Eine Studie der George Washington Universität stellt einmal mehr den Zusammenhang zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln und Fettleibigkeit dar. Diese Untersuchung betrifft die Vereinigten Staaten. Europa ist nicht weit davon entfernt.

Eigentlich sollten uns Studien wie diese aufrütteln und unseren auf Konsum aufgebauten Lebensstil in Frage stellen. Leider sind heute nur mehr wenige Menschen in der Lage, sich von Fertigkost fernzuhalten, selbst zu kochen und auf Märkten oder bei Bauern einzukaufen.  Ein grundlegender Richtungswechsel ist allein aus Gründen der Volksgesundheit nötig. Doch werden Ernährungsfragen derzeit eher unter Aspekten der Rettung des Klimas als der Gesundheit diskutiert.

„Weniger Fleisch ist gut für das Klima und für die eigenen Gesundheit“, verkünden manche Klimaexperten. Die Wahrheit wird im Interesse der Lebensmittelindustrie zurecht gebogen. In Wirklichkeit spielt sich der Großteil der Nahrungsherstellung  im Rahmen eines industriell-chemischen Prozesses ab, der, wie auch diese Studie zeigt, vor allem der Gesundheit schadet und natürlich auch das Klima beeinflusst.

Verwirrung herrscht, was gesunde Ernährung eigentlich ist. Sie soll nicht zu süß, zu fett zu salzig sein und wenige Kalorien enthalten, und schon ist das Rezept fertig, das in den Laboren der Werbeagenturen ausgedüftelt wird. Was tatsächlich mit unserer Nahrung passiert, nehmen wir nicht wahr: vom Anbau bis zur Auslieferung werden unsere Lebensmittel mit Chemikalien angereichert und mit Hilfe von technischen Verfahren ihrer Nährstoffe beraubt. Wir verlassen uns darauf, dass die ausgewiesenen E-Nummern unbedenklich sind und gefahrlos konsumiert werden können.

Die Studie von Prof. Leigh. A. Frame von der George Washington Universität ist auf dem Inernetportal science daily erschienen. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Robert Schönauer.

Die ganze Geschichte mit ihren Schlussfolgerungen:

Die in den USA konsumierten Lebensmittel werden immer mehr verarbeitet, wodurch sich die Fettleibigkeit weiter ausbreitet, resummiert Prof. Leigh A. Frame, PhD, MHS, von der George Washington University (GW). Sie kam bei der Untersuchung der allgemeinen Trends im Lebensmittelbereich zu dem Schluss, dass detaillierte Empfehlungen zur Verbesserung der Ernährungsqualität und der Gesamternährung für die Verbraucher erforderlich sind.

„Der Großteil der Menschen bevorzugt Lebensmittel, die billig und bequem, dafür aber stark verarbeitet sind“.

„Wenn man die US-Diät mit der Ernährung derer vergleicht, die in „blauen Zonen“ leben – Gebieten mit einer Bevölkerung, die bis ins Alter von 100 Jahren ohne chronische Krankheiten lebt – sind die Unterschiede krass“,

sagte Frame, und weiter:

„Viele der von uns untersuchten Ernährungstrends stehen in direktem Zusammenhang mit dem rasanten US-Lebensstil, der zu der Adipositas-Epidemie beiträgt, mit der wir jetzt konfrontiert sind“.

Die steigende Adipositas-Epidemie in den USA, sowie die damit verbundenen chronischen Krankheiten zeigen einen auffallenden Zusammenhang mit einem Anstieg des Konsums von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Zu den Lebensmitteln, die am meisten mit der Gewichtszunahme in Verbindung gebracht werden, gehören Kartoffelchips, gesüßte Getränke, Süßigkeiten und Desserts, raffiniertes Getreide, rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch, während eine geringere Gewichtszunahme oder sogar Gewichtsabnahme mit Vollkorn, Obst und Gemüse in Verbindung steht. Weitere in dem Bericht dargestellte Ernährungstrends sind eine unzureichende Aufnahme von Ballaststoffen, ein dramatischer Anstieg von Lebensmittelzusatzstoffen wie Emulgatoren und Stabilisatoren, sowie eine höhere Prävalenz von Fettleibigkeit, insbesondere bei Frauen.

