„The Economist“ veröffentlichte am 21. März 2019 einen revolutionären Artikel über die Ursachen der gegenwärtigen Epidemie von Übergewicht und Fettleibigkeit.

Für eine kurze Einführung in diesen Artikel ist das drei minütige YouTube Video sehr gut geeignet. Die englischen Untertitel habe ich für Sie ins Deutsche übersetzt. Lesen Sie bitte mit:

 

„Seit über einem Jahrhundert spielt das Kalorienzählen eine zentrale Rolle für das Verständnis der Gewichtsregulation. Angesichts der Tatsache, dass die große Mehrheit der Diäten versagt – müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass die Kalorienfixierung eine der größten Wahnvorstellungen in der Geschichte der Ernährung ist.

Seit Jahrzehnten müssen Menschen, die ihr Gewicht kontrollieren möchten, Kalorien zählen. Ist dies ein guter Rat, angesichts der Tatsache, dass die große Mehrheit der Diäten versagt? Könnte das Kalorienzählen eine der größten Wahnvorstellungen in der Geschichte der Ernährung sein? Die Idee, Kalorien zu zählen, wurde von Wilbur Atwater eingeführt. Er glaubte, dass alle Kalorien gleichwertig sind, also eine Kalorie eine Kalorie ist. Seine Theorie war, dass eine Kalorie, egal aus welchem Nährstoff, den Körper mit der gleichen Menge an Energie versorgte, unabhängig von welcher Art der Nahrung oder Mikronährstoff sie stammt. Er kam zu dem Schluss, dass ein Gramm Protein oder Kohlenhydrat vier Kalorien Energie liefert, verglichen mit neun Kalorien bei einem Gramm Fett. Und mehr als ein Jahrhundert später wird diese Zahlenreihe (4-4-9) weltweit immer noch verwendet, um die Energie zu berechnen, die wir aus Lebensmitteln gewinnen.

Was Atwater zu dieser Zeit jedoch nicht berücksichtigten konnte, war, dass  verschiedene Menschen unterschiedliche Lebensmittel ungleich schnell verbrennen, abhängig von ihrem Erbgut oder Variablen ihrer Darmbakterien. Auch das Kochen von Lebensmitteln kann die verfügbare Menge an Kalorien erhöhen, die man aus ein und demselben Lebensmittel aufnehmen kann. Atwaters Erkenntnisse führten zu dem Missverständnis, dass Fett immer zu einer größeren Gewichtszunahme führt als andere Lebensmittel, einschließlich Zucker. Diese Theorie hat die Ernährungspolitik im Westen seit Jahrzehnten geprägt.

Befindet sich überschüssiger Zucker im Blut, stapelt Insulin diesen direkt als Fett, wodurch Zucker der schnellste Weg ist, um Körperfett zu produzieren. Die Schuld liegt nicht ganz bei Atwater. Im Jahr 1967 finanzierte die Zuckerindustrie heimlich die Forschung der Harvard University, um die Schuld für die Verbreitung der Fettleibigkeit dem Fett statt dem Zucker anzuhängen. Dies veranlasste den US-Senat und viele andere Regierungen, eine fettarme, cholesterinarme Ernährungsweise zu empfehlen. Dieser Rat hatte erst recht einen dramatischsten Anstieg der Fettleibigkeit zur Folge, den größten in der Geschichte der Menschheit – was zu einem raschen Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitrug, die weltweit häufigste Todesursache. Atwaters Annahmen sind in der Gesellschaft so tief verwurzelt, dass viele eine Überarbeitung des Systems für zu störend und kostspielig halten – aber nach mehr als einem Jahrhundert ist es an der Zeit, die nutzlosesten Maßnahmen der Welt zu begraben.“

 

Peter Wilson, der Autor dieses Artikels, ein freiberuflicher Schriftsteller in London, hat  diese Geschichte recherchiert und dabei in nur vier Monaten 13 Kilo abgenommen.

Hier geht es zur Langfassung des englischen Artikels:

https://www.1843magazine.com/features/death-of-the-calorie