Die Berichte mehren sich. Eine Ernährung die fast ausschließlich aus Fleisch besteht, kann chronische Krankheiten heilen. Siehe auch Blogartikel über Mikhaila Peterson.

In den englisch sprachigen Blogs boomen die Erfolgsgeschichten. Es ist an der Zeit, die wissenschaftlichen Grundlagen und die klinischen Erfahrungen von Ärzten mit dieser zunächst extrem klingenden Ernährung zu betrachten.

In Ungarn besteht seit 2010 die Praxis eines Arztes, die zu einem Zentrum für Paleomedizin ausgebaut wurde und nun „International Center for Medical Nutritional Intervention“ heißt. (Vormals: Paleomedicina Hungary).

Das Ärzteteam berichtet von sensationellen Heilungen bei chronischen und auch akut lebensbedrohlichen Krankheiten. Die führenden Personen, Dr. Csaba Tóth und Dr. Zsófia Clemens werden ihre langjährige Forschungstätigkeit an tausenden Patienten beim Symposium für Evolutionäre Medizin und Gesundheit in Gießen präsentieren. Termin: 29. September. Hier geht’s zum Veranstalter.

Das Besondere an diesem Symposium: Ärzte können mit ihrer Teilnahme Fortbildungspunkte erwerben. Die evolutionäre Medizin ist in der Aus- und Fortbildung der Ärzte angekommen. Ein Meilenstein in der Entwicklung der Medizin!

Hier ein Vorgeschmack auf das Symposium in Gießen, bei dem Dr. Csaba Tóth gemeinsam mit Dr. Zsófia Clemens zu Wort kommen wird.

Die paleoketogene Ernährung, erklärt von Dr. Csaba Tóth

Deutsche Zusammenfassung eines Interviews von Alessio Angeleri mit Dr. Csaba Tóth, erschienen in englischer Sprache, in https://www.evolutamente.it/the-interviews-of-evolutamente-csaba-toth/

 Dr. Csaba Tóth studierte an der Militärakademie für Medizin in Sankt Petersburg, machte seinen Abschluss in Ungarn, war Assistent in einem biochemischen Labor für Virus-Serologie und Genetik. Anschließend war er als Rettungsarzt und Intensivmediziner tätig. Eine Anstellung bei Pharmaunternehmen als Handelsvertreter für medizinische Produkte, und die Tätigkeit als Marketing- und Verkaufsleiter hat ihm die Augen geöffnet. Er hat erkannt, wie das System der Pharmaunternehmen funktioniert und wie diese die medizinische Praxis, die Ausbildung der Ärzte und ihre Weiterbildung beherrschen. Nach fünf Jahren in der Wirtschaft nahm er seinen ärztlichen Beruf als Internist und Allgemeinmediziner wieder auf. Vom Anfang an, im Jahr 2010, stütze er seine Praxis auf Ernährungsinterventionen.

2013 stieß Dr. Zsófia Clemens dazu und das Rehabilitationszentrum wurde auf PALEOMEDICINA Hungary umbenannt. Mit Dr. Zsófia Clemens hat er die paleoketogene Diät entwickelt, die seitdem als Therapie für die Patienten angewendet wird.

Dr. Csaba Tóth litt selbst seit Jahren unter chronischen Krankheiten, vor allem unter  Morbus Crohn, Diabetes und Bluthochdruck. Über Studien entdeckte er die paläolithische Ernährung von Loren Cordain. Da er nichts zu verlieren hatte, wagte er den Versuch. Der Erfolg stellte sich sehr bald ein! In zwei Monaten war er fast vollständig erholt! Kaum zu glauben, dass diese einfache Therapie so effektiv sein konnte. Diese Methode half auch einigen Freunden und Bekannten ihre Medikamente abzusetzen! Hatte er den Stein der Weisen gefunden, eine Therapie die wirklich funktionierte? Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los und er studierte grundlegende  Arbeiten, wie die von Staffan Lindeberg, Boyd Eton, Melvin Conner und Walter Voegtlin. Mit der eigenen Erfahrung und dem neuen Wissen startete er in die private medizinische Praxis, die ihm in kürzester Zeit eine sehr große Anzahl von Patienten brachte.

