Eine kanadische Studie untersuchte 7,4 Jahre lang die Essgewohnheiten von 135 000 Menschen auf allen Kontinenten und bestätigte einen lang gehegten Verdacht. Ein wichtiger Beitrag im Fettkrieg, der jetzt auch in der Wissenschaft deutliche Spuren hinterlässt.

Seit 40 Jahren bestehen die offiziellen Ernährungsgesellschaften sowie Organisationen für Herzgesundheit auf einer fettarmen Ernährung. Als Empfehlung galt: Gesamtfett maximal 30 % der Kalorien, davon gesättigtes Fett weniger als 10 %. Anstelle von Fett sollten mehr „komplexe“ Kohlenhydrate gegessen werden.

Die Durchsetzung dieser Ernährungsempfehlungen hatte fatale Folgen: eine weltweite Epidemie des Übergewichts, mit Folgen, wie Diabetes und Herzkrankheiten.  Es ist schwer zu verdauen, aber Tatsache ist: dem Verdacht, diese Empfehlungen könnten eine solche Epidemie begünstigen, wurde nicht nachgegangen und ein Zusammenhang immer wieder geleugnet. Wie sich immer deutlicher herausstellt, waren die meisten Ernährungsempfehlungen von Anfang an frei von guter wissenschaftlicher Evidenz. Die Propaganda einer fettarmen Ernährung ging Hand in Hand mit der Explosion einer Lebensmittelindustrie, die ihre Produkte aus hochverarbeiteten Kohlenhydraten herstellte und mit Zucker geschmacklich abstimmte. Damit waren „Light-Produkte“ in aller Munde und natürliches Fett verpönt. Die Folgen kommen unter anderem in der neuen PURE Studie ans Tageslicht, die in dem renommierten Wissenschaftsjournal THE LANCET veröffentlicht wurde.

Zusammenhänge von Fett- und Kohlenhydratkonsum mit kardiovaskulären Krankheiten und Todesfällen in 18 Ländern und 5 Kontinenten (PURE): eine prospektive Kohorten Studie

(Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32252-3/fulltext)

 

Von 135 000 Teilnehmern wurden 7,4 Jahre die Nahrungsaufnahme durch Fragebögen erhoben. Gesucht wurde nach Zusammenhängen mit Gesamtsterblichkeit, kardiovaskulären Ereignissen, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Ernährungsgewohnheiten wurde mittels Fragebögen regelmäßig festgestellt und auch nachgeprüft („validiert“). Die Ergebnisse haben es in sich:

Höherer Konsum von Kohlenhydraten (mehr als 60 Prozent der Gesamtkalorien) stand in Zusammenhang mit einem 28 Prozent erhöhten Risiko eines vorzeitigen Todes (Gesamtmortalität). Zu vermerken ist, dass Bevölkerungen mit derart hoher Kohlenhydrateinnahme diese in hoch verarbeiteter Form konsumieren und insgesamt weniger Obst oder Gemüse essen. Es fiel auf, dass sich mit der Menge an verarbeiteten Kohlenhydraten auch ein deutlicherer Zusammenhang mit Herzkreislauferkrankungen, samt anderen Krankheiten, einschließlich Krebs zeigte.

Steigendes Risiko eines vorzeitigen Todes

Bevölkerungsgruppen mit einem  größeren Verbrauch von gesättigtem Fett (z.B. Butter) hatten ein 14 Prozent geringeres Risiko eines vorzeitigen Todes (all cause mortality), der Konsum von mehr einfach-ungesättigtem Fett (wie in Olivenöl) verringerte das Risiko um 19 und der von mehrfach-ungesättigtem Fett (wie in Wahlnussöl) um 20 Prozent. Alles im Verhältnis zur Vergleichsgruppe, die sich fettarm ernährte.

Kein Einfluss auf Herzinfarkt oder Tod durch Herzkreislaufkrankheiten

Die Gesamtmenge der eingenommenen Fette hatte keine Auswirkungen auf Herzinfarkt oder Todesfälle durch Herzkreislaufkrankheiten.

„Unsere Daten weisen darauf hin, dass fettarme Ernährungsformen die Bevölkerung einem erhöhten Risiko für Herzkreislaufkrankheiten aussetzen“.

Dr Andrew Mente

Gesättigtes Fett senkt Risiko für Schlaganfall

Eine größere Menge gesättigten Fetts stand in Zusammenhang mit geringerem Risiko einen Schlaganfall zu erleiden.

„Wir haben herausgefunden, dass Fette . . . nicht schädlich sind und eine kohlenhydratreiche Ernährung negative Auswirkungen hat“.

Dr. Mahshid Dehghan

Korrelation oder Kausalität?

Studien wie diese stellen eine Korrelation, einen Zusammenhang her, und keine Ursache – Wirkung-Beziehung. Es ließe sich daher einwenden, dass die Auswahl der Teilnehmer nicht randomisiert, nach dem Zufallsprinzip erfolgte, und damit die Glaubwürdigkeit litte. Tatsächlich ist diese Studie nach dem best-möglichen Design angelegt für Ernährungsstudien angelegt. Niemand würde die gewaltigen Mittel aufbringen, die eine noch bessere, randomisierte, kontrollierte Studie erfordern würde.

Wieder ein Nagel im Sarg der bisherigen Ernährungsempfehlungen

Nach allen neuen Daten ist es schwer zu behaupten, dass eine fettarme Ernährung gesünder wäre als eine fettreiche. Es scheint eher das Gegenteil wahr zu sein. Die Studie im wissenschaftlichen Journal THE LANCET fasst zusammen:

„Die Ernährungsempfehlungen rund um den Globus müssen auf neue Grundlagen gestellt werden“.

Unabhängig von den fortgesetzten Protesten der Vertreter des traditionellen Lagers, ist die Behauptung, eine fettarme Ernährung wäre gesünder, hinfällig. Ein Zusammenhang zwischen geringerem Fettkonsum und besserer Gesundheit ist in Studien nicht nachvollziehbar. Dies hat sich bereits in groß angelegten Studien der Vergangenheit bestätigt, wie in einer Metha-Analyse mit 347 000 Teilnehmern der American Society for Nutrition (2010).

Besseres und längeres Leben durch natürliche Fette

Positiv formuliert: wesentliche gesundheitliche Vorteile sind durch erhöhten Verzehr von natürlichem, nicht verarbeitetem Fett zu erwarten, nicht nur in Bezug auf die Gesundheit des Herzens, sondern auf die Gesamtgesundheit und die Verlängerung des Lebens.

 

 

Mag. Robert Schönauer

 

In einem Kurzvideo zeigt das Online-Magazin Time sehr anschaulich (englischer Text zum Mitlesen) welche Biologie unserer Ernährung zugrunde liegt.

The Low-Fat vs. Low-Carb Diet Debate Has a New Answer

 

 

Weitere englische Sekundärquellen:

https://www.dietdoctor.com/low-fat-diet-might-kill-finds-new-pure-study

The Telegraph: Low-fat diet could kill you, major study finds

Cardio Brief: Huge diet study questions conventional wisdom about carbs and fat

CBC News: Recommended fat intake should increase, Canadian researchers say

The Lancet: Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study