Bei Mäusen und bei In-Vitro-Versuchen wurde festgestellt, dass Emulgatoren, wie sie in verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind, die Zusammensetzung von Mikroorganismen verändern, den Nüchternblutzucker erhöhen, Essstörungen verursachen, Gewichtszunahme beeinflussen, Adipositas bewirken und Fettleber auslösen. Jüngste Versuche am Menschen haben stark verarbeitete Lebensmittel mit verminderter Sättigung (Völlegefühl), vermehrter Mahlzeitenaufnahme (andauerndes Essen), sich verschlechternde biochemische Marker (Entzündungen und Blutfette) und mehr Gewichtszunahme in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu haben Bevölkerungen mit wenig Fleisch, hohen Ballaststoffgehalten und minimal verarbeiteten Lebensmitteln – in den sogenannten „Blauen Zonen“ – weit weniger chronische Krankheiten und Fettleibigkeitsraten und leben länger krankheitsfrei.

„Anstatt nur die Symptome der Fettleibigkeit und der damit verbundenen Krankheiten medikamentös zu behandeln, müssen wir uns auch um die Verwendung von Lebensmitteln als Medizin bemühen“,

so Frame.

„Chronische Krankheiten in späteren Jahren sind nicht schicksalshaft, sondern werden stark durch den Lebensstil und die Ernährung beeinflusst. Um Fettleibigkeit und chronische Krankheiten in den USA zu verringern, müssen wir die Verwendung von verarbeiteten Lebensmitteln einschränken und den Verzehr von Vollwertgemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Obst und Wasser erhöhen. Die Gesundheitsversorger müssen auch den Schwerpunkt auf die Lifestyle-Medizin legen und über eine „Pille für Kranke“ hinausgehen“.

 Kritischer Kommentar zur Studie:

Warum in dieser Studie rotes Fleisch als Mitverursacher von Gewichtszunahme herhalten muss, ist wissenschaftlich nicht erklärbar. Weißes Fleisch von Geflügel (Hühner, Truthahn etc.) hat nicht mehr oder weniger Fett und stammt genauso aus Massentierhaltung wie das meiste rote Fleisch. Eine ausgewogene Ernährung kommt ohne die essentiellen Aminosäuren und Fettsäuren in tierischen Produkten nicht aus. Verarbeitetes Fleisch, das als Wurst, Aufstrich, Schinken oder Speck in den Handel kommt, ist schon eher mit Vorsicht zu genießen.

Die erwähnten Blauen Zonen, in denen Menschen besonders alt werden, oder besser gesagt wurden, haben eines gemeinsam: die Menschen ernährten sich von lokalen und saisonalen Produkten und kannten keine verarbeiteten Lebensmittel und Zucker. Fleisch kam als Köstlichkeit an Feiertagen auf den Tisch. Leider gehören diese „paradiesischen Zustände“ auch  schon der Vergangenheit an.

 

Quellen:

Mehr über die Studienleiterin: Leigh A.Frame

Der Artikel stützt sich auf Materialien, die von der George Washington University zur Verfügung gestellt wurden

Referenz:

Janese Laster, Leigh A. Rahmen. Jenseits der Kalorien – liegt das Problem in der Verarbeitung? Aktuelle Behandlungsmöglichkeiten in der Gastroenterologie, 2019; 17 (4): 577 DOI: 10.1007/s11938-019-00246-1

George Washington University. „Verarbeitete Lebensmittel hoch korreliert mit Adipositas-Epidemie in den USA.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 6. Januar 2020. <www.sciencedaily.com/releases/2020/01/200106122009.htm>.