Rolle in der großen Welt der Medizinwissenschaft spielte. Er war 17 Jahre lang Herausgeber des renommierten Wissenschaftsjournals JAMA und somit ein wesentlicher Teil des medizinischen Establishments. Wie er heute bedauert, war er auch ein Propagandist der Herz-Cholesterin-Hypothese. Jetzt erklärt er, wie er sich von der weltweiten Kampagne, die das Fett verunglimpfte, mitreißen ließ. Seine Einsichten sind auf dem medizinischen Nachrichtendienst Medscape als Video mitzuerleben. Danke für den Mut, lieber Dr. George Lundberg!

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Dr. George Lundberg: „Es ist nicht das Fett, das uns krank macht.“

Dr. George Lundberg ist heute in der Rolle des alten wütenden Mannes. Er hat sein Leben der medizinischen Wissenschaft gewidmet und entscheidende Funktionen im Forschungsbetrieb eingenommen. Neben seiner Rolle als Herausgeber von JAMA war er auch Redakteur bei Medscape. Wenn Dr. Lundberg sprach, hatte es Gewicht. Er gehörte zu den weltweit führenden Meinungsbildnern, mit einem breiten wissenschaftlichen Spektrum. Bei Themen der Ernährung und daraus resultierenden Krankheiten muss er jetzt eingestehen, dass er, gleich seinem Publikum, wenig Ahnung hatte, obwohl er sich regelmäßig auf solche Themen einließ.

Ihm wurden die Augen von einem Wissenschaftler geöffnet, der nicht aus der medizinischen Gesellschaft kam. Es war der Wissenschaftsjournalist Gary Taubes mit seinem Bestseller „Good Calories, Bad Calories“, der 2007 erschienen ist. Darin vernichtete Taubes beinahe alles, was die Schulmedizin seit den 1950-er Jahren über Ernährung und Krankheiten hervorgebracht hatte. Zum Beispiel: „Die Theorie, dass Nahrungsfett einen ursächlichen Zusammenhang habe mit den Krankheiten der menschlichen Zivilisation – Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Schlaganfall, Krebs, Demenz, bis hin zu Osteoporose und Arthritis“.

Dr. Lundberg, der selbst an der Spitze führender Fachgesellschaften der Medizinwissenschaft und ihrer Publikationen stand, war über sich selbst geschockt, als er erkennen musste, „wie ein ultimativer unabhängiger Außenseiter (Taubes), mit der gleichen Menge von Informationen wie der Rest von uns, zu so unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen konnte“.

Dabei war Dr. Lundberg 17 Jahre lang Herausgeber der wissenschaftlichen Journale im Verlag JAMA und lehrte und forschte an den Spitzenuniversitäten der USA, wie an der University of Southern California, der Universität von Kalifornien, Harvard oder Stanford).

Dr. Lundberg sieht die Ursachen für das Versagen in drei Bereichen:

  • Persönliche Neigungen, wie professoraler Autoritarismus, die Orientierung an einem etablierten Karriereweg, vielleicht auch eine Art „Helfersyndrom“, dem Wunsch, Menschen zufrieden zu stellen, oder die Wertschätzung durch Kollegen.
  • Das System der Zulassung und Überprüfung von wissenschaftlichen Artikeln, wie die Mängel beim Peer-Review-Verfahren zeigen. Dieses Kontrollverfahren ist nicht frei von geschäftlichen und karrieristischen Interessen bei medizinischen Veröffentlichungen.
  • Die Notwendigkeit Forschungsgelder aufzutreiben macht die Medizinforscher immer abhängiger von privaten Interessensgruppen, öffnet die Türen für ausgedehnte Kommerzialisierung und – (Zitat:) „politisch gesteuerte wissenschaftliche Positionen“. Alles untergeordnet einer Massenproduktion und Marketing von Produkten für Professionisten und Verbraucher.

Dr. Lundberg bedauert, dass ein allmächtiger Apparat (für öffentliche Gesundheit, Landwirtschaft, öffentliche Verwaltung, akademische Bildung, Industrie, Marketing, Werbung, Interessensvertretungen, Medizin, Verlagswesen) im Gleichschritt marschierte, nach einer Musik, die man gut kannte. Wie er jetzt weiß, gute Wissenschaft stand nicht dahinter.

Es war ein beispielloser Kulturwandel, der in den letzten 5 Jahrzehnten vollzogen wurde. Wir sollten gewisse Speisen meiden und vor allem möglichst wenig Fett essen. Derartige Aufrufe waren in keiner Zeit durch seriöse wissenschaftliche Daten begründet. Die Folgen machten sich langsam aber sicher in der Bevölkerung bemerkbar. Für die folgende weltweite Epidemie an Übergewicht gab es eine einfache Erklärung:

Schuld sei das Essen von Fett (9 Kalorien pro Gramm Fett, gegenüber 4 Kalorien pro Gramm Protein und Kohlenhydrate). Die Gewichtskontrolle beruhte ausschließlich auf den Gesetzen der Thermodynamik – Kalorien rein, Kalorien raus – womit jeder selbst für sein Gewicht verantwortlich gemacht werden konnte.

Als Wissenschaftler, Herausgeber eines medizinischen Journals und Insider, war er sogar in die groß angelegte „Kampagne gegen Cholesterin“ involviert, die von der American Medical Association angeführt wurde.  Zitat Lundberg:

„Wir taten alles, was wir aus dem Inneren der organisierten Medizin tun konnten, unter Einsatz vieler Industriepartner, die natürlich bereit standen, um mit neuen fettarmen Produkten Profit zu machen“.

Die wissenschaftliche Community ist bei der Umsetzung in der realen Welt gescheitert, insbesondere was die öffentliche Gesundheit betrifft. Vor der Realität verschloss man die Augen. Das Dogma und die vorherrschenden Praktiken wurden auch dann nicht in Frage gestellt, als die Massenverfettung der Bevölkerung in der entwickelten Welt nicht mehr zu übersehen war.

Dr. Lundberg stellt entscheidende Fragen an den Wissenschaftsbetrieb, wie

„Wo war die Selbstkritik, die Kritik durch Peer-Kontrolle, die zähe Skepsis eines klaren, breit angelegten wissenschaftlichen Denkens?“

Er bedauert, dass die wenigen  kritischen Stimmen im Getöse des Massenmarketings untergingen. Dazu wörtlich:

„Ich nehme an, es wird niemanden überraschen, dass die Krankheiten der menschlichen Zivilisation durch genau die Institutionen verursacht wurden, die das ausmachen, was wir menschliche Zivilisation nennen“.

Dr. Lundberg bedauert, dass im Unterschied zu Naturwissenschaften wie Chemie, Biologie, Physik, Astronomie, sowie Informatik und Mathematik, die moderne medizinische Wissenschaft großen Nachholbedarf hat. Die öffentlichen Gesundheitssysteme können sich derzeit nicht auf belastbare Daten stützen, wie sie in Technikbereichen Voraussetzung sind.

Die auf Medscape geäußerte Meinung von Dr. Lundberg basiert, wie er selbst erklärt, auf einem erklärtermaßen lebenslangen falschen Verständnis von Ernährung.

https://www.medscape.com/viewarticle/900495

Folge George Lundberg auf Twitter: @glundberg.

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