Eine Studie unter dem Titel  „Lancet EAT“, liefert Material für Schlagzeilen. Sie stellt die Behauptung in den Raum, dass die Konsumenten durch Fleischverzicht einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel leisten könnten, was auch ihrem Gewicht und ihrer Gesundheit guttun würde. Für die Menschen in westlich zivilisierten Ländern wäre eine Reduktion des Fleischkonsums um 80 Prozent nötig.

Vorweg gesagt: die Aufregung über die Massentierhaltung ist berechtigt. Der Anbau von Futtermitteln in Monokulturen für die Tierhaltung und ihr weltweiter Transport tragen sicherlich zur Erderwärmung bei. Würden wir aber die Ratschläge umsetzen, kommen wir von Regen in die Traufe. Denn Übergewicht und Mangelernährung könnten sich durch einen Ersatz tierischer Produkte durch billige Kohlenhydrate eher verschlimmern.

Lancet EAT Report: Worum es wirklich geht

Unsere Nahrungsmittelsysteme müssen transformiert werden – weg von stark verarbeiteten, nährstoffarmen, zuckerhaltigen Lebensmitteln, die die menschliche Gesundheit unterminieren und Fettleibigkeit und chronische Krankheiten wie Typ-2-Diabetes fördern. Unsere industrielle Lebensmittelherstellung muss in ein ganzheitliches, nachhaltigeres Modell umgewandelt werden, das die Bodenqualität wiederherstellt und verbessert und Tiere als wesentlichen Bestandteil eines gesunden Ökosystems einbezieht.

Die EAT-Lancet-Kommission hat sich zwar bemüht, die Probleme anzugehen, hat jedoch eine vereinfachte, vorgefertigte Lösung präsentiert, die nur Teilaspekte berücksichtigt.

Besser machen mit Eiern, Butter und Käse

Zusammengefasst  behauptet der Bericht, dass der Verbrauch aller tierischen Nahrungsmittel, einschließlich Eier, Butter, Käse und Milchprodukte, weltweit für das Überleben auf unserem Planeten drastisch reduziert werden muss. Stattdessen muss der Verbrauch von Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse, Nüssen, Samen und gesundem Getreide in einigen Regionen um mehr als 100 Prozent steigen.

„Ungesunde und nicht nachhaltig produzierte Lebensmittel“

Die EAT-Lancet-Kommission war drei Jahre tätig und hat am 17. Januar im Wissenschaftsjournal The Lancet ihren Bericht veröffentlicht. Die Gruppe setzte sich  aus 19 Kommissaren und 18 Autoren aus 16 Ländern zusammen. Sie bezeichnet sich als

„wissenschaftsbasierte globale Plattform“, verantwortlich „für die Transformation von Lebensmittelsystemen. Ungesunde und nicht nachhaltig produzierte Lebensmittel stellen ein globales Risiko für die Menschen und den Planeten dar“,

so ihre Erkenntnis.   

In einem Begleitkommentar schreiben Lancet-Chefredakteur Richard Horton und die stellvertretende Chefredakteurin Tamara Lucas, dass die Veröffentlichung dieses umfassenden und kontroversiellen Berichts nicht aktueller und dringlicher sein könnte, weil

„die Zivilisation in einer Krise steckt. Wir können unserer Bevölkerung keine gesunde Ernährung mehr geben und gleichzeitig die Ressourcen des Planeten ausgleichen.“

The Lancet commentary: The 21st-century great food transformation

Was davon ist eine gezielte von Interessen geleitete Kampagne und was tatsächlich Sorge um Gesundheit und Umwelt? In den kommenden Wochen und Monaten werden Sie viel über diesen Bericht erfahren. Ein Blick auf die Website von EAT-Lancet zeigt, dass genügend finanzielle Mittel vorhanden sind um die öffentliche Debatte in ihrem Sinn anzuheizen. Gesundheitsthemen werden mit dem Weltklima vermischt. Die Medien geben Empfehlungen meist ungefiltert weiter.

Nach den Lancet EAT Empfehlungen nehmen Sie 350 bis 400 Gramm Kohlenhydrate täglich zu sich! Folgende Nährstoffe stehen zur Wahl:

https://eatforum.org/learn-and-discover/variety-as-the-spice-of-life-eating-our-way-through-the-eat-lancet-diet/

  1. Nüsse – 50 g pro Tag
  2. Bohnen, Kichererbsen, Linsen und andere Hülsenfrüchte – 75 g pro Tag
  3. Fisch – 28 g pro Tag
  4. Eier – 13 g pro Tag (also ein bis zwei pro Woche)
  5. Fleisch – 14 g pro Tag rotes Fleisch und 29 g pro Tag vom Huhn (entspricht einer Frikadelle)
  6. Kohlenhydrate – Vollkornprodukte wie Brot und Reis 232 g pro Tag und 50 g pro Tag stärkehaltiges Gemüse
  7. Milch – 250 g – das Äquivalent eines Glases Milch
  8. Gemüse – (300 g) und Obst (200 g)
Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass unsere Gesundheit von tierischen Lebensmittel profitiert und auch unserem Planeten nützen kann, wenn wir einige wichtige Tatsachen berücksichtigen.