Bald ahnte er, dass die Paleokost nicht in allen Fällen zum Ziel führte. Die Neurowissenschaftlerin Dr. Zsófia Clemens war eine Vertreterin der klassischen ketogenen Diät,  und stieß auch mit dieser an Grenzen. Jede Ernährung, ob Paleo oder Keto, hatte ihre Vorzüge, war aber nicht optimal und mit Nebenwirkungen verbunden. Gemeinsam kamen sie zu der Schlussfolgerung, dass eine Kombination aus einer paleolithischen und einer ketogenen Diät die Lösung sein würde, und die Mängel der beiden Diäten beseitigen könnte. In einer Reihe von klinischen Versuchen entstanden die Grundprinzipien der paleolithischen-ketogenen Diät.

Csaba Tóth ist überzeugt, dass diese Therapie die vollständige Heilung von chronischen Erkrankungen ermöglicht und weist auf 22 Jahre Erfahrung in der klinischen Praxis mit Patienten hin.

Als nächster schloss sich der Physiker Dr. Peter Meresz, PhD, dem Team an. Er entwickelte in einem zweijährigen Forschungsprojekt eine Methode zur Messung der Durchlässigkeit der Zellmembran.

Das Team verfolgt zwei wesentliche Prinzipien: Die Behandlung stützt sich nicht auf naturheilkundliche, sondern ausschließlich auf wissenschaftliche Methoden. Dazu werden nur Mitarbeiter aufgenommen, wenn diese die paleoketogene Diät auch selbst praktizieren.

Csaba Tóth erkennt die Probleme bei der Umsetzung dieser Ernährung

Die paleoketogene Diät wird weder von der Gesellschaft noch von der Ärzteschaft unterstützt. Menschen, die dieser Diät folgen, müssen ernsthaft motiviert sein. Langfristig halten nur Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, wie Ausdauer oder Durchhaltevermögen,  durch. Patienten mit Krebs oder Autoimmunkrankheiten sind jeden Tag mit Schwierigkeiten konfrontiert, wenn sie sich für diese Therapie entscheiden. Sie finden in ihrer Umgebung tatsächlich sehr wenig Unterstützung. Oft fehlt die eigene Überzeugung und es mangelt an einem unterstützenden Umfeld. Daher halten weniger als ein Viertel der Patienten länger als ein Jahr durch. Dieser Anteil wächst langsam aber stetig. Die Gesamtzahl der Patienten liegt seit dem Jahr 2010 bei knapp 10.000. 99 Prozent der Patienten, die das Ernährungsprogramm einhalten und diese Diät vollständig annehmen, werden geheilt. Das verbleibende eine Prozent der Patienten war schon von Anfang an auf verlorenem Posten.

Auf die Frage, wie er sich persönlich ernährt, sagt Csaba Tóth:

„Ich selbst folge einer einfachen Diät. Ich strebe nicht nach Abwechslung, da dies keine Voraussetzung für eine gesunde Ernährung ist! Ich lebe von rotem Fleisch und tierischem Fett. Vorwiegend Schweinefleisch, Rind, Lamm und Ziege. Ein wenig Eier und Fisch. Ein- oder zweimal im Monat etwas Gemüse und Obst. Ich trinke Wasser. Fleisch kann in der Küche auf hundert Arten zubereitet werden! Ich esse auch ziemlich viel geräuchertes Fleisch. Die Haltbarmachung erfolgt durch traditionelle Konservierungsmethoden. Pflanzenöle verwende ich nicht, nur tierisches Fett. Ich esse nur, wenn ich hungrig bin. Das bedeutet maximal zwei, manchmal nur eine Mahlzeit am Tag. Ich trinke, nur wenn ich durstig bin und nicht mehr als 5-6 dl Wasser pro Tag. Ich versuche, Essen als ein Bedürfnis zu betrachten, das einfach notwendig ist für das gesunde Funktionieren meines Körpers und für mein Wohlbefinden – ich esse nicht aus Verlangen. Dadurch habe ich mich von all meinen früheren Krankheiten erholt und bin frei von gesundheitlichen Problemen.“

Die besondere Situation in Ungarn

In Ungarn ist die Situation auch nicht einfacher als in anderen Ländern. Nur kann hier eine Ernährungsintervention Bestandteil der medizinischen Tätigkeit sein und ist daher gesetzlich erlaubt. Viele ungarische und ausländische Ärzte suchen bei Paleomedicina Hilfe.

Trotz allem wird das Team von der ungarischen Diabetes-Vereinigung heftig angegriffen. Diese Angriffe nehmen ab, da der Erfolg gegeben ist. Die große Herausforderung ist die  Reduzierung von Medikamenten. Dagegen haben Ärzte Bedenken, weil ihnen niemand sagt, wie man das erreicht. Das erzeugt natürlich Widerstand.

