Lesern meines Blogs ist Dr. Jason Fung kein unbekannter. Seine Forschungen zu Diabetes haben die Behandlung weltweit revolutioniert. Das Kohlenhydrat-Insulin-Modell (KIM) und Intervallfasten wird durch ihn verbreitet und ist nachweislich eine Maßnahme, Diabetes-Typ-2 zu heilen, bzw. in Remission zu bringen.

Er ist nicht nur ein neugieriger Wissenschaftler und Arzt sondern auch eloquenter Kommentator. Empfehlenswert sind seine Essays auf seiner Homepage wegen seiner Formulierungen, die sich kein Blatt vor den Mund nehmen.

Lesen Sie hier, wie er seine eigene und die Ausbildung der Ärzte insgesamt in Sachen Ernährungskompetenz beschreibt. Der Artikel wurde in englischer Sprache auf mehreren Blogs veröffentlicht, zu Beginn auf seiner eigenen Homepage

Übertragung ins Deutsche von Mag. Robert Schönauer

 

Dr. Jason Fung:

Was weiß Ihr Arzt über Ernährung?

 Auf manchen Gebieten sind Ärzte wirklich großartig. Wie man Medikamente verschreibt? Wie eine Operation verläuft? Ja, da kennen sie sich aus. Ernährung und Gewichtskontrolle? Nein, davon haben sie definitiv keine Ahnung. Sie sind vielleicht verblüfft, dieses Eingeständnis von einem hochqualifizierten Arzt wie mir zu hören. Es kommt alles auf die Ausbildung eines Arztes an und darauf, wofür er sich kompetent hält.

Die medizinische Ausbildung erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt, und der Ernährung oder der ebenso heiklen Frage, wie man abnehmen kann, wird kaum Beachtung geschenkt. Die Ausbildung an der medizinischen Fakultät erfolgt nach Standardlehrplänen, die eine bestimmte Anzahl von Stunden für die Ernährung beinhalten. Diese unterscheiden sich je nach Ausbildungsort. Während der vierjährigen medizinischen Ausbildung sind es im Allgemeinen etwa 10 bis 20 Stunden. Ich habe meine medizinische Ausbildung an der University of Toronto und der University of California, Los Angeles (UCLA) absolviert, aber meine Erfahrungen waren den meisten anderen Schulen in Nordamerika ähnlich.

Reminiszenzen an Studienzeiten

Die medizinische Ausbildung enthielt Ernährungsvorträge, in denen über biochemische Stoffwechselwege des Vitamin-K-Stoffwechsels oder den Weg der Vitamin-D-Aktivierung in Niere und Haut diskutiert wurde. Ja, vielleicht könnte man das als Bereich der Ernährung betrachten, aber das ist der Biochemie wirklich viel näher. Vitamin D wird in den Nieren zu 25-OH-Vitamin D und wird anschließend in der Haut während der Sonneneinwirkung zum aktiven 1,25-OH-Vitamin D aktiviert. Tatsächlich ein besonders nützliches Wissen, wenn es darum geht zu verstehen, wie man Patienten beim Abnehmen helfen kann?

Wir lernten auch über so alltägliche Krankheiten wie Skorbut (Vitamin C-Mangel) und Pellagra. Das Wissen über Skorbut war für die Prüfungen sicherlich von Nutzen, und auch für Patienten mit Skorbut, die mir aber bisher nie unterkamen. Wahrscheinlich weil ich ein moderner Arzt bin und kein Pirat in der Karibik.

An der medizinischen Fakultät gibt es in den Vorlesungen zum Thema Ernährung solche Inhalte und ich absolvierte die medizinische Fakultät im Wesentlichen mit null Wissen über Ernährung. Die Fragen, die die Leute wirklich beantwortet haben wollen, sind Dinge wie – sollte ich mehr Kohlenhydrate essen? Weniger Kohlenhydrate, mehr Fett? Weniger Fett? Ist Zucker schlecht? Wie oft soll ich essen? Wie kann ich abnehmen? Die Behandlung dieser Gesundheitsfragen wird anscheinend nicht als Aufgabe der medizinischen Fakultät angesehen. Die medizinische Fakultät mit Dutzenden von Professoren und akademischen Ärzten war an diesen Fragen offenbar nicht genug interessiert um sich darüber Gedanken zu machen. Man verließ sich vielmehr auf die offiziellen Ernährungsempfehlungen in Kanada und USA (Canada Food Guide und American Dietary Guidelines).

Die medizinische Fakultät bot weniger Schulung in alltäglichen Ernährungsfragen, als die meisten Gesundheitsvereine oder Fitnessstudios. Durch ihre Ausbildung gehen Ärzte davon aus, dass Ernährung und Gewichtsabnahme einfach nicht zu den Problemen gehören, mit denen sie sich zu beschäftigen haben. Medizinstudenten entwickeln das eigene Selbstbild als Arzt anhand ihrer Mentoren, denen sie an der medizinischen Fakultät begegnen. Und diese Ärzte und Forscher haben null Ahnung, wenn es um Ernährung oder Gewichtsverlust geht.

Dies steht im krassen Gegensatz zum medizinischen Wissen, das sie sich aneignen. Jedermann und sicherlich jeder Medizinstudent weiß, dass Fettleibigkeit bei Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom eine dominierende Rolle spielt. Diese Stoffwechselkrankheiten erhöhen wiederum das Risiko von Herzkrankheiten, Schlaganfällen, Krebs, Nierenerkrankungen, Amputationen, Erblindung usw. Ärzte verstehen die Bedeutung der Gewichtszunahme für Krankheiten voll und ganz. Sie kümmern sich aber weiter nicht darum, wie man Gewicht verliert oder was wir essen sollten.

Jeder rational Denkende hätte folgende Gedanken:

  1. Gewichtszunahme hat Stoffwechselkrankheiten zur Folge und kann hierauf zu Herzinfarkt (oder Typ-2-Diabetes, Gelenkschmerzen oder vielen anderen mit dem Gewicht zusammenhängender Leiden) führen.
  2. Was kann ich tun, um die Gewichtszunahme (die Hauptursache von Krankheiten) vorzubeugen oder umzukehren?

So haben Ärzte zu denken gelernt:

  1. Gewichtszunahme führt zu Stoffwechselerkrankungen und dann zu Herzinfarkten.
  2. Welche Medikamente oder Operationen kommen für Patienten nach ihrem Herzinfarkt in Frage?

„Was zum Kuckuck?“ werden Sie sagen und Sie haben vollkommen Recht.

Obwohl jeder weiß, dass Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen die Gesundheit unserer Nation zerstören, bringen die medizinischen Schulen Medizinstudenten oder Ärzten nicht bei, wie sie diese behandeln müssen. Stattdessen verbreiten sie die Auffassung, dass der Gewichtsverlust nichts ist um das sich  Ärzte zu kümmern haben, oder was sie studieren sollten um bei ihren Patienten etwas zu bewirken. Ärzte sagen Patienten oft, dass sie abnehmen sollten. Was sie den Patienten nicht sagen, ist jedoch, wie sie abnehmen sollten.

Kalorien kürzen

Der gesamte Studienplan einer medizinischen Fakultät in Punkto Abnehmen ist ungefähr so ​​aufschlussreich wie die letzte Ausgabe des Cosmopolitan Magazins. Iss nicht so viel und beweg dich mehr. Etwa 500 Kalorien pro Tag weniger und Sie verlieren pro Woche etwa ein Pfund Fett.

Wenn es ein neues Medikament gäbe, zum Beispiel gegen Lungenkrebs, dann würden Ärzte sofort wissen wollen – funktioniert es? Zum Abnehmen lernten wir die Methode der Kalorienrestriktion, aber niemand scheint laut zu fragen – funktioniert sie auch? Wir ahnten bereits, dass dies nicht der Fall war. Schließlich wurde diese Gewichtsabnahme-Methode bereits seit 50 Jahren ausprobiert und sie funktionierte bei niemanden.

Zur Gewichtsabnahme gab es kontrollierte Studien zur Methode der Kalorienrestriktion. Jede einzelne Studie ist fehlgeschlagen. Es gab Tausende leibhaftige Patienten, die es ausprobierten. Die Erfolgsquote lag bei etwa 1%. Ärzte wurden ausgebildet, um Ratschläge zur Gewichtsabnahme mit einer erwarteten Ausfallrate von 99% zu erteilen. Man kann sich fragen, warum Ärzte nicht innehalten und sich fragen, warum sie an Ratschlägen festhalten, die in 99% der Fälle fehlschlagen. Die unfairste Auffassung ist, Patienten selbst für das Scheitern verantwortlich zu machen, wenn sie nicht abnehmen können. Es ist so viel einfacher, dem Patienten die Schuld zu geben, als den Fehler in den üblichen medizinischen Ratschlägen zu suchen, wie die Kalorien zu reduzieren.

Kein anhaltender Gewichtsverlust bei Kalorienreduktion, wie die „Women’s Health Initiative Study“ zeigt.

Bildquelle: https://idmprogram.com/nutrition-and-your-doctor/

Medizinstudenten sind einem enormen unbewussten Vorurteil ausgesetzt. Sie sehen, dass alle Ärzte in ihrem Umfeld, alle Ärzte, die sie unterrichten, alle Ärzte im Krankenhaus, sich nicht wirklich um Ernährung oder Ratschläge zum Abnehmen kümmern. Daher sehen sie, dass dies nicht etwas ist, was Ärzte tun. Wir verordnen Medikamente. Wir machen eine Operation. Wir machen keinen Gewichtsverlust. Auch wenn dies die Hauptursache für die meisten Krankheiten ist, die wir heute sehen.

Ändert sich etwas nach dem Medizinstudium? Ja, es wird schlimmer. Spezialisierung, Fachgruppen und Stipendien folgen in den nächsten 5 Jahren nach dem Medizinstudium. Es gibt keinen formellen Studienplan und Ernährung kommt hier nicht vor. Das sind weitere 5 Jahre, in denen Ärzte lernen, dass Gewichtsverlust nichts mit ihnen zu tun hat. Überlassen Sie es den Weight Watchers, Jenny Craig mit ihrer Promi-Diät und den Illustrierten.

Eine wirkliche Medizin ist das nicht.

Hat es einen Sinn mit Ihrem Arzt über Gewichtsabnahme zu sprechen? Würden Sie Ihren Klempner bitten, Ihre Weisheitszähne zu ziehen? Würden Sie es einem Kaffeesieder überlassen Ihre Zukunft zu deuten? Es geht auch anders.

Es liegt auf der Hand, mehr Ernährung in die Studienpläne der medizinischen Fakultät oder in die Ausbildung der praktizierenden Ärzte aufzunehmen. Es würde auch helfen, wenn Ärzte etwas mehr über die Physiologie hinter der Gewichtsabnahme und Gewichtszunahme erfahren würden. Über die hormonellen Regulatoren des Gewichts und wie man sie durch Diät beeinflussen kann. Die Gewichtszunahme ist ein hormonelles und kein kalorisches Ungleichgewicht.

Wegweisende Bücher von Dr. Jason Fung

 

Zitat aus https://idmprogram.com/

 „Intensiv Dietary Management, IDM“ bietet Unterstützung, Aufklärung und Anleitung, die Sie benötigen, um Ihren Gewichtsverlust zu erreichen und Ihren Typ-2-Diabetes auf natürliche Weise durch einfache Lebensstil-Modifikationen umzukehren.

Keine Medikamente. Keine Nahrungsergänzungen. Keine Operationen.“