Auf die Möglichkeit eines klimaschonenden Fleischkonsums macht der folgende Kommentar der Wissenschaftsjournalistin Anne Mullens und des Kardiologen Dr. Bret Scher aufmerksam. Punkt 1 bis Punkt 4: Quelle: Diet Doctor.com. Übersetzt von Mag. Robert Schönauer

Hier lesen sie den Report: Cut red-meat eating by 80 percent to save the planet?

  1. Fleisch und tierische Lebensmittel sind gesund und nahrhaft

Tierische Lebensmittel, wie Fleisch, Eier und Milchprodukte sind gesunde, nahrhafte Lebensmittel, die besonders gut sättigen und pro Gramm mehr Eiweiß und Nährstoffe liefern als Bohnen, Hülsenfrüchte und andere pflanzliche Eiweißquellen.

Dr. Bret Scher, ein Kardiologe und Mitglied des Ärzteteams von DietDoctor, weist darauf hin, dass er in seiner Praxis viele Patienten in Behandlung hatte, die sich an eine strikte vegetarische oder sogar vegane Diät hielten, diese jedoch aus gesundheitlichen Gründen oder wegen des Hungers nicht aufrechterhalten konnten.

„Als Kardiologe habe ich Tausenden von Patienten Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil gegeben, und es ist klar, dass der beste Lebensstil derjenige ist, den Menschen tatsächlich langfristig einhalten können. Es stellt sich heraus, dass tierisches Eiweiß und Fett einzigartig sättigen – und damit den Hunger fernhalten – was für jeden Ernährungstrend gelten sollte“.

Scher merkt jedoch an, dass es keine einheitliche Diät gibt:

„Es ist bedauerlich, dass die EAT-Lancet-Autoren ihre Vorstellungen von gesunder Ernährung allen Bevölkerungsgruppen weltweit aufzwingen wollen“.

Zahlreiche Organisationen, wie The Nutrition Coalition, widersprechen den Aussagen des Berichts, dass rotes Fleisch gesundheitsschädlich sei. Dies findet in der wissenschaftlichen Forschung keine sichere Begründung und beruht nur auf schwachen epidemiologischen Daten: „Die Nutrition Coalition: Wissenschaftliche Evidenz über rotes Fleisch und Gesundheit“

Wie Artikeln auf der Seite DietDoctor.com zeigen, ist eine gesunde vegetarische kohlenhydratarme Ernährung möglich. Auf seinem Blog gibt es eine große Anzahl von vegetarischen Rezepten und Informationen für Vegetarier. Aus gesundheitlichen Gründen gibt es keinen Grund auf Tierprodukte zu verzichten.

  1. Die EAT-Lancet-Diät ist ernährungsphysiologisch unvollständig

Umfasst die im Bericht empfohlene Ernährung alle Nährstoffe, die der Mensch für seine langfristige Gesundheit und Energieversorgung braucht?

Die britische Ernährungswissenschaftlerin Zoë Harcombe, PhD, hat die Ernährungskomponenten der von EAT-Lancet vorgeschlagenen globalen Referenzdiät genauestens analysiert und festgestellt, dass der Bedarf an wesentlichen Nährstoffen nicht gewährleistet ist.

Sie hat festgestellt, dass die Gefahr eines ernsthaften Mangels an B12, Retinol, Vitamin D, Eisen, Vitamin K2, Natrium, Kalium und Kalzium besteht. Dabei besteht auch ein Mangel an Omega-3, einer essentielle Fettsäure, die für die Gesundheit von Nerven und Gehirn zuständig ist und enthält im Gegenzug große Mengen an entzündunsfördernden Omega-6-Fettsäuren.

Zoë Harcombe: The EAT Lancet diet is nutritionally deficient  Zoë Harcombe: Die Ernährung von EAT Lancet ist ernährungsphysiologisch unzureichend

  1. Dem Bericht liegt eine ideologische Einseitigkeit zugrunde

Sieht so das Ergebnis von drei Jahren vorurteilsfreier Forschung mehrerer Fachgesellschaften aus, die Zugang zu sämtlichen Unterlagen hatten? Eher nicht. Tatsächlich treten viele der führenden Kommissare seit Jahren als Proponenten einer pflanzlichen Ernährung auf und betonen die negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt durch Lebensmittel tierischen Ursprungs.

Kurz gesagt, die Forscher gingen von einer pflanzenbasierte „Lösung“ aus, was uns zeigt, dass hier keine gute Recherchearbeit im Vordergrund stand,  sondern eher eine opportunistische Anwendung einer Ideologie auf ein komplexes Weltproblem.

Der belgische Wissenschaftler Professor Frederic LeRoy und der britische Professor Martin Cohen, die für die European Food Agency (EFA) schreiben, entlarven, dass viel Geld aus der Industrie und aus dem landwirtschaftlichen Sojasektor, sowie aus einer veganen Milliarden-Industrie in das EAT-Lancet-Projekt floss.

LeRoy & Cohen: The Eat-Lancet controversial campaign  LeRoy & Cohen: Die kontroverse Kampagne von Eat-Lancet

Sie merken an:

„Ein genauerer Blick hinter die Kulissen  offenbart einige störende Elemente. Die Gefahr besteht darin, dass die Übertreibung bestimmter Bedenken zu einer Ablehnung der Viehwirtschaft führt und in dieser Frage  einen falschen Eindruck von wissenschaftlichem Konsens hinterlässt. Das führt zu mehr Schäden als Nutzen in einer Welt, die nährstoffreiche Mahlzeiten und nachhaltige Nahrungsmittelsysteme benötigen würde“.

Die Autorin Nina Teicholz von The Nutrition Coalition hat die ideologische Grundhaltung eines der führenden Autoren des Berichts, des Harvard-Professors Dr. Walter Willet, untersucht.

„Das jahrzehntelange Eintreten für eine pflanzlichen Ernährung sowie das Verfassen von Büchern über Vegetarismus und die Entwicklung vegetarischer Lebensmittel bringen ihn in einen potenziellen Interessenkonflikt“.

Nutrition coalition: Walter Willet’s potential conflict of interest

In der Kommission befand sich kein einziger Forscher, der auf die Rolle von Wiederkäuern bei der Verbesserung der Bodenqualität hinweisen konnte. Es fehlten auch jegliche Überlegungen, weltweit verbesserte Viehbestände einzusetzen, um Kohlenstoff der Luft zu entziehen und diesen im Boden zu speichern, um so dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Was zum letzten Punkt führt …

  1. Tiere sind ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Umwelt

„Name des Anbieters/Shutterstock.com“

Nutztiere wie Kühe, Schweine, Schafe und Ziegen grasen auf Gebieten, die für pflanzenbasierte agrarische Kulturen ungeeignet sind. Sie fressen Gras, Stoppeln und andere organische Substanzen, die der Mensch nicht essen kann, und machen daraus nahrhafte Proteine ​​und Fette. Ihre Ausscheidungen machen den Boden fruchtbar und bilden ein reiches Substrat, auf dem Pflanzen wachsen können.

Richtig umgesetzt, entwickelt sich auf dem Planeten ein ganzheitlicher ökologischer Kreislauf, der Mensch und Tier nützt, und gepflegt werden muss, damit alle Lebewesen unter guten Bedingungen leben können.

Meine persönliche Ansicht:

Es besteht daher kein Zweifel, dass sich unser derzeitiges System der industrialisierten, umweltverschmutzenden Landwirtschaft verändern MUSS. Es steht außer Frage, dass der Klimawandel dringende Maßnahmen verlangt, die auch vor der derzeitigen Nahrungsproduktion nicht Halt machen dürfen. Wir Konsumenten können einen wichtigen Beitrag leisten, der die ökologische Erneuerung unterstützt:

„Name des Anbieters/Shutterstock.com“

  • Essen wir das ganze Tier, von „nose to tail“. Also auch die Innereien und kochen eine herzhafte Brühe aus den nicht verwertbaren Teilen.
  • Kaufen wir bei Bauern, die ihre Produkte selbst vermarkten und ihren Tieren ein artgerechtes Leben ermöglichen.
  • Kochen wir selber.
  • Vermeiden wir raffinierte Pflanzenöle, die meist für lange Transportwege haltbar gemacht werden  und verwenden vermehrt tierische Fette zum Kochen, Braten und für Aufstriche.
  • Beziehen Sie möglichst viele Lebensmittel aus Bauernmärkten oder bestellen sie bei FoodCoops (Lebensmittelkooperative) mit Hilfe des Internets.
  • Ein wenig mehr an Organisation ist nötig, damit die Entwicklung und der Erhalt übersichtlicher und kleinräumiger Strukturen unterstützt wird.

Dazu ein wichtiges Buch:

Dr. med. vet. Anita Idel

Die Kuh ist kein Klimakiller!

Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können

Details und  Bestellung.

Vortrag von Dr. Anita Idel in Wien, am Freitag, 22. Februar 2019 10:00 – 12:30

Zur Einladung: Mythos Klimakiller Kuh

 

 

 

 

The Lancet: Food in the Anthropocene: The EAT- Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems

The Lancet commentary: The 21st-century great food transformation

https://www.dietdoctor.com/report-cut-red-meat-eating-by-80-percent-to-save-the-planet

 

Deutschsprachige Artikeln zum Lancet EAT Report:

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-01/nachhaltige-ernaehrung-planetary-health-diet-gesundheit-klimaschutz

https://www.welt.de/gesundheit/plus187201668/Mit-dieser-Ernaehrung-retten-Sie-die-Welt-und-die-eigene-Gesundheit.html

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltchronik/1013608_Wie-man-essen-soll.html

https://derstandard.at/2000096525696/Mit-diesem-Ernaehrungsplan-retten-Sie-die-Menschheit