Mit dem Sanctus meines Arztes: „Nur so weiter mit dem Fett!“

Herzklopfen und die Suche nach den Ursachen

Seit 8 Jahren ernähre ich mich nach LCHF (low carb high fat) und bevorzuge eher eine strikte Variante. Wenn dann manchmal ein unruhiger Puls Probleme bereitet, stelle ich mir die Frage, ob das mit meiner Ernährung zu tun hat. Ist vielleicht doch was Wahres dran, dass der Verzehr von viel tierischem Fett mit Herzkrankheiten in Verbindung steht? Vertrauen ist gut, aber manchmal ist Kontrolle besser.

Da ich von einer familiären Disposition belastet bin, wollte mein Arzt auf Nummer sicher gehen und veranlasste eine Untersuchung mittels Herzkatheter um Klarheit zu schaffen. Schließlich wurde bei mir immer wieder ein erhöhter Cholesterinspiegel festgestellt, was ihm auch Sorge bereitete.

Nur eine Angiographie konnte eindeutig klären, ob die Herzkranzgefäße verengt wären, und meine Ernährung hinterfragt werden müsste.

 

Vor dem Eingriff ließ ich die Katze aus dem Sack.

Der Eingriff war mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. Ich informierte die Ärzte, dass sie einen Fettesser vor sich hätten, der nach herrschender Lehre ein hohes gesundheitliches Risiko einginge. Eine junge Ärztin blockte ängstlich ab: „Das sollten Sie den Kardiologen lieber nicht sagen! “Keine Angst, schon geschehen“, war meine Antwort. Von da an galt ich bei Schwestern und Ärzten als „Extremist“. Auch mein Essverhalten stand unter strenger Beobachtung. Zum Frühstück Ei mit Butter, Sahne in den Kaffee, die Sättigungsbeilagen wurden abserviert. Ich bekam zu hören: „Wie kann man ohne Brot leben“? „Sie sind ein bescheidener Mann!“ War mit „bescheiden“ vielleicht „bemitleidenswert“ oder gar „beschränkt“ gemeint?

Bei so vielen Umständen musste auch eine Diätologin meinen Fall begutachten. Nachdem auch sie von einer fettreichen kohlenhydratarmen Ernährung noch nie etwas gehört hatte, versuchte ich es mit dem Argument der Evolution: „Ich ernähre mich wie in der Steinzeit“. Genau diese Worte haben Eindruck hinterlassen und ich fand sie im Entlassungsprotokoll wieder: „Herr Schönauer ernährt sich wie in der Steinzeit“. Damit wandelte ich bereits zu Lebzeiten als Fossil durch die Gänge des Krankenhauses. Solche und ähnliche Debatten spielten sich vor und hinter meinem Rücken ab. Je mehr Gesundheitspersonal ich in meine sonderbare Ernährung einweihte, desto mehr stieg die Spannung, wie das Ergebnis der Untersuchung ausfallen würde.

 

Die Erleichterung: Weiter essen wie bisher

Am Operationstisch tauchte überraschend der Chefarzt (Primar) auf und erklärte, er würde den kurzen Eingriff höchstpersönlich vornehmen. Er war ohnehin bereits von Kollegen über meine kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung informiert worden. Ihm sei diese Art von Ernährung als „Hypothese“ bereits bekannt, was die untergeordneten Kardiologen nicht über die Lippen brachten. Ich war also ein interessanter Fall für den Chef, der auch als Universitätsprofessor an einer medizinischen Fakultät lehrt und forscht.

Dann schloss ich die Augen und hörte die warmherzige Stimme des Arztes: „Wir gehen jetzt in das erste Herzkranzgefäß, das sieht sehr schön aus, ganz glatte Wände, keine Ablagerungen“. Stille. „Auch das zweite Gefäß kann ich sehr schön erkennen, alles in Ordnung, sieht sehr schön aus, kein Grund zur Sorge.“ Pause. „Ebenso das dritte Herzkranzgefäß, ich kann Sie beruhigen“. „Jetzt wird es warm, es wird ein Kontrastmittel injiziert, damit wir die Wände der Herzkammern darstellen können, ja, auch diese sind absolut in Ordnung und gesund. Sie können ruhig ihre Ernährung fortsetzen. Es gibt keinen Grund etwas zu verändern.“

 

Zunächst wusste ich vor lauter Freude gar nicht was ich sagen sollte. Ich war einfach baff. Alle Befürchtungen haben sich in Luft aufgelöst.

Ein über die Grenzen anerkannter Arzt rät mir bei meiner Ernährung zu bleiben, wo diese doch überall auf Ablehnung bis „er wird schon sehen“, „selber Schuld“, „Fanatiker“ oder „Extremist“ stößt.

 

„So ganz überzeugt bin ich davon noch nicht“

Bevor sich der Arzt von mir verabschiedete, sagte ich noch, er dürfe meine Daten gerne in seiner Tätigkeit öffentlich verwenden. Die Antwort: „So ganz überzeugt bin ich davon noch nicht“. Für mich war klar, ein Einzelfall kann das medizinische System nicht ins Wanken bringen. Zum Erhalt des Systems musste mein Fall eine Anekdote bleiben.

Immerhin, ich habe meinen Befund jetzt schwarz auf weiß. Das liest sich so: „Koronarangiographisch konnte eine wirksame koronare Herzkrankheit ausgeschlossen werden, die Herzkranzgefäße kamen glattwandig und unauffällig zur Darstellung.“

 

Mit „gesunder“ Ernährung auf den Operationstisch

Mein Zimmerkollege wurde am selben Tag auch mittels Herzkatheter untersucht. Bei ihm wurden schwere Verkalkungen festgestellt. Nur hatte dieser bedauernswerte Bettnachbar fettarm gegessen und vorsorglich Becel aufs Brot gestrichen. Er hätte sich so gerne wie ich an Speck und Butter satt gegessen. Noch dazu war er immer stolz auf sein niedriges Cholesterin von 160 mg/dl, wobei auch Statine mitgeholfen haben. Er sollte beim Herzchirurgen landen, der mit einem dreifachen Bypass die verschlossenen Herzkranzgefäße umgehen würde. Zwei Wochen Krankenhausaufenthalt und 6 Wochen Reha standen bevor.

 

Die Gene als Schicksal?

Die Visite verlief bei uns beiden nicht ganz einfach. Wir haben eine Ärztin mit den Ergebnissen unserer Ernährung, die gegensätzlicher nicht sein konnte, konfrontiert. Es seien letztendlich alles nur die Gene, war das Resümee einer längeren ordentlich vorgetragenen Analyse. Damit blieb die hierarchische Ordnung gewahrt.

Ich verließ die Station mit einem „überhöhten“ Gesamtcholesterinwert von 260 mg/dl, das wegen meiner gesunden Gefäße keinen Grund zur Behandlung lieferte.

 

Ich weiß sehr wohl, dass ich meine Gesundheit auch den Genen zu verdanken habe. Mein Glück war, dass ich mit LCHF rechtzeitig in Kontakt kam. So konnte ich ohne Medikamente das Krankenhaus verlassen. Dank LCHF, und davon bin ich absolut überzeugt, habe ich zu den vorhandenen Herzrhythmusstörungen keine Risikofaktoren, die eine Dauermedikation notwendig machen würden: kein Übergewicht, keine Arteriosklerose, keinen erhöhten Blutzucker, ein normaler niedriger Blutdruck. Und das seit vielen Jahren erhöhte Cholesterin hat auch noch keinen Schaden angerichtet, wodurch es auch unbehandelt bleibt. Meine Gene dürften anscheinend gut versorgt worden sein.

 

Das Vertrauen auf die Kunst der Ärzte bleibt immer noch ein wichtiger Teil meiner Suche nach der bestmöglichen Gesundheit. Es hat sich aber bestätigt, dass es sich lohnt, zusätzlich auf meine innere Stimme zu horchen. Mir ist auch nach 8 Jahren Low Carb High Fat klar, dass ich auf alle positiven Entwicklungen, die ich durch diese Umstellung erfahren habe, vertrauen darf.

 

Robert Schönauer

Gmunden im Februar 2016