Weltweit gerät die Zuckerindustrie in Bedrängnis. Coca Cola meldet fallende Umsätze, Zuckersteuern auf Limos sind in Diskussion, und die Milchindustrie hat Probleme, ihre zuckerhaltigen Produkte abzusetzen.

Dass Zucker Gift ist und Fruktose der Leber schadet, pfeifen schon die Spatzen von den Dächern. Auch dass der versteckte Zucker in unserer Fertignahrung  viel gefährlicher sein kann, als hin und wieder eine Mehlspeise,  wird auch immer öfter diskutiert.

„du sollst nicht merken….“

Wie sich die Vertreter der Milchindustrie aus dem Konflikt zwischen Geschäft und Gesundheit herauswinden, zeigt folgendes Zitat des  Geschäftsführers der Tiroler Berglandmilch im Kurier vom 4. Juni 2017:

„Unsere Gesellschaft muss beim Zuckerkonsum sicher aufpassen, das ist ein Thema. Wir als Berglandmilch reduzieren laufend den Zuckergehalt. Ein Lattella von heute hat ein Prozent Zucker weniger als wie vor fünf Jahren. Die Reduktion muss so dosiert sein, dass es der Konsument nicht abrupt und drastisch merkt. Denn sonst trinkt er es nicht“.

Werbetext  zu Lattella der Firma Berglandmilch:

„Mango: Der Geschmack der Mango ist angenehm süß und sehr aromatisch. Die Mango ist die Nationalfrucht der Inder. Ihr werden besondere Kräfte nachgesagt. Kein Wunder also, dass Buddha zu ihren größten Fans zählte. Und wer weiß, vielleicht hilft dir Lattella ja, wenn du das nächste Mal versuchst, Berge zu versetzen?“

Milchprodukte wie dieses kommen derart verändert auf den Markt, dass der Zucker und nicht mehr das Fett als neuer Geschmacksträger herhalten muss

Ein ganzes Prozent Zucker weniger in fünf Jahren? Ist das nicht lächerlich? Das Milchprodukt Lattella besteht aus fermentierter Molke und wird mit Mangopüree, Säureregulatoren, Antioxidationsmittel und Aromastoffen aufgemischt. Auf 100 ml kommen 9,9 g Kohlenhydrate, das entspricht 2 Stück Würfelzucker! Zu einer normalen Mahlzeit wird üblicherweise eine Packung mit 250 ml. getrunken. Das bedeutet ein Äquivalent von 5 Stück Würfelzucker! Fett, Eiweiß liegen unter einem Prozent. Somit unterscheidet sich das Milchprodukt kaum von Cola oder Red-Bull, nur dass Energydrinks nicht mit dem Argument Gesundheit beworben werden. Natürlich gibt es auch eine Light Variante von Lattella. Bei dieser wird die Zuckermenge halbiert. Was trinken Sie dann noch? Teures Zuckerwasser, mit ein wenig Molke, viel Aromastoffen, Süßstoffen, und Zitronensäure, die für die Zähne besonders schädlich ist, und ganz wenig Protein und Fett (zusammen 0,2 g). Nährstoffe gleich null. Der Hunger ist ein ständiger Begleiter und Essattacken sind unvermeidbar.

Du sollst nicht merken“ ist also die Werbebotschaft der Milchindustrie. Zuerst sollst du nicht merken, dass sich dein Geschmack an den Zucker gewöhnt hat und du immer mehr davon benötigst. Ja, du bist abhängig geworden. Du musst deinen Körper weiterhin der Zuckerindustrie zur Verfügung stellen. Du sollst überhaupt nie merken, dass du deinen Speckgürtel oder dein Übergewicht diesen „zuckerreduzierten“ Milchprodukten zu verdanken hast, von denen du jetzt mit ruhigem Gewissen noch mehr trinken kannst.

Es gibt tatsächlich eine logische Erklärung, warum es nötig ist, Milchprodukte mit Zuckerstoffen anzureichern. Der Geschäftsführer von Berglandmilch findet ehrliche Worte:

„Gesund allein ist zuwenig“

„Wir stellen bei Tests fest, dass sich die Konsumenten zwar für weniger Zucker aussprechen, aber wenn man es ihnen ohne Zucker hinstellt, beklagen sie sich, dass es nach nichts mehr schmeckt. Die Produkte müssen auch schmecken, gesund allein ist zu wenig.“

Eine beklemmende Einsicht: Umsatz geht vor Gesundheit.  Der Weltmilchtag soll die Menschen zum Milchtrinken bewegen, tatsächlich wird aber eine Menge verlockender Süßgetränke angeboten, die mit dem gesunden Naturprodukt Milch oft nur mehr den Namen gemeinsam haben.

Dabei ist es ganz einfach, Zuckermilch zu vermeiden und zu Milchprodukten zu greifen, die gut schmecken und auch gesund sind: Butter, fetter Käse, Sahne, Sauerrahm, Jogurt, Vollmilch, usw. Davon werden Sie gut satt und versorgen ihren Körper mit natürlichem Eiweiß und Fett.

Zitate aus: KURIER, Sonntag 4. Juni 2017, S 5, LEBEN „Zuckergehalt wird laufend reduziert“. Konsumenten werden Schritt für Schritt an die Reduktion des Zuckers herangeführt. Von Josef Ertl.