In einem Artikel der Ärztezeitung vom 11.07.2017 (Onlineausgabe) macht der Diabetesexperte Prof. Dr. Stefan Martin darauf aufmerksam, dass nicht nur der Haushaltszucker oder die in Fertigprodukten untergejubelten Süßstoffe die Ursachen von Übergewicht sind, sondern das Problem viel weiter zu fassen ist: all die Stärke, die wir regelmäßig aus Brötchen, Pasta, Reis oder Kartoffeln zu uns nehmen, muss zum Zucker gerechnet werden. Leider haben diese Lebensmittel den Ruf, Teil einer gesunden Ernährung zu sein.

Wenn es nach den Produzenten von Lebensmitteln und deren Werbesprüchen geht, genügt es Kalorien einzusparen. Da der Zucker im Verhältnis zu Fett relativ wenig Kalorien enthält, steht der Sündenbock fest: Das Fett! Ernährungsempfehlungen, die auf Kalorien fixiert sind, führen unweigerlich zur Verharmlosung des Zuckers, was der industriellen Lebensmittelproduktion nützt.

Nun weiß man aber schon seit langem, dass es nicht so sehr darauf ankommt wieviel wir essen, sondern ob die Nahrung zu den genetischen Programmen des Körpers passt und nach der Aufspaltung mehr oder weniger gut verwertet werden kann. Der Stoffwechsel funktioniert nach Programmen, die sich evolutionär entwickelt haben und nicht in einfachen kausalen Zusammenhängen darstellbar sind. Kurz gesagt wird Zucker genauso wie Stärke im Darm zu Glukose (Traubenzucker) zerlegt. Die Glukose wird als rasch verfügbarer Brennstoff genützt oder als Energiereserve in Form von Körperfett gespeichert. Es ist Schluss mit der Theorie „Fett macht fett“! Das war ohnehin immer nur Populärmedizin und hatte mit wissenschaftlicher Evidenz nichts zu tun.

„Zucker macht fett“, lautet das neue Paradigma, auch wenn es fürs erste nicht logisch klingt. Die Wissenschaft bestätigt es täglich, die Krankenkassen (siehe Zuckergipfel) reagieren bereits, die Politik wartet auf freiwillige Selbstbeschränkungen der Getränkeindustrie.

„Süß war gestern“: erster Deutscher Zuckerreduktionsgipfel am 28.06.2017

Keine Frage, der Zuckergipfel der größten deutschen Krankenkassen war ein wichtiger Schritt. Er ging mit den Lebensmittelherstellern ins Gericht, weil diese mit versteckten Zuckerarten Geschmacksvarianten erzeugen, die Konsumenten abhängig machen und obendrein die Preise senken. Nicht angesprochen wurde aber, dass im Rahmen der industriellen Lebensmittelproduktion jede Menge raffinierter Kohlenhydrate (also Stärke) als Füllmittel verwendet wird.

Für Prof. Dr. Stefan Martin geht die Forderung der Kassen nach einer Verringerung des Zuckers in Limos, Energydrinks und Fertigspeisen nicht weit genug. Er fordert, nicht ein Lebensmittel, sondern alle Lebensmittel, die zu Glukose abgebaut werden, unter die Lupe zu nehmen. In einem leicht verständlichen Artikel erklärt er, wie Stärke in unserem Körper abgebaut wird. Es ist jedes Mal dasselbe, ob wir Süßigkeiten naschen oder Brot essen: Der Blutzucker steigt und das Insulin schießt ein um die Zuckerspitzen zu senken. Bis schließlich die Wirkung des Insulin nachlässt. Lesen Sie bitte selbst:

„Bekannterweise besteht auch Stärke, die in vielen Sättigungsbeilagen wie Backwaren, Kartoffeln, Nudeln oder Reis enthalten ist, aus vielen aneinandergereihten Glukosemolekülen. Kommen diese in den Gastrointestinaltrakt, werden sie in Sekunden in pure Glukose gespalten. Kartoffelbrei und viele andere stärkehaltige Nahrungsmittel – hier empfiehlt sich ein Blick in eine Tabelle – haben einen höheren glykämischen Index als Zucker! Somit muss man nicht nur vor Haushaltszucker, sondern auch vor Brötchen, Nudeln, Kartoffeln und Reis warnen“.

Am Ende des Artikels geht Dr. Martin noch auf die irreführende und leider weit verbreitete Behauptung ein, Fettverzehr wäre die Ursache von Herz-Kreislaufkrankheiten. Klare Worte in einem deutschen Ärztemagazin:

„So hat man in den 1970er Jahren mit der weltweiten Verteufelung von Fetten versucht, das Problem der Atherosklerose in den Griff zu bekommen. Heute wissen wir, dass diese evidenzfreie Empfehlung nichts an der Entwicklung der Atherosklerose gemacht hat. Sie hat vielmehr dazu beigetragen, das weltweite Körpergewicht in die Höhe zu treiben“.

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/939581/zuckergipfel-nicht-broetchen-pasta-kartoffel-reisgipfel.html

 

 „Fett ist genial  und Kohlenhydrate sind gemein“,

wäre meine Schlussfolgerung aus eigener Erfahrung und evidenzbasierter Wissenschaft. Danke, Herr Professor Dr. Stefan Martin für Ihre eindeutigen Worte!

Mag. Robert Schönauer

 

Dazu eigener Blogartikel: Der Präsident der World Heart Federation sagt: Fett schützt das Herz, Kohlenhydrate sind schädlich!

Artikel auf LCHF-DEUTSCHLAND: „Zucker ist schlecht, Stärke noch schlechter“

 

Neuerscheinung von Prof. Dr. Martin und Dr. Krempf

Prof. Dr. med. Stephan Martin

ist als Chefarzt für die stationäre interdisziplinäre Diabetesbetreuung in allen Kliniken des Verbunds Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD) zuständig.

Er war langjähriger Leitender Oberarzt der Deutsche Diabetes-Klinik und ist ein international anerkannter Arzt und Forscher.

 LautFOCUS-Liste 2016 ist Prof. Dr. med. Stephan Martin als Topmediziner ausgewiesen.