Mit einer Petition an die verantwortlichen Regierungsvertreter machen sich hunderte kanadische Ärzte Luft über die unangebrachten Ernährungsempfehlungen, die ihre Arbeit behindern. Sie schreiben:

Mit den folgenden Ernährungsempfehlungen haben wir die Möglichkeit, uns an der Spitze der Ernährungsbewegung in unserer Welt zu positionieren. Auf diesem Weg können wir uns auf die bestmögliche aktuelle Evidenz stützen. Wir können die Gesundheit der Kanadier dramatisch verbessern und den drastischen Anstieg  der Gesundheitskosten, die durch die Behandlung chronischer ernährungsbedingter Krankheiten entstehen, zum Stillstand bringen“.

Ihre Forderungen sind in 12 Punkten zusammengefasst, die nichts Außergewöhnliches beinhalten, aber dennoch den Lebensmittelkonzernen zuwider laufen.

Darin heißt es:

Die kanadischen Ernährungsempfehlungen sollen…

  1. … den Gesundheitsexperten klar vermitteln, dass die fettarme Ernährung nicht mehr unterstützenswert ist und dass dadurch kein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten entsteht.
  2. … frei von Einfluss der Lebensmittelindustrie erstellt werden.
  3. … alle Kapitel über gesättigtes Fett eliminieren.
  4. … auf nachhaltige Nährstoffe achten, wobei diese in kompletter Form eingenommen werden sollen und nicht aus künstlich angereichertem raffiniertem Getreide hergestellt werden.
  5. … kohlenhydratarme Ernährung empfehlen, als zumindest eine sichere und wirkungsvolle Maßnahme für Menschen mit Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen.
  6. … eine echte Auswahl an Ernährungsformen enthalten, die auf die verschiedenen Ernährungsbedürfnisse unserer Bevölkerung eingehen.
  7. … die Kontroversen zum Thema Salz zur Kenntnis nehmen und den Spruch „weniger ist besser“ unterlassen.
  8. … jede Formulierung unterlassen, die unterstellt, dass eine nachhaltige Gewichtskontrolle auf einfache Weise mit einem Kalorien-Defizit zu erreichen ist.
  9. … Ratschläge unterlassen, gesättigtes Fette durch mehrfach-ungesättigtes Fett und verarbeitete Pflanzenöle zu ersetzen.
  10. … aufhören, die Menschen von nahrhaften, kompletten Lebensmitteln abzuraten, wie z.B. von voll fetten Milchprodukten und regulärem roten Fleisch.
  11. … ein Kapitel über in Nahrungsmittel zugesetzten Zucker hinzufügen, in Übereinstimmung mit den erneuerten Empfehlungen der WHO, diesen im Besten Fall auf nicht mehr als 5 % der Gesamtkalorien zu begrenzen.
  12. … sich auf vollständige und umfassende Übersichtsstudien stützen, bestehend aus den strengsten zur Verfügung stehenden Daten. Bei Fehlen von randomisierten, klinisch kontrollierten Studiendaten, sind große epidemiologische Studien mit wichtigen klinischen Ergebnissen heranzuziehen (vermeiden, als Ersatz Surrogat-Endpunkt-Studien heranzuziehen), aber akzeptieren, dass bei diesen das Niveau an Evidenz weniger belastbar ist. Wenn solche Daten nicht vorhanden sind, sollten die Empfehlungen ausbleiben.

Gefolgschaft aufgekündigt: was nun?

Im Begleittext, der auf Change.org. weltweit verbreitet wird, schreiben die beiden Proponenten Dr. Barbra Allen Bradshaw und Dr. Carol Loffelmann:

„Seit über 35 Jahre haben wir Kanadier die Ernährungsempfehlungen unseres Landes befolgt. Dennoch gab es in dieser Zeit einen starken Anstieg an ernährungsbedingten Krankheiten, vor allem durch Übergewicht und Diabetes. Ein drastischer Richtungswechsel ist nötig.

Ein offener Brief wurde den Gesundheitsbehörden von Health Canada und dem Gesundheitsminister übergeben, mit der Aufforderung nach einer Reform der Ernährungspolitik. Diese wurde von 717 kanadischen Ärzten und vielen angeschlossenen Gesundheitsdienstleistern unterzeichnet. Die Epidemie, die durch ernährungsbedingte Krankheiten verursacht wird, kann aufgehalten werden, wenn wir den Zucker und verarbeitete Lebensmittel wesentlich einschränken und  zu einer Ernährung aus vollständigen Lebensmittel übergehen. Die Empfehlungen sind kurz, leicht verständlich, getragen von Wissenschaft und werden von Ärzten und anderen Mitarbeitern im Gesundheitssystem unterstützt, die damit ihre eigene Gesundheit und die ihrer Angehörigen verbessert haben. In vielen Fällen wurde auf diesem Weg Diabetes Typ-2 und Übergewicht überwunden.

Wir wissen, dass Vorbeugung die beste Medizin ist. Das ist auch der einzige Weg den drohenden finanziellen Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems zu verhindern. Viele Ärzte und die mit ihnen kooperierenden Gesundheitsexperten haben bereits Maßnahmen gesetzt. Wenn wir aber nicht im Kollektiv vorgehen, werden wir weiterhin an Krankheiten leiden, die Qualität der Gesundheit wird sich verschlechtern und vorzeitige Todesfälle in Folge von chronischen Krankheiten sind unvermeidbar.

Jetzt ist es Zeit für einen drastischen Richtungswechsel. Wir benötigen deine Hilfe um die Aufmerksamkeit derer zu erreichen, die für die Ernährungspolitik verantwortlich sind. Nur durch Zusammenarbeit bei der Verbreitung dieser Botschaft, sind wir in der Lage einen wirklichen und dauerhaften Richtungswechsel bei den Ernährungsrichtlinien in unserem Land zu erreichen, damit der Ernährungsempfehlungen mit der nächsten Veröffentlichung richtig gestellt werden. Hilf uns bitte bei der Forderung nach diesem Wandel, um damit der Fokus auf richtige, komplette Nahrung zu richten. Sende auch du eine klare Aufforderung an Health Canada, damit die Menschen ihre Gesundheit wieder erlangen können.

Mit herzlichem Dankeschön

Dr. Barbra Allen Bradshaw und Dr. Carol Loffelmann“

 

 

Was läuft in Kanada anders als im alten Europa? Wo sind die 1000 Ärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die eine klare Stellung zu Ernährungsthemen beziehen? Es gibt sie, doch noch recht zaghaft, wie auch dieser Blog bestätigt. Wir müssen uns sicher noch besser organisieren und kooperieren, damit auch bei uns die Politiker aufmerksam werden.