Es war ein spannender Abend, als wir uns trafen um die Auswirkungen der kohlenhydratarmen Ernährung zu besprechen. Hier mein Resümee vom Low-Carb Stammtisch vorige Woche.  Von Robert Schönauer.

Viele begannen unabhängig voneinander, zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Beweggründen. Einige hatten bei meinen Vorträgen einen Impuls bekommen, andere wurden durch Zeitungen oder Internetmedien dazu animiert. Wieder andere hatten das Glück, jemanden zu treffen, der schon einige Zeit erfolgreich unterwegs war.  Bei allen hat sich gezeigt, dass eine kohlenhydratarme Ernährung kein schnurgerader Weg war. Ein intensiver Lernprozess war nötig, sowohl für die mentale Einstellung als auch für den körpereigenen Stoffwechsel.

Meist beginnt alles mit dem Wunsch abzunehmen. Es mag der x-te Versuch sein, in der Hoffnung, es möge doch endlich das Wunder geschehen. Man hat über die Wunderdiät gelesen, vielleicht jemanden kennengelernt oder im Internet Fallgeschichten verfolgt.

Die Stammtisch-“Brüder“ und-„Schwestern“ erzählten von ihrem Weg.  Meist war er verbunden mit Ängsten, Unsicherheiten und auch Irrtümern, aber auch immer besseren neuen Versuchen. Wer aber ein bis zwei Wochen  ernsthaft daran geblieben ist, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Geheimnis für den Erfolg war bei allen gleich:

Kein Hunger, lange Sättigung und das Essen schmeckt besser als je zu vor!

Die erste Hürde ist, sich ein Frühstück ohne Brot anzurichten. Wer experimentiert und z.B. Eier mit Speck auftischt, ist auf dem besten Weg. Langsam stellt sich heraus, dass diese Ernährungsumstellung nicht in schlechtem Essen mündet, sondern sogar besser schmeckt. Wer diese Erfahrung macht, ist natürlich eher geneigt, weitere Hürden der kohlenhydratarmen Ernährung zu überwinden. Wir sind ja nicht zum Darben auf der Welt, sondern zum Genießen. Wir wollen es uns so oft wie möglich gut gehen lassen und die Mahlzeiten sind eine gute Gelegenheit dazu. Am liebsten in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Jede Mahlzeit kann zum Fest werden. Verzicht ist kein guter Ernährungsratgeber.

Als große Überraschung wird immer wieder festgestellt, dass mit Verzicht auf Kohlenhydrate auch der Heißhunger verschwindet. Es ist ein Leichtes, die Vormittagsjause ausfallen zu lassen. Über den Tag hinweg wird viel seltener gegessen. Die Teilnehmer berichten, dass ihre Ansprüche an natürliche, komplette, nicht verarbeitete Lebensmittel steigen. Die  Beachtung der Tiergesundheit und einer nachhaltigen Produktion spielt beim Einkaufen eine immer größere Rolle.

Welche Rolle spielt der Sport?

Auch darin waren sich die Stammtischteilnehmer einig. Abnehmen geht ohne Sport. Einige bezeichneten sich geradezu als Bewegungsmuffel. Mit dem Gewichtsverlust wuchs aber ein neues Lebensgefühl von Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Die üblichen Alltagsbewegungen wurden ohne Mühe und Plage, einfach unauffällig, durchgehalten.

Lästige Beschwerden verschwinden.

Noch bevor die Kilos purzeln, fällt auf, dass chronische Leiden nachlassen oder ganz aufhören. Einige Beispiele: Zahnfleischentzündungen, Pickel, Akne, Sodbrennen, Schnarchen, unruhiger und gestörter Schlaf, Blähungen, Magenbeschwerden, Verdauungsstörungen oder Durchfälle. Nach einigen Tagen beginnt der Fettabbau, der sich auch durch Flüssigkeitsverlust, Kiloschwund und schrumpfendem Bauchumfang zeigt.

Umstellungsprobleme

Ja, der gesamte Körper muss sich auf etwas gefasst machen. Er lebt nicht mehr von Zucker (Stärke wird zu Glukose), sondern er verbrennt Fett! Plötzliche, kurze Energieschübe entfallen, langfristige Energie steht durch Verbrennung von Körperfett zur Verfügung. Bis man den neuen Zustand voll genießen kann, ist ein wenig Geduld nötig. In manchen Fällen wurde von einer körperlichen Kraftlosigkeit in den ersten Tagen berichtet. Auch Wadenkrämpfe sind in dieser Phase nicht selten. In Einzelfällen kann dieser Zustand mehrere Wochen anhalten. Wichtig ist jetzt viel zu trinken, vor allem Wasser und Tee und mehr Salz, eventuell auch Magnesium,  zu sich zu nehmen. Diese Umstellungsprobleme dauern nach den Erzählungen eine bis zu vier Wochen.

Entscheidend ist, dass man sich jetzt nicht auf die Beschwerden konzentriert und sich bedauert, sondern, dass man die Veränderungen wahrnimmt, die im Körper vor sich gehen. Mit dem Focus auf das neue schon lange nicht mehr erlebte Wohlbefinden, treten die anfänglichen Beschwerden in den Hintergrund. Das ist die größte Überraschung und motiviert zum Weitermachen. Je mehr Abnehmdiäten schon stattgefunden haben, desto länger kann der Weg zum Wohlbefinden sein.

Wie vermeide ich fallweise Fressattacken?

Auch dieses Thema kommt immer wieder zur Sprache. Es gibt Rückfälle und fatale „Black Out“ Situationen, bei denen wir von unserem Unterbewussten zu einer ganzen Tafel Schokolade oder einer großen Kekspackung verführt werden. Weihnachten war prädestiniert für Phasen der Selbstzerstörung. Obwohl wir wissen, dass wir uns Schaden zufügen, essen wir weiter, bis das verzuckerte Zeug vernichtet ist. Sogar dann noch, wenn es uns schon gar nicht mehr schmeckt. Wir können erst aufhören, wenn wir alles auf „Butz und Stingel“ (Hochdeutsch: ratzebutz) vernichtet haben.

Was geht da in uns vor? Wir sind uns einig. Wir sind ferngesteuert. Eine mehr oder weniger ausgeprägte Zuckersucht ist in der Lage, den Willen auszuschalten. Jeder kennt das. Wenn es auch nicht zu 100 Prozent gelingen wird, solche Attacken völlig zu verhindern, man kann einiges dagegen unternehmen.

Was allgemein gegen Essattacken hilft ist folgendes: Kohlenhydrate weiter reduzieren, Speisen mit ihrem natürlichen Fettgehalt zu sich nehmen und somit Kohlenhydrate durch Fett ersetzen. Wenn diese Suchtangriffe bei bestimmten Anlässen oder Tageszeiten immer wieder auftreten, kann man entsprechend vorbeugen. Man ist besser geschützt, wenn man rechtzeitig für ein sattes Körpergefühl gesorgt hat (z.B. nicht hungrig einkaufen). Ein gekochtes Ei, eine Handvoll Nüsse, einige geröstete Speckscheiben können beruhigen. Die Menge an Eiweiß (Protein) nicht erhöhen, ein häufiger Anfängerfehler: überschüssiges Eiweiß wird zu Glukose und erhöht wieder das Insulin. Langfristig sollte man sich daran gewöhnen, erst dann zu essen, wenn man wirklich Hunger hat, und nicht, wenn alle essen, oder, auf Vorrat essen. Wenige Mahlzeiten sind besser als viele kleine!

Und wenn es trotzdem passiert, dass man entgleist? Keine Panik, das Kind lernt auch das Gehen indem es immer wieder hinfällt. Mit dem ersten selbständigen Schritt wird das Kind neugierig und möchte mehr entdecken.

Was sind die nächsten Schritte?

Als nächstes gilt es, jemanden zu finden, mit dem man sich über das neue Körperbewusstsein austauschen kann. Erwarte nicht, dass dir gleich alle Freunde und Familienmitglieder um den Hals fallen. Sie bewundern dich, beneiden dich sogar und freuen sich mit dir, dass du 10 bis 20 Kilo abgenommen hast, glauben aber nicht, dass sie das auch auf diese Weise schaffen könnten. Bleibe zurückhaltend und erkläre nur jenen, die sich ernsthaft interessieren, was du machst. Und schon gar nicht nebenbei zwischen Tür und Angel. Eine gute Freundschaft hält es aus, dass man sich gegensätzlich ernährt. Das trifft auch für eine Ehe zu. Eine Anpassung in einer Partnerschaft ist aber unvermeidlich. Vielleicht findest du jemanden, der dich begleitet oder mitmacht. Gemeinsam ist vieles leichter.

Die meisten Menschen, die mit kohlenhydratarmer Ernährung Feuer gefangen haben, beginnen sich einzulesen. Man findet plötzlich umfassende Aufklärung über die negativen Auswirkungen von hoher Glukose und gesteigerter Insulinausschüttung. Gestützt auf eigene Erfahrungen wächst der Zweifel an den üblichen Ernährungsempfehlungen. Das Bewusstsein, dass diese Ernährung die beste  Medizin ist, nimmt zu. Ab dann wird Low-Carb und High-Fat immer mehr zum Selbstläufer und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Und wie endet ein Stammtisch über Low-Carb? Mit Rezepten natürlich. Mit guten Einkaufsquellen. Und vor allem mit dem Bewusstsein, im Rahmen einer weltweiten Ernährungsbewegung ein kleines Rädchen in einem Räderwerk zu sein, das sich gerade neu erfindet.

Obwohl nichts neu daran ist, denn wir stützen uns nur auf natürliche altbewährte Nahrungsmittel, die im langen Lauf der menschlichen Evolution reichlich vorhanden waren und somit unseren Stoffwechsel maßgeblich geprägt haben.

 

Weiter geht`s mit dem nächster Stammtisch:

Mittwoch, 7. März, 19:00

John`s Cafe, Cumberlandpark

GMUNDEN