Das Ärzteteam sieht sich in einer internationalen Vorreiterrolle. Es besteht anscheinend kein anderes klinisches Team, das Medikamente in solch einem Maße und mit so hoher Wirksamkeit reduzieren kann. Das gilt auch für die komplexesten und schwierigsten medizinischen Situationen. Leider stehen die gegenwärtigen medizinischen Maßnahmen und die gesetzlichen Regelungen in einem unversöhnlichen Gegensatz zur Wissenschaft und dienen überhaupt nicht den Interessen der Patienten. Für die Zukunft hat Csaba Tóth große Hoffnung: in ungefähr 50 Jahren wird das Hauptthema unter den Ärzten die paleoketogene Ernährung sein. Es gibt eine gute Chance, alle anderen Ernährungsformen hinter sich zu lassen.

Auf die Frage, wie lange wir noch darauf warten müssen, sagt er:

„Offen gesagt, es ist noch zu früh für unsere Gesellschaft, das Licht am Ende des Tunnels zu erblicken. Wir müssen nur hartnäckig sein bei dem, was wir tun, und dadurch mehr und mehr Ärzte und Forscher hervorbringen, die verstehen, was vor sich geht. Dann, irgendwann in der Zukunft, werden die Menschen die Wahrheit erkennen, dass gesunde Ernährung etwas völlig anderes ist, als das, was heutzutage dafür gehalten wird. Die Menschen fühlen und erleben bereits, dass etwas mit der gegenwärtigen Art der Medikation nicht stimmt. Seien wir nicht naiv, das wissen auch die Ärzte. Aber solange die Ärzte für die Anwendung von Leitlinien und nicht nach der Zahl der geheilten Patienten bezahlt werden, gibt es keine Hoffnung auf ein Wunder.“

Csaba Tóth ist der festen Überzeugung, dass der klinische Teil der Internen Medizin von Anfang bis Ende neu geschrieben werden muss. Hier gilt es zunächst zu bestimmen, was eine optimale evolutionäre Ernährung ist. Dann lösen sich auch andere offene Fragen.

Dazu:

„Glauben Sie mir, auf komplizierte Fragen gibt es einfache Antworten. Wir würden uns freuen, an diesem Prozess teilzunehmen. Ich denke, unser Arbeitsteam unter der Leitung von Dr. Zsófia Clemens verfügt über ein solches Wissen und eine klinische Praxis, die auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft nicht mehr zu übersehen ist. Das mag für bestimmte Leute „gefährlich“ klingen, da es in der Wissenschaft nur eine Wahrheit geben kann, nicht mehrere. Natürlich hält jeder seine eigene Meinung für richtig. Manche glauben, dass mehrere Lösungen für das gleiche Problem existieren können.“

Warum gibt es nur eine einzige optimale Ernährung?                                 

„Für den Menschen, der zur Gattung der Primaten gehört, existiert wie für jede andere Tierart, nur eine optimale Art der Ernährung. Nicht mehrere. Es gibt keinen „goldenen Mittelweg“. Die Hauptaufgabe einer Gesellschaft für evolutionäre Medizin besteht darin, sichtbar zu machen, dass mindestens 90% unserer inneren Krankheiten durch eine schlechte Ernährung verursacht werden und unsere Krankheiten nichts mit den Genen zu tun haben. Es geht darum, sichtbar zu machen, was gesunde Ernährung bedeutet und klar und genau ihre Details anzugeben. Letzteres ist das oberste Prinzip für einen Arzt. Wenn wir diese Aufgabe erfüllen, können wir sagen, dass wir den größten Fortschritt der letzten zehntausend Jahre erreicht haben. Wir sind bereit, unser Wissen und unsere Unterstützung zur Verfügung zu stellen.“

 

Kommentar von Robert Schönauer:

Die Debatte um die paleoketogene Ernährung ist weltweit entbrannt. Befürworter und Gegner werden sich melden. Im Lichte der Evolution scheint alles logisch. Jeder Einzelne muss aber eine Entscheidung über seine Ernährung treffen. Keine Entscheidung zu treffen, heißt im Mainstream der Werbung mitschwimmen. Und das kann nachweislich krank machen.

Zum Abschluss ein Hinweis: Dr Andreas Eenfeldt kündigt auf seiner Webseite https://www.dietdoctor.com/could-an-all-meat-diet-cure-some-diseases eine intensive Auseinandersetzung mit den Vorteilen und Nachteilen der karnivoren Ernährung an. Seien wir gespannt und neugierig, was die Wissenschaft und die klinische Praxis hervorbringt. Hier wird weiter berichtet.