Kommentar zu einer Studie

Ich bin auf der Seite von DietDoctor. com auf eine Studie gestoßen, die meinen Glauben an die Sicherheit einer LCHF Ernährung – reich an Fett, arm an Kohlenhydraten – bestätigt. Schließlich liest man am liebsten, woran man ohnehin bereits glaubt.

Die Studie im “British Journal of Nutrition“ kommt zum Ergebnis, dass Low-Carb Diäten keine Auswirkungen auf Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen haben. “Low-carbohydrate diets and prevalence, incidence and progression of coronary artery calcium in the Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA)”

Nach fünf Jahren fettreicher Ernährung war ich besorgt. Die Ärzte stellten Vorhofflimmern fest, eine Art von Herzrhythmusstörung, die bei mir fallweise auftrat und von selbst wieder verschwand. Durch meine fettreiche Ernährung wäre ich prädestiniert für Verkalkung der Herzkranzgefäße, wie meine Ärzte befürchteten. Es war Gefahr in Verzug. Auch ich war auf die Auswirkungen meiner fettreichen Ernährung neugierig. Ein Herzkatheter wurde eingeführt und mit Kontrastmitteln das Innere meiner Herzgefäße zur Darstellung gebracht. Das Ergebnis, auf das ich gehofft hatte, trat ein! Der Arzt sagte, essen Sie weiter wie bisher, ihre Herzkranzgefäße sind absolut in Ordnung. Auch das dauernd erhöhte Cholesterin spielt in ihrem Fall keine Rolle. Ich hatte meine persönliche Fallstudie: Low-Carb, High-Fat bewirkt keine Ablagerungen in den Blutgefäßen, wenigstens nicht in meinem Fall. Bin ich eine Anekdote oder kann man daraus Schlüsse ziehen?

Jetzt, wieder fünf Jahre später stoße ich auf diese Studie im British Journal of Nutrition, von der ich die wissenschaftliche Bestätigung meines Falles erhoffe. An der Universität von Minnesota wurde eine prospektive Beobachtungsstudie mit über 5.000 Personen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren durchgeführt. Zu Beginn wurden bei allen die Gefäßablagerungen mittels einer Computertomographie gemessen. Nach 2,4 Jahren folgte eine neuerliche Überprüfung. An Hand von Fragebögen  wurden Daten über den Fett- und Kohlenhydratkonsum gesammelt. Am Ende fanden die Forscher keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Mengen der Kohlenhydrat- oder Fettaufnahme hinsichtlich der Entwicklung oder des Fortschreitens der Ablagerungen in  den Gefäßwänden.

Natürlich fühle ich mich mit meinen Essgewohnheiten zunächst bestätigt, dass Fett keine negativen Auswirkungen auf die Herzkranzgefäße hat.

Nur hat diese Studie leider nicht die Qualität um meinen Fall einer wissenschaftlichen Klärung zu zuführen. Das hat folgende Gründe:

Erstens stützt sie sich auf Fragebögen zur Häufigkeit des Konsums von Nahrungsmitteln, eine unzuverlässige Methode, die in vielen epidemiologischen Ernährungsstudien verwendet wird.

Zweitens werden die Ergebnisse durch die gleichen konfusen Zusammenhänge und Verzerrungen beeinträchtigt, welche die Lebensumstände der Teilnehmer unberücksichtigt lassen. Darunter leiden alle epidemiologischen Studien.

Drittens wurde zwei Gruppen miteinander verglichen. Eine Kohorte mit knapp unter 43% der Kalorien aus Kohlenhydraten und mehr als 40% aus Fett, und eine andere mit mehr als 65% der Kalorien aus Kohlenhydraten und weniger als 22% aus Fett (43 zu 65% bei Kohlenhydraten und 40 zu 22% bei Fett). Bei diesem geringen Unterschied kann man keine Aussagen zu kohlenhydrat-armen Diäten machen. Man müsste schon eine wirklich kohlenhydratarme Ernährung (weniger als 100 Gramm pro Tag), oder wie ich sie praktiziere – LCHF, phasenweise ketogen – mit einer Kohlenhydrat reichen Ernährung vergleichen.

Schließlich sind 2,4 Jahre zu kurz für einen Beobachtungszeitraum, um realistische Schlussfolgerungen über die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit zu ziehen.

Immerhin hatte ich bei meiner Herzspiegelung schon fünf Jahre mit High-Fat hinter mir, was aber niemand so genau wissen wollte.

Somit war es wieder nichts mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung meines Falles. Ich bin und bleibe vorläufig ein Einzelfall, eine Anekdote, wie das wissenschaftlich heißt.

Was mich mehr freut und auch bestätigt, entnehme ich dem Kommentar von Dr. Bret Scher  auf der Seite von DietDoctor:

„Obwohl dies ein ermutigender Start sein mag, sind längerfristige Studien von höherer Qualität, die die Auswirkungen einer gut formulierten ketogenen Diät untersuchen, erforderlich, um diese Frage zu beantworten. Der beste Beweis für die Sicherheit einer kohlenhydratarmen Diät ist der Einfluss auf Ersatzmarker wie Blutdruck, Insulinresistenz, metabolisches Syndrom, HDL- und Triglyceridspiegel, Größe der LDL-Partikel und anderes“.

Und wie geht es mir heute, nach 10 Jahren LCHF mit meinem Vorhofflimmern? Dies war der Anlass für die Untersuchung mit dem Herzkatheter. Eine gute Frage!

Seit einem Jahr vermeide ich jeden Alkohol und wandere täglich ein bis zwei Stunden in den Wäldern meiner Umgebung. Mein Vorhofflimmern ist seither fast verschwunden. Von keinem Arzt kam der Rat, auf Alkohol zu verzichten. Das habe ich selbst ausprobiert und siehe da, es dürfte seine Wirkung haben! Wieder so eine Anekdote, die keine wissenschaftliche Basis